Warum will er nicht heiraten? Fehlt die Liebe oder das Commitment?
Leserin Laura K. (28) fragt:
Ich bin seit drei Jahren mit meinem Freund zusammen. Wir reden über gemeinsame Zukunft, über Kinder – nur beim Heiraten passiert nichts. Zusätzlich haben wir einen Freundeskreis, in dem sich gefühlt grade eine Hochzeit nach der anderen abspielt. Und er sagt immer „irgendwann“. Aber wann ist das? Natürlich könnte ich ihm auch einen Antrag machen. Aber die Vorstellung fühlt sich für mich seltsam an. Irgendwie habe ich immer gedacht, dass der Mann fragt. Gleichzeitig finde ich mich selbst altmodisch dafür. Warum sollte ich nicht die Initiative ergreifen? Aber was, wenn er sich überrumpelt fühlt? Ein Teil von mir will schon, dass ER mich fragt.
Antwort:
Oft wird unterschätzt, dass für Frauen andere Dinge in einer Beziehung im Vordergrund stehen als für Männer. Man kann – nicht als hinreichende, aber als notwendige Bedingung – von zwei unterschiedlichen Ebenen sprechen: Commitment und Attachment. Die Beziehungsforschung (Rusbult, Investment-Modell) trennt beide bewusst: Attachment ist die emotionale Bindung, Commitment die aktive Entscheidung und Investition, an der Beziehung festzuhalten.
Beides ist wichtig, aber nicht dasselbe – und Ihre Frage betrifft im Kern das Commitment. Wenn ein Mann kniet und um die Hand einer Frau bittet, wiederholt er symbolisch etwas, das evolutionär tief verankert ist. In der Frühzeit war eine Partnerschaft für Frauen mit realer Lebensgefahr verbunden: beim Kennenlernen (körperliche Überlegenheit des Mannes), beim Sex (Schwangerschafts- und Infektionsrisiko), bei der Geburt (hohe Müttersterblichkeit) und im ersten Lebensjahr des Kindes, in dem Säugling und Mutter auf einen Versorger und Beschützer angewiesen waren. Männliches Commitment glich dieses Risiko aus – eine Logik, die Robert Trivers 1972 mit seiner Theorie der elterlichen Investition (Parental Investment Theory) beschrieben hat: Der Elternteil mit dem höheren biologischen Risiko wählt selektiver und verlangt vom Partner sichtbare Investition als Ausgleich.
Heute ist dieses Risiko medizinisch, durch Polizei und den Rechtsstaat stark reduziert, psychologisch aber nicht verschwunden. Das zeigt sich auch empirisch: Nach dem einflussreichen Modell der Sexualmedizinerin Rosemary Basson entsteht weibliches sexuelles Verlangen seltener spontan, sondern meist reaktiv – als Reaktion auf emotionale Intimität, Beziehungszufriedenheit und ein Gefühl von Sicherheit.
Auch der Kinderwunsch folgt diesem Muster: Laut einer ElitePartner-Studie (2018) ist er bei Paaren am stärksten ausgeprägt, die zwischen einem und fünf Jahren zusammen sind – also genau dann, wenn sich eine Beziehung als stabil erwiesen hat. Der deutsche Familiensurvey (Eckhard/Klein) bestätigt: Beziehungsstabilität wirkt sich messbar positiv auf den Kinderwunsch aus. Sicherheit ist demnach eine nachweisbare Voraussetzung – für Verlangen wie für Familienplanung. Was Ihr Freund mit „irgendwann“ signalisiert, klingt nach zu geringem Commitment für die Beziehung: nicht zwingend nach fehlender Liebe. Hinzu kommt: Viele Männer werden heute eher ermutigt, sich an ihrem momentanen Gefühl zu orientieren statt an Werten, die unabhängig von der Tagesform über lange Zeit Bestand haben – Verlässlichkeit etwa, oder das Einhalten eines Versprechens auch dann, wenn gerade keine Lust dazu besteht. Ein diffuses „irgendwann“ kann auch Ausdruck dieser eher gefühlsgeleiteten statt einer von Werten geleiteten Haltung sein. Das ist ein guter Grund für ein klares Gespräch mit Ihrem Partner: was genau ihn vom nächsten Schritt abhält.
Bei Commitment zählt am Ende Qualität über Quantität der Gesten – Heirat, Kinderwunsch, gemeinsames Durchstehen von Krisen, das klassische „in guten wie in schlechten Tagen“. Ein Heiratsantrag ist keine reine Männersache – aber Sie dürfen sich wünschen, dass er von ihm kommt, weil es ein Signal ist, das evolutionär und psychologisch für Sie Sicherheit bedeutet
Kommentare