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Wissen Gesundheit
03/29/2021

Über 100 Fälle von weitermutierter UK-Variante in Tirol - was dahinter steckt

Eine zusätzliche "Escape-Mutation" könnte die Impf-Wirksamkeit negativ beeinflussen. In Tirol wurden über 100 Fälle dieser Variante gefunden.

von Theresa Bittermann

Virus ist nicht gleich Virus. Das zeigte sich nun einmal mehr bei der UK-Variante B.1.1.7 – schon im Februar gab es eine erste Meldung aus England: die Variante ist weiter mutiert und hat einen Subtyp hervorgebracht. Nun wurde eine ebenfalls weitermutierte Version der UK-Variante in über 100 Fällen in Tirol nachgewiesen, schreibt der Virusimmunologe Andreas Bergthaler auf Twitter. "Mit gestern gab es erst 108 solcher Genome in der internationalen Datenbank", schreibt er weiter. Der Subtyp der UK-Variante ist also sehr selten - über 100 Fälle in Tirol sorgen also für Aufmerksamkeit. 

Laut Land Tirol sind es sogar 216 aktiv positive Fälle der Variante B.1.1.7 mit dem entsprechenden E484K-Zusatz (der den Subtyp auszeichnet) in Tirol – drei Viertel der Vorkommen in den Bezirken Schwaz und Kufstein. Bis Mitte April soll es in Nordtirol auf Wunsch des Gesundheitsministeriums auch Ausreisetestpflicht geben. 

Aber was steckt hinter diesem Subtyp und was ist das eigentlich?

Jene Version der UK-Variante könnte der südafrikanischen ähneln, diese Einschätzung teilen Bergthaler, die Virologin Dorothee von Laer von der MedUni Innsbruck und die Impfstoffexpertin Christina Nicolodi auf KURIER-Nachfrage.

Die "Escape-Mutation"

Prinzipiell gilt: Eine Variante wie auch B.1.1.7 besteht immer aus mehreren Mutationen zugleich. Solche Mutationen entstehen in den meisten Fällen zufällig „wie bei einer Kopiermaschine, die fehlerhaft ist“, erklärt der Virusimmunologe Andreas Bergthaler. Die UK-Variante zeichnete sich bis jetzt vor allem dadurch aus, dass sie sich durch eine höhere Infektiosität schneller verbreitet und auch mit einem erhöhten Sterberisiko einhergehen kann.

Im Subtyp von B.1.1.7 ist nun eine neue Mutation hinzugekommen – E484K heißt sie und sie ist keine unbekannte. Schon aus der Südafrika- und der Brasilien-Variante kennt man sie. „Bei Varianten mit dieser Mutation sind mehr neutralisierende Antikörper nötig als bei Varianten ohne dieser Mutation, um eine Infektion zu verhindern“, erklärt die Impf-Spezialistin Nicolodi. Denn bestimmte Antikörper können durch diese Mutation weniger gut an das Virus andocken.

Die Impfung schütze wahrscheinlich schlechter gegen diese Sub-Variante und man sei auch nicht mehr so gut geschützt vor einer erneuten Ansteckung, wenn man mit einer herkömmlichen Variante infiziert war, so von Laer. 

Eigene Tiroler Mutation?

"Zufall oder nicht? Zur Zeit ist noch unklar, waum B.1.1.7 mit der zusätzlichen E484K-Mutation gerade in Tirol und nach dem dortigen B.1.351 (Anm. Südafrika-Variante) Cluster aufgetreten ist", schreibt Bergthaler. Ob der Subtyp der UK-Variante aus England nach Tirol eingeschleppt wurde, oder ob die UK-Variante in Tirol weiter mutiert ist und dort zufällig die Mutation E484K aufgenommen hat, wird sich erst zeigen. Darauf kann erst eine Ganzgenomsequenzierung in den kommenden Tagen Antwort bringen, schreibt Bergthaler. Die bisherigen Ergebnisse stammen aus einer Teilgenomsequenzierung. Dabei wird das etwa 30.000 Buchstaben lange Genom (Erbgut) des Virus genau ausgelesen. 

Impfstoff-Wirkung könnte negativ beeinflusst sein

Impfstoffe könnten also schlechter vor diesen Varianten schützen. „Zumindest bei den mRNA-Impfstoffen wissen wir, dass ihre Wirksamkeit zwar verringert ist, aber immer noch genug Antikörper gebildet werden, um eine Infektion zu verhindern.“ Bei Astra Zeneca, Novavax oder Johnson & Johnson könnte das anders sein, so Nicolodi.

Die Impfstrategie gehöre zwingend auf die Mutationen angepasst, warnte von Laer. Man wisse, dass Astra Zeneca "wohl nicht so sehr" vor den Mutationen schütze. Zumindest eine Auffrischung mit Biontech/Pfizer im Herbst für jene, die nur mit Astra Zeneca versorgt wurden, werde wohl nötig sein.

Was den Impfschutz vor schweren Verläufen auch bei der Südafrika-Variante, der der Subtyp zu ähneln scheint, betrifft, lassen sich zum Beispiel beim Vakzin von Astra Zeneca jedoch noch keine gesicherten Angaben machen. In der Südafrika-Studie lag das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer nämlich bei 30 Jahren. Weder in der Gruppe der Geimpften noch in der Placebo-Kontrollgruppe, die zum Vergleich beobachtet wurde, gab es Hospitalisierungen oder schwere Verläufe  - daher konnte keine zuverlässige Aussage über das Verhindern schwerer Verläufe durch Astra Zeneca bei der Südafrika-Variante gemacht werden.  

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt aber, dass auch in Ländern, in denen die südafrikanische Variante zirkuliert, nach wie vor Astra Zeneca eingesetzt wird, da es wahrscheinlich sei, dass schwere Verläufe, Hospitalisierungen oder Todesfälle nach wie vor durch die Impfung verhindert werden könnten, heißt es in einer Aussendung der Universität Johannesburg. 

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