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Wissen Gesundheit
08/18/2021

Was man über den Ursprung von SARS-CoV-2 in Wuhan weiß

Eine aktuelle Studie rollt die Entstehungsgeschichte von SARS-CoV-2 neu auf: War der Wildtiermarkt in Wuhan wirklich der Ursprungsort?

von Anita Kattinger

Am 31. Dezember 2019 meldeten westliche Nachrichtenagenturen, dass eine mysteriöse Lungenkrankheit in Zentralchina ausgebrochen sei. Einige der 27 Patientinnen und Patienten hätten sich bei einem Besuch des Huanan-Fischmarktes von Wuhan angesteckt, hieß es damals.

Bereits damals vermuteten Wissenschafter, dass SARS-CoV-2 in der chinesischen Provinz Hubei bereits einen Monat zuvor aufgetreten sein könnte. Wie diese Krankheit entstand, ist mittlerweile seit 1,5 Jahren Mittelpunkt zahlreicher Spekulationen.

Alles begann im Jahr 2002

Ein aktueller Bericht im Wissenschaftsmagazin Science geht jetzt der Frage nach dem Ursprung der Covid-19-Pandemie nach. Dafür gehen die Wissenschafter ins Jahr 2002 zurück. Damals trat ein neuartiges Coronavirus der Atemwege in Foshan, Provinz Guangdong, China, auf und verbreitete sich in 29 Ländern.

Insgesamt infizierten sich rund 8.000 Menschen mit SARS-CoV-1 (Severe acute respiratory syndrome-related coronavirus), bevor die Ausbreitung im Jahr 2003 durch öffentliche Gesundheitsmaßnahmen eingedämmt werden konnte.

Der zoonotische Ursprung von SARS-CoV wurde anschließend mit lebenden Tieren in Verbindung gebracht, die auf Märkten angeboten wurden. In Guangzhou, Guangdong, kam es zu weiteren sporadischen Übertragungen von SARS-CoV von Tieren, und einige Forscher, die mit gezüchteten Viren arbeiteten, wurden bei Laborunfällen infiziert. Dennoch konnte die Verbreitung von SARS-CoV in der Bevölkerung erfolgreich eingedämmt werden.

Der Handel mit Wildtiteren, die als Zwischenwirt fungieren, ist ein gemeinsames Thema bei den Ursprüngen von SARS und Covid-19.

Drei Jahre nach Beginn der SARS-Epidemie ergaben Untersuchungen, dass Hufeisenfledermäuse (Rhinolophus) in China verwandte Coronaviren beherbergten. Es wurde gefolgert, dass ein in Hufeisennasen zirkulierendes Sarbecovirus den Vorläufer von SARS-CoV in einem tierischen Zwischenwirt, höchstwahrscheinlich Zibetkatzen, verbreitet hätte.

Obwohl auch andere mögliche Zwischenwirte für SARS-CoV identifiziert wurden, insbesondere Waschbärhunde und Dachse, die zusammen mit Zibetkatzen auf Tiermärkten zum Verkauf angeboten werden, scheint es eine Population von Zibetkatzen auf den Märkten zu sein, die als Zwischenwirt für das SARS-CoV-Reservoir der Hufeisennasenfledermaus auf den Menschen fungiert hat.

Vermutlich wurde eine in Gefangenschaft lebende Zibetkatze zunächst durch direkten Kontakt mit Fledermäusen infiziert - z. B. durch Fledermäuse, die auf Farmen oder Märkten nach Nahrung suchten - oder sie wurde bereits vor dem Einfangen infiziert.

Zurück ins Jahr 2019

SARS-CoV-2 trat erstmals in der Stadt Wuhan auf, die mehr als 1.500 Kilometer vom nächstgelegenen, bekannten, natürlich vorkommenden Reservoir von Hufeisennasenfledermäusen in der Provinz Yunnan entfernt liegt.

Wie kam also SARS-CoV-2 nach Wuhan? Seit dem Auftreten von SARS-CoV-2 haben Proben ergeben, dass Coronaviren, die genetisch eng mit SARS-CoV-2 verwandt sind, in Hufeisennasenfledermäusen zirkulieren, die von Ost- bis Westchina sowie in Südostasien und Japan weit verbreitet sind.

Die weiten geografischen Verbreitungsgebiete von potenziellen Reservoir-Wirten - z. B. Zwischen- oder Kleinst-Hufeisennasenfledermaus, von denen bekannt ist, dass sie mit SARS-Viren infiziert sind - deuten darauf hin, dass die Fokussierung auf Yunnan unangebracht ist, so die Forscher.

