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Wissen Gesundheit
02/21/2020

Übergewicht: Welche Maßnahmen wirklich helfen

Gesundheitstalk am 27.2.: Bei starker Fettleibigkeit - Adipositas - ist, als letzte Maßnahme, oft nur eine Operation wirksam.

von Ernst Mauritz

„Ich bin das klassische Beispiel für den Jo-Jo-Effekt, die rasche Gewichtszunahme nach einer Diät“, sagt Radio-Wien-Moderator Hadschi Bankhofer, 48. „In meinen Zwanzigern wurden aus meinen ursprünglichen 71 Kilogramm 84. Weil ich mich damit nicht mehr wohl gefühlt habe, habe ich mich auf 71 runtergehungert – zwei Jahre später hatte ich aber 88 Kilo.“ Mit einer neuerlichen Diät nahm er auf 80 Kilo ab – „vier Jahre später waren es 95“. Das ging so weiter, bis er am 1. 3. 2019 sein bisheriges „Rekordgewicht“ erreicht hatte: 131 Kilo – ein Body-Mass-Index von 41, Adipositas Grad 3, „morbide Adipositas“ genannt: „Das gibt einem zu denken.“

Mit einer speziellen Form des Intervallfastens – Bankhofer isst nur einmal am Tag, und zwar zwischen 18 und 22 Uhr, „dann aber wirklich gut“ – hat er innerhalb eines halben Jahres auf 112 Kilogramm abgenommen: „Mittlerweile bin ich wieder auf 117, obwohl ich weiterhin nur am Abend esse. Der Körper wehrt sich mit allen Mitteln, weniger zu werden.“

Keine Willenssache

Laut Ernährungsbericht sind 29 Prozent der Bevölkerung in Österreich übergewichtig und 12 Prozent adipös. "Man verliert beim Abnehmen immer auch Muskelmasse, das macht es von Diät zu Diät schwieriger", betont Gerhard Prager, Spezialist für "Adipositaschirurgie" an der MedUni / AKH Wien und wie Bankhofer beim Gesundheitstalk "Übergewicht" (siehe auch unten) am kommenden Donnerstag, 27.2., am Podium.

"Daneben spielen u. a. Hormone und das Darmmikrobiom eine Rolle. Massives Übergewicht ist keine Sache mangelnder Disziplin oder Willensschwäche. Adipositas ist eine – in Österreich leider offiziell noch nicht anerkannte – Krankheit."

Hadschi Bankhofer versucht es weiterhin mit dem Intervallfasten, "aber wenn das jetzt auch nicht funktioniert, überlege ich einen chirurgischen Eingriff". – "Die Patienten, die sich einen operativen Eingriff etwa zur Verkleinerung des Magens überlegen, haben in ihrem Leben bereits ein Mehrfaches ihres Körpergewichts ab- und wieder zugenommen", sagt Prager. Voraussetzung ist ein BMI über 40 bei Gesunden, oder über 35, wenn bereits Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes vorhanden sind.

Die häufigste Methode  sind die Magenbypässe. Dabei wird der obere Teil des Magens durchtrennt und  mit dem Dünndarm verbunden. Ein Teil des Magens wird umgangen. Im Schnitt verliert man mit einem Bypass ein Drittel seines Gewichts. Gleichzeitig steigen die Spiegel von Hormonen, die ein Sättigungsgefühl vermitteln (z. B. GLP-1), der des Hungerhormons Ghrelin sinkt. „Man kann das Rad der Zeit einige Jahre zurückdrehen. Es kann sein, dass ein Diabetiker eine Zeit lang gar keine Medikamente benötigt. Von Heilung spreche ich aber nicht.“

Jährlich finden rund 3500 derartige Eingriffe in Österreich statt – bei Frauen vier Mal so häufig wie bei Männern (obwohl bei ihnen Adipositas deutlich öfter vorkommt). "Es ist aber keine Lifestyle-Chirurgie", betont Prager. "Man muss lebenslang Vitaminpräparate nehmen und zu Nachkontrollen gehen. Andererseits bekommt man auch sehr viel dafür: Es gibt weniger zusätzliche Erkrankungen und eine deutlich verbesserte Lebensqualität." Fazit: "Adipositaschirurgie ist keine Lösung für das Problem insgesamt. Aber für Menschen, die stark betroffen sind, ist es die effektivste Behandlung."

"Gesundheitsrisiko von Übergewicht wird unterschätzt"

Eine Änderung des Lebensstils kann krankhafte Prozesse umkehren.

"Man muss differenzieren", betont Diabetologe Bernhard Ludvik von der Wiener Rudolfstiftung: „Adipositas erhöht das Risiko für einen frühzeitigen Tod. Und Übergewicht ist dann ein großer Risikofaktor, wenn die Fettverteilung  – wie  bei den Männern – um den Bauch sehr ausgeprägt ist. Das führt zur Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen.“ Das Risiko für Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und die sogenannte nichtalkoholische Fettleber ist dann deutlich erhöht: "Man kann dann sogar Leberzirrhose bekommen, ohne Alkohol getrunken zu haben."

Von einem  klassischen Diabetes sprechen Mediziner ab einem Nüchternblutzucker von 126 mg/dl Blut. Bei einem gesunden Menschen liegt der Nüchternblutzucker unter 100 mg/dl. „In dem Bereich dazwischen gibt es ein Zeitfenster, in dem man den Prozess  zur Diabetesentstehung mit einer Lebensstilumstellung – Gewichtsabnahme, Ernährungsumstellung – verlangsamen, wenn nicht sogar noch umdrehen kann.“  Neue Medikamente, die auch bereits   gegen Diabetes eingesetzt  werden (GLP-1-Analoga), können bei starkem Übergewicht den Abnehmprozess unterstützen: "Allerdings nicht in dem Ausmaß  und nicht so langfristig wie ein Magenbypass. Aber sie können Lebensstiländerungen gut unterstützen."

 

Das Thema:

"Macht Übergewicht krank?" lautet das Thema des  Gesundheitstalks am Donnerstag, 27. 2., 18.30 Uhr.

Am Podium:

Hadschi Bankhofer (Betroffener und "Jo-Jo-Experte")
Univ.- Doz. Dr. Gerhard Prager (MedUni Wien)
Prim. Univ.- Prof. Dr. Bernhard Ludvik (Rudolfstiftung)

Moderation:

Gabriele Kuhn (KURIER)

Der Veranstaltungsort:

Van-Swieten-Saal der Medizinischen Universität Wien, Van-Swieten-Gasse 1a (Ecke Währinger Str.), 1090 Wien

Die Veranstalter:

KURIER, MedUni Wien und Novartis. Der Eintritt ist frei. Fragen zur Veranstaltung: gesundheitstalk@kurier.at