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Wissen Gesundheit

Darmspiegelung: In diesem Abstand ist Vorsorge sinnvoll

Zumindest bei Frauen mit negativem ersten Befund vor dem 60. Lebensjahr reicht ein 10-Jahre-Intervall.

03/08/2023, 04:43 PM

Eine Darmspiegelung kann durch Entdeckung und Entfernung von Krebs-Vorstufen den größten Teil der Fälle von Dickdarmkarzinomen verhindern. In der bisher weltgrößten Studie zum idealen Intervall solcher Untersuchungen - normalerweise alle zehn Jahre - haben jetzt deutsche Experten gezeigt, dass speziell bei Frauen mit einem negativen Befund vor dem 60. Lebensjahr eine Koloskopie-Wiederholung auch erst nach einem längeren Zeitraum sicher wäre.

"Die Screening-Darmspiegelung ist zwar eine sehr effektive, aber aufw√§ndige Vorsorge-Untersuchung", sagte Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ. "Lie√üe sich das Intervall aber zwischen erster und zweiter Screening-Koloskopie in Abh√§ngigkeit von den pers√∂nlichen Erkrankungsrisiken ausdehnen, ohne Abstriche bei der Sicherheit zu machen, so w√§re das f√ľr alle Beteiligten ein Gewinn."

Fr√ľherkennung rettet Leben

Unbestritten ist, dass Vorsorge die Gefahren von Darmkrebs reduzieren. Nun stellten sich Forschende die Frage, was der ideale Zeitraum f√ľr die Wiederholung einer Vorsorgekoloskopie ist. Um eine belastbare Grundlage f√ľr zuk√ľnftige Screening-Empfehlungen zu schaffen, werteten Brenner und seine Co-Autoren Daten aus dem weltweit gr√∂√üten Register aus, Daten von 120.289 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich mindestens zehn Jahre nach ihrer ersten Screening-Koloskopie einer wiederholten Darmspiegelung unterzogen hatten, flossen in die Auswertung ein.

"Der Anteil an Personen mit Darmkrebs war zehn Jahre nach einer befundfreien (negatives Ergebnis; Anm.) Erstuntersuchung mit etwa 0,2 Prozent sehr niedrig und stieg auch bei Personen, deren Erstuntersuchung bereits 14 Jahre zur√ľcklag, nicht wesentlich an", schrieb zu der wissenschaftlichen Untersuchung, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine erschienen sind.

Untersuchung nach individuellem Risiko

Das empfohlene Untersuchungsintervall k√∂nnte jedenfalls eventuell an das pers√∂nliche Risiko bei bestimmten Personengruppen angepasst werden. Der Erstautor der Studie, Thomas Heisser, Epidemiologie am DKFZ: "Unsere Ergebnisse geben starke Hinweise darauf, dass das derzeit empfohlene Zehnjahresintervall f√ľr die Vorsorgekoloskopie bei symptomfreien Patienten mit negativer Ausgangsuntersuchung sicher ist. Au√üerdem legen die Ergebnisse nahe, dass das Vorsorgeintervall insbesondere bei Frauen, die bei der Erstuntersuchung j√ľnger als 60 Jahre alt waren, verl√§ngert werden k√∂nnte."

Situation in √Ėsterreich

F√ľr √Ėsterreich empfiehlt die Krebshilfe die erste Fr√ľherkennungskoloskopie ab dem 45. Lebensjahr. An den Untersuchungen beteiligten sich vor der Covid-19-Pandemie aber nur rund 16 Prozent der infrage kommenden Menschen, wie der Wiener Chirurg und Koloskopie-Spezialist Friedrich Weiser dazu erkl√§rt. "Etwa 25 Prozent der Menschen ab dem Alter von 50 Jahren haben Darmpolypen. 40 Prozent werden b√∂sartig oder sind zum Zeitpunkt der Entdeckung bereits b√∂sartig, also Karzinome."

Trotz eindeutiger Expertenempfehlungen konnte bisher in √Ėsterreich eben noch kein organisiertes Darmkrebs-Fr√ľherkennungsprogramm mit Vorsorgekoloskopien etabliert werden. J√§hrlich wird Darmkrebs bei rund 4.600 Menschen festgestellt. Die Zahl der j√§hrlichen Todesf√§lle durch diese Erkrankung liegt bei rund 2.000.

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