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Wissen Gesundheit
11/13/2021

Warum Diabetes oft lange unerkannt bleibt

Schwere Folgeerkrankungen wie Erblindungen oder Amputationen könnten durch Früherkennung verhindert werden.

von Ernst Mauritz

Wie viele Menschen in Österreich mit Diabetes mellitus leben, kann nur geschätzt werden – eine fundierte Datenbasis fehlt. „Wir wissen ganz wenig über Diabetes in Österreich“, sagt die Diabetologin Susanne Kaser von der MedUni Innsbruck, Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG). Geschätzt sind es rund 800.0000.

Die häufigste Form ist mit mehr als 90 Prozent der oft fälschlich als „Alterszucker“ bezeichnete Typ-2-Diabetes, gekennzeichnet durch eine immer stärker nachlassende Wirkung von Insulin. Beim früher „Jugenddiabetes“ genannten Typ-1-Diabetes kommt es hingegen zu Insulinmangel: Das Immunsystem greift den Körper an, die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse werden zerstört.

„Wir haben nicht nur eine Corona-Pandemie, sondern auch eine Diabetes-Pandemie“, betont Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres. Hinzu kommen noch rund 350.000 Menschen mit einer Diabetes-Vorstufe (Prädiabetes).

„Wir müssen davon ausgehen, dass die Dunkelziffer beim Typ 2 Diabetes bei mehr als 25 Prozent liegt“, betont Kaser. „Symptome wie vermehrter Harndrang, starkes Durstgefühl oder Müdigkeit treten bei Typ-2-Diabetes erst bei deutlich erhöhten Blutzuckerwerten auf“, sagt Diabetologe Harald Sourij, MedUni Graz: Zu diesem Zeitpunkt könnten aber bereits gesundheitliche Schäden entstanden sein.

Schwere Folgeerkrankungen wie Erblindungen oder Amputationen könnten durch Früherkennung verhindert werden. Hier gibt es aber Verbesserungsbedarf. Positiv ist, dass die Bestimmung des für die Diagnose wichtigen Langzeit-Zuckerwertes HbA1c jetzt landesweit von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) gezahlt wird, sagt der Leiter des medizinischen Dienstes der ÖGK, Andreas Krauter.

Neben verbesserter Datenerfassung fordert die Diabetes-Gesellschaft u. a. auch die Einführung eines elektronischen Diabetespasses, in dem alle Befunde, Untersuchungen und Behandlungen fachübergreifend erfasst werden.

Covid-Risiko

Diabetiker haben ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf, sollten sie an Covid-19 erkranken – deshalb wird ihnen dringend empfohlen, sich impfen zu lassen. An der MedUni Graz wird derzeit untersucht, ob die Covid-Impfungen einen Einfluss auf den Blutzucker haben bzw. ihre Immunantwort auf die Impfung eingeschränkt ist.

Ein erstes Teilergebnis liegt bereits vor: Die Impfung selbst führt zu keiner Blutzuckererhöhung oder zu vermehrten Unterzuckerungen. Sourij: „Lediglich bei Personen mit Typ-1-Diabetes zeigte sich an jenen Tagen, an denen sowohl die Temperatur erhöht als auch sonstige Nebenwirkungen vorlagen (z. B. Kopf- und Gliederschmerzen), ein temporärer signifikanter Anstieg der Blutzuckerwerte.“ 

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