Wissen | Gesundheit
25.05.2018

Warum Sie am Wochenende ausschlafen sollten

Forscher sind der Frage nachgegangen, ob Extra-Schlummerstunden am Wochenende das Schlafdefizit der Arbeitswoche ausgleichen können.

Kann man Schlaf, den man unter der Woche versäumt hat, am Wochenende nachholen – und damit dem Körper langfristig Gutes tun? Dieser Frage sind Forscher rund um den Psychologen Torbjorn Akerstedt, Leiter des Stress Research Institute an der schwedischen Universität von Stockholm, nachgegangen. Ihre Ergebnisse publizierten die Wissenschaftler im Fachblatt Journals of Sleep Research.

Akerstedt analysierte zusammen mit seinen Kollegen über 13 Jahre hinweg die Schlafgewohnheiten von über 38.000 Schweden. Im Mittelpunkt standen die Schlafgewohnheiten der Menschen unter der Woche, im Vergleich zu jenen an Samstagen und Sonntagen.

Lücke in der Schlafforschung

Dass Menschen an Wochenenden mitunter beträchtlich mehr schlafen, hält Akerstedt für eine „übersehene“ Lücke in der Schlafforschung. Vergangene Schlafstudien stellten die durchschnittliche Schlafdauer der jeweiligen Teilnehmer in den Mittelpunkt. Unterschiede in den wöchentlichen und wochenendlichen Schlafgewohnheiten wurden nicht herausgearbeitet.

Zwar zeigte sich auch in der aktuellen Studie, dass Menschen unter 65 Jahren, die fünf oder weniger Stunden pro Nacht schlummerten ("Wenigschläfer"), früher starben als Menschen, die konsequent sieben Stunden pro Nacht schliefen ("durchschnittliche Schläfer"). Allerdings zeigte sich mit Blick auf Wochenend-Langschläfer, dass diese die Nachteile kürzerer Nächte unter der Woche mit dem Extra-Schlaf wettmachen konnten. Teilnehmer, die unter der Woche weniger als die empfohlene Dauer schliefen, jedoch am Wochenende dafür ein oder zwei Stunden länger im Bett verbrachten, lebten genauso lang, wie Personen, die jede Nacht etwa sieben Stunden schliefen.

Kritik an Stichprobe

Grundlage der Erhebung sind Fragebögen, die im September 1997 Tausende Schweden im Rahmen einer Charity-Kampagne gegen Krebs ausfüllten. Die Forscher der Universität Stockholm behielten 38,015 Menschen in den darauffolgenden Jahren im Auge und werteten die Todesfälle aus. Zwischen 1997 und 2010 starben 3.234 Menschen, die meisten infolge von Krebserkrankungen oder Herzerkrankungen. In einem weiteren Schritt versuchten die Forscher Einflussfaktoren wie Alkoholkonsum, Kaffeekonsum, Nickerchen, Rauchen, Schichtarbeit und ähnliche Faktoren auszuschließen, um den Zusammenhang zwischen Schlaf und dem Risiko eines frühzeitigen Todes herauszuarbeiten.

Im Interview mit der Washington Post sieht Diane Lauderdale, Professorin für Epidemiologie an der University of Chicago, die Ergebnisse kritisch. Die Stichprobe sei nicht repräsentativ, weder für Schweden noch für den Rest der Welt. Grund sei, dass beispielsweise ein zu geringer Anteil an Rauchern in der Strichprobe vorhanden sei. Ursache dafür sei wohl wiederum, dass der Fragebogen im Zuge einer Kampagne gegen Krebs ausgeteilt wurde.

Franco Cappuccio von der University of Warwick in England sagte im Interview, dass die Studie "gut" aussehe. Cappuccio bekrittelt, dass der Effekt von zusätzlichen Nickerchen nicht ausreichend erhoben wurde. So wurde im Fragenbogen zwar nach der Häufigkeit, nicht aber nach der Länge der Nachmittagsschläfchen gefragt.

Zu bedenken gilt den Experten zufolge auch, dass die Ergebnisse auf Selbstauskünften beruhen. Das mindere die Aussagekraft der Studie.

Vielschläfer in Gefahr?

In der Auswertung der Daten zeigte sich nicht nur der vermeintlich positive Effekt des Ausschlafens am Wochenende. Nicht nur Personen, die im Schnitt zu wenig schliefen wiesen ein erhöhtes Risiko für einen früheren Tod auf. Dasselbe galt auch für Personen, die im Schnitt mehr als neun Stunden schliefen ("Vielschläfer"). Auch sie starben früher. Erklären könne man dies anhand der vorliegenden Daten nicht, so Studienleiter Akerstedt. Man könne demnach nicht belegen, dass zu viel Schlaf schädlich sei – er sei allerdings wohl ein Anzeichen dafür, dass etwas Anderes im Körper der Person nicht stimme.

Letztendlich zeigt die neue Studie– wie viele andere Schlafstudien – wie wesentlich ausreichender Schlaf für die Gesundheit ist. "Wir leben in einer Gesellschaft, die Schlaf als unproduktiv sieht", betont Michael Grandner, Leiter des Sleep and Health Research Program an der University of Arizona. Das sei keinesfalls ein gesunder Zugang. Denn der menschliche Körper sei dafür gemacht zu essen und zu trinken – und zu schlafen.