Sie glauben, dass es vor mindestens 40 Jahren einen gemeinsamen Vorfahren gegeben haben muss, da die in Yunnan gesammelten Viren stark vom SARS-CoV-2-Vorläufer abweichen.

Wie ist also SARS-CoV-2 zum Menschen gekommen? Obwohl es möglich ist, dass das Virus durch direkten Kontakt zwischen Hufeisenfledermäusen und Menschen übertragen wurde, wurden die ersten im Dezember 2019 nachgewiesenen SARS-CoV-2-Fälle mit Märkten in Wuhan in Verbindung gebracht.

Es ist derzeit nicht möglich, die tierische Quelle von SARS-CoV-2 mit Sicherheit zu bestimmen, aber es ist bemerkenswert, dass lebende Tiere, einschließlich Zibetkatzen, Füchsen, Nerzen und Waschbärhunden, die alle für Sarbecoviren empfänglich sind, während des gesamten Jahres 2019 auf Märkten in Wuhan, einschließlich des Huanan-Marktes - der als Epizentrum des Ausbruchs in Wuhan identifiziert wurde -, zum Verkauf angeboten wurden.

Fledermäuse standen nicht zum Verkauf

Viele dieser Tiere werden wegen ihres Fells in großem Maßstab gezüchtet und dann auf Tiermärkten verkauft. Einige dieser gezüchteten Arten (Amerikanische Nerze, Rotfüchse und Waschbärhunde) wurden von Tierhändlern in Wuhan lebend als Lebensmittel verkauft, ebenso wie gefangene Wildtiere (u.a. Waschbärhunde und Dachse).

Fledermausarten standen nicht zum Verkauf.

Dies deutet darauf hin, dass lebende Zwischenwirtstiere, die für SARS-CoV empfänglich sind, die Hauptquelle des SARS-CoV-2-Vorläufers sind, dem die Menschen ausgesetzt waren, wie es auch bei der Entstehung von SARS der Fall war.

Wenn diese Übertragungswege auf den Menschen vorhanden sind, warum ist der Ausbruch dann so selten, dass es in den letzten zwei Jahrzehnten nur zwei größere Ausbrüche gegeben hat? Einerseits sind solche Ausbrüche, an denen es häufiger zu Kontakten zwischen Mensch und Tier kommt, gar nicht so ungewöhnlich.

Andererseits verknappte sich als Folge der Afrikanischen Schweinepest die Schweinefleischproduktion in China im Jahr 2019. Als Reaktion darauf haben Verbraucher und Erzeuger möglicherweise auf alternative Fleischsorten zurückgegriffen - auch auf gezüchtete oder gefangene Wildtiere -, mutmaßen die Wissenschafter und Wissenschafterinnen.

Die Menschen seien häufiger mit Fleischerzeugnissen und mit Zoonoseerregern, einschließlich SARSr-CoV, infizierten Tieren in Kontakt kommen.

Es gibt umstrittene Berichte über SARS-CoV-2-Fälle beim Menschen in China, die auf den Kontakt mit importierten Tiefkühlkostprodukten zurückgeführt werden, und SARS-CoV-2 wurde offenbar auf Tiefkühlkost, Verpackungen und Lagerflächen nachgewiesen. Der Herkunftsbericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnete Kadaver von Wildtieren, insbesondere von Dachsen, die in Gefriertruhen auf dem Huanan-Markt zurückgelassen wurden sowie deren Verkauf als Tiefkühlware Ende Dezember 2019.

Es ist wahrscheinlich, dass diese Wildtiere anderswo gefangen oder gezüchtet und über die Kühlkette an die Märkte von Wuhan verkauft wurden. Ebenso ein Verfüttern von Coronavirus-infizierten Tierkörpern an lebende Tiere während des Transports oder auf den Märkten sei möglich.

Insgesamt ist die Übertragung von SARS-CoV vom Tier auf den Menschen in Verbindung mit infizierten lebenden Tieren die wahrscheinlichste Ursache für die Covid-19-Pandemie, so die aktuelle Zusammenfassung der Datenlage.

Schnelle Verbreitung

Einmal in der menschlichen Bevölkerung angekommen, hat sich SARS-CoV-2 für einen neuen Krankheitserreger erstaunlich schnell verbreitet. Entgegen den klassischen Erwartungen für einen Wirtsspezies-Sprung ist SARS-CoV-2 in hohem Maße zur Übertragung auf den Menschen fähig, einschließlich häufiger asymptomatischer Übertragung und Verbreitung durch Superspreader-Ereignisse.

Diese Fitness ist wahrscheinlich nicht auf eine frühe Anpassung an den Menschen zurückzuführen, sondern lässt eher auf eine zuvor häufige Übertragung zwischen Säugetieren - Nerze, Katzen und andere - vermuten.

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