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Vitamin D und Kalzium gegen Knochenbrüche: Effekt überschätzt?

Kanadische Wissenschafter analysierten Daten von 69 Studien. Der positive Effekt ist danach zumindest bei Personen ohne erhöhtes Risiko geringer als bisher angenommen.
Das Bild zeigt einen alten Mann, der gestürzt ist. Seine Frau ist gerade dabei, ihm aufzuhelfen.

Vitamin D und Kalzium sind jene Mittel, die seit langem zur Prävention von Knochenbrüchen bei Stürzen alter Menschen empfohlen werden. Die Analyse von 69 Studien zu diesem Thema durch kanadische Wissenschafter rüttelt an diesem Dogma. Laut der Auswertung der Daten von fast 154.000 Probanden haben weder Vitamin D noch Kalzium oder beides zusammen wesentliche positive Effekte.

Oliver Masse, Klinischer Pharmazeut in Montreal, und seine Co-Autoren (Universität Montreal) haben ihre systematische Übersichtsarbeit vor kurzem im British Medical Journal veröffentlicht. „Fast ein Drittel der älteren Erwachsenen (über 65 Jahre) stürzt mindestens einmal jährlich. Stürze sind die Hauptursache für tödliche und nicht-tödliche Verletzungen in dieser Bevölkerungsgruppe und führen zu einer erhöhten Inanspruchnahme des Gesundheitswesens und erheblichen wirtschaftlichen Kosten. Bis zu 85 Prozent der älteren Erwachsenen haben Angst vor Stürzen, was zu einer eingeschränkten Alltagsbewältigung und einem erhöhten Risiko für weitere Stürze beiträgt“, schrieben sie in der Einleitung ihrer Studie.

Die Konsequenz der Medizin bisher, so die Wissenschafter: „Aufgrund anfänglich vielversprechender Ergebnisse wird die Vitamin D-Supplementierung (mit oder ohne Kalzium) zur Prävention von Frakturen und Stürzen weithin empfohlen.“ Doch die wissenschaftlichen Belege dafür seien beschränkt.

Probanden hatten kein erhöhtes Risiko für Frakturen

Die kanadischen Experten werteten deshalb 69 Studien zu dem Thema mit 153.902 Teilnehmern zusammen aus. Es ging dabei nicht um Personen mit Osteoporose, also krankhaftem Knochenabbau, bei der intensivere Maßnahmen notwendig sind. Es handelte sich dabei um Placebo-kontrollierte klinische Untersuchungen mit per Zufall erfolgter Zuteilung der Probanden zu den jeweiligen Vergleichsgruppen. Die meisten Probanden (87 Prozent) lebten in Privathaushalten und hatten kein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche oder Stürze (73 Prozent).

Primär untersuchten die kanadischen Wissenschafter die Häufigkeit von Knochenbrüchen nach Stürzen unter Einnahme von Vitamin D, Kalzium oder beidem als Kombination im Vergleich zu einer Supplementierung. Die Ergebnisse sprechen laut den klinischen Pharmazeuten nicht für eine Supplementierung von Vitamin D und/oder Kalzium in der Gruppe der Probanden ohne diagnostizierte Osteoporose.

Vitamin D allein blieb ohne Wirkung

So brachte die Einnahme von Kalziumtabletten nur eine Verringerung des Knochenbruch-Risikos um 9 Prozent. Vitamin D allein hatte im Vergleich zu Placebo keine Wirkung. Die Kombination von Kalzium und Vitamin D führte ebenfalls nur zu einer geringen positiven Wirkung mit einer Reduktion der Häufigkeit von Knochenfrakturen um 9 Prozent. 

„Auf der Grundlage absoluter Risikoreduktionen und klinisch relevanter Schwellenwerte ergab diese Übersichtsarbeit, dass die Einnahme von Kalzium, Vitamin D oder einer Kombination beider Präparate nur geringe bis keine Vorteile für die Prävention von Frakturen und Stürzen bietet“, fassten die Wissenschafter ihre Ergebnisse zusammen.

Daraus ergäben sich folgende Konsequenzen: „Diese Ergebnisse sprechen nicht für eine routinemäßige Supplementierung mit Kalzium, Vitamin D oder kombinierten Präparaten zur Prävention von Frakturen oder Stürzen. Die Ergebnisse sind jedoch möglicherweise nicht auf Personen mit bestimmten Knochenerkrankungen oder auf solche, die wegen Osteoporose medikamentös behandelt werden oder langfristig Kortikosteroide einnehmen, übertragbar.“

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