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Starkes Übergewicht: "Den Menschen als Ganzes sehen"

Was Diäten bringen und wann eine Magenverkleinerung hilft wurde beim KURIER Gesundheitstalk besprochen.

von Gabriele Kuhn

03/09/2020, 05:00 AM

„Als Jugendlicher war ich untergewichtig, man wollte mich zur Kur schicken“, erinnert sich Moderator Hadschi Bankhofer beim KURIER-Gesundheitstalk zum Thema „Übergewicht“. Aktuell bringt er 118,9 kg auf die Waage. Wie es dazu kam? „Ich habe deftig gegessen, vielleicht war’s auch ein Migräne-Medikament, das den Stoffwechsel zerbombt hat.“

Gerhard Prager, Spezialist für „Adipositaschirurgie“ an der MedUni / AKH Wien betont, dass Stoffwechselerkrankungen nur selten Übergewicht verursachen: „Es ist ein multifaktorielles Geschehen. Wir leben in einem adipogenen (Anm.: Gewichtszunahme fördernden) Umfeld, bewegen uns viel zu wenig. Gleichzeitig haben wir eine völlig andere Ernährung als vor der industriellen Revolution, mit einem viel zu hohen Anteil an einfachen Kohlehydraten und Fetten. Das sind die Haupttreiber, dazu kommen persönliche Faktoren.“ Univ.-Prof. Bernhard Ludvik von der Wiener Rudolfstiftung, ergänzt: „Es gibt hunderte Ursachen für Übergewicht, z.B. die unterschiedliche Wirksamkeit diverser Hormone, das Darm-Mikrobiom spielt auch eine Rolle.“

Tückischer Jo-Jo-Effekt

Wie schwierig es ist, ab einem bestimmten Bodymass-Index (BMI) abzunehmen, schildert Bankhofer so: „Vor zwei Jahren wog ich 131 kg, dann habe ich auf 112 kg abgespeckt. Aber es wurde wieder mehr, obwohl ich mich an die Diät hielt.“ Stichwort Jo-Jo-Effekt: „Der Körper ist genetisch auf Speichern ausgerichtet, das sichert Überleben. Wenn jemand Gewicht verliert, schaltet der Organismus um – er will zurück an den Ausgangspunkt, den Set Point. Wir werden noch hungriger, und der Körper verändert seine Energiebilanz. Man verbraucht immer weniger“, so Ludvik.

In schweren Fällen hilft nur mehr die Operation oder helfen Medikamente. „Chirurgie wirkt, weil sie an wichtigen Schrauben dreht und den Set-Point verändert“, so Prager. Die einfachste Methode ist es, den Magen zu verkleinern. Unter Vollnarkose werden in die Bauchdecke des Patienten Kanülen, Kameras und winzige Instrumente eingeführt, der Magen dann mit Hilfe automatischer Klammernahtgeräte verkleinert. „In der Regel geht man nach zwei, drei Tagen nach Hause. Beim Magen-Bypass wiederum wird zusätzlich ein kleiner Teil des Dünndarms ausgeschaltet, sodass hier kein Nahrungsbrei mehr darüberfließt. Das hat eine Vielzahl von Effekten, vor allem auf das Hungerhormon Ghrelin und das Sättigungshormon GLP 1. Man muss allerdings betonen, dass es sich dabei nicht um einen kosmetischen Eingriff handelt, sondern um einen Eingriff zur Wiedererlangung der Gesundheit“, sagt Prager.

Nicht das Übergewicht allein steht im Fokus, es sind auch Begleiterkrankungen wie Diabetes. „Deshalb ist es wichtig, den ganzen Menschen zu erfassen und seine Stoffwechselsituation. Wenn ein Patient auch Diabetiker ist, sinkt die Schwelle für eine OP. Ab einem BMI von 35 ist eine Indikation dafür meist gegeben“, sagt Prager.

Neue Medikamente

Die Hoffnung sei nun, dass sich die Effekte der Chirurgie mit Medikamenten, etwa aus der Diabetestherapie, nachahmen lassen, so Ludvik „Wir forschen an einer Injektionstherapie, dabei haben wir gesehen, dass man mit nur einer Spritze pro Woche 14 Prozent des Körpergewichts abnimmt. Da stehen wir aber noch ganz am Anfang.“ Seine Zukunftsvision in der Adipositas-Therapie: „Personalisierte Präzisionsmedizin, ähnlich wie bei Krebserkrankungen. Wir schauen, welche Strategie für welchen Patienten am besten passt und wirkt.“

Nächster Termin: 15. 4. zum Thema Hautkrebs/neue Therapien 

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