"Weekend Warriors": Reicht es, nur am Wochenende Sport zu machen?

Frau dehnt sich vor dem Sport
Für die Gesundheit zählt jede Bewegung. Doch kann das Work-out am Wochenende regelmäßigen Sport unter der Woche ersetzen?

Unter der Woche trifft man sie nur selten im Fitnessstudio, auf der Laufbahn oder in der Tennishalle an. Zwischen Freitag- und Sonntagabend laufen sie jedoch zur Höchstform auf. "Weekend Warriors", auf Deutsch "Wochenendkämpfer", sind Menschen, die unter der Woche neben Arbeits- und Familienalltag kaum Zeit für Sport finden - und dafür am Wochenende möglichst viel Bewegung machen. 

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Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO "zählt für die Gesundheit jede Bewegung". Aktuell empfiehlt sie für Erwachsene davon mindestens 150 Minuten pro Woche.  Die Frage, ob es reicht, "versäumte" Sporteinheiten am Wochenende nachzuholen, um sich gegen Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes zu schützen, wird in der Wissenschaft jedoch schon länger diskutiert. 

Laut einer neuen Studie, die am Dienstag im Fachblatt JAMA veröffentlicht wurde, steht das intensive Sporteln am Wochenende regelmäßiger kurzer Bewegung unter der Woche nicht nach. So wird unter anderem das Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle ähnlich stark gesenkt, wenn man sein Training auf ein bis zwei Tage konzentriert, anstatt sich die ganze Woche über im selben Ausmaß zu bewegen, schreibt das Forschungsteam.

Größte Studie dieser Art

Für die Studie - laut Hauptautor Shaan Khurshid "die größte Studie, die sich mit dieser Frage befasst" - werteten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter die Daten von mehr als 89.000 Personen aus. Diese trugen eine Woche lang Beschleunigungssensoren am Handgelenk, die ihre gesamte körperliche Aktivität und die Zeit, die sie mit unterschiedlicher Intensität verbrachten, aufzeichneten.

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Von den Teilnehmenden war ein Drittel sportlich nicht aktiv. Rund 42 Prozent waren "Weekend Warriors" und fast ein Viertel war "regelmäßig aktiv", das heißt sie trainierten mindestens 150 Minuten lang, wobei sie die Bewegung auf mehrere Tage aufteilten.

Die Forschenden untersuchten den Zusammenhang zwischen dem Aktivitätsmuster der Teilnehmenden und ihrem Risiko für Herzkrankheiten wie Vorhofflimmern, Herzinfarkt, Herzversagen und Schlaganfall. Faktoren wie Alter, Geschlecht und Ethnizität wurden ebenso miteinbezogen wie Rauchen, Alkoholkonsum oder Ernährung.

Ähnlich geringes Herzinfarktrisiko

Die Studie ergab, dass beide Arten der körperlichen Betätigung mit einem ähnlich geringeren Herzinfarktrisiko verbunden waren. Für "Weekend Warriors" war das Risiko im Vergleich zu sportlich inaktiven Menschen um 27 Prozent reduziert, für Menschen, die Sport auf vier bis sieben Tage pro Woche verteilen, war es um 35 Prozent reduziert.

Auch das Schlaganfallrisiko der "Weekend Warriors" war im Studienzeitraum um 22 Prozent reduziert, jenes der regelmäßig sportelnden Menschen um 17 Prozent im Vergleich zu Nichtsportlern.

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Höheres Risiko für Muskelverletzungen?

Während frühere Untersuchungen ergaben, dass "Weekend Warriors" anfälliger für Schulter- und Ellbogenverletzungen sind, weil sie die Muskeln nicht regelmäßig trainieren, betonen die Forschenden aus Boston, dass beide sportlich aktiven Gruppen ein ähnlich geringeres Risiko für Muskel- und Skelettverletzungen aufweisen.

"Erhöhte Aktivität, selbst wenn sie sich auf ein bis zwei Tage pro Woche konzentriert, kann wirksam sein, um das kardiovaskuläre Risikoprofil zu verbessern", resümieren sie in der Studie.

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