Späte Vaterschaft bei EAV-Legende Eberhartinger: Wie alt ist zu alt?

Musiker und Moderator Klaus Eberhartinger
Nicht nur Frauen entscheiden sich heute später für ein Kind. Welche Herausforderungen bringt eine spätere Vaterschaft wie bei Klaus Eberhartinger (75) mit sich?

Boris Becker ist einer, Bernie Ecclestone, Robert De Niro, Mick Jagger und Peter Maffay ebenso – und nun auch EAV-Legende Klaus Eberhartinger: Geronto-Dads, wie ältere Väter etwas spöttisch betitelt werden, sind in der Promiwelt längst keine Seltenheit mehr. 

Auch außerhalb der Klatschspalten zeigt sich der Trend zur späten Vaterschaft. Laut einer Studie des deutschen Max-Planck-Instituts für demografische Forschung hat sich der Anteil der über 45-jährigen Neuväter seit 1995 fast verdreifacht. 2024 waren in Österreich laut Statistik Austria rund 12.000 von über 76.000 Vätern bei der Geburt ihrer Kinder über 40.

Der Blick auf die Zahlen zeigt: Das durchschnittliche Alter von Vätern bei der Geburt ihrer Kinder steigt auch insgesamt. 2024 lag es bei 34,4 Jahren, 2006 waren Väter im Schnitt noch 33,96 Jahre alt. Am ältesten sind Väter bei Geburten im Schnitt im Burgenland mit 34,8 Jahren. 

Immer wieder gibt es auch Ausreißer nach oben: Im Jahr 2017 wurde gar ein 88-Jähriger nochmals Vater. Die Mutter des Kindes war 52 Jahre jünger. 

Einen Altersanstieg bei Männern mit Kinderwunsch bemerkt auch Kinderwunschmediziner Michael Feichtinger: "Wir bemerken abseits von prominenten Beispielen, die sicherlich oft Extremfälle darstellen, allgemein ein steigendes Alter bei werdenden Vätern."

Biologische Uhr tickt auch beim Mann

Frauen seien sich der Veränderungen, die das Alter in puncto Fruchtbarkeit mit sich bringt, nach wie vor deutlich bewusster. "Männer kennen kein fixes Ende der Zeugungsfähigkeit wie Frauen mit der Menopause", erklärt Feichtinger. 

Allerdings durchlaufen auch Männer hormonelle Veränderungen, die die Fruchtbarkeit beeinflussen. "Wenn es ums Schwangerwerden geht, wissen wir, dass ältere Männer länger brauchen, um ein Kind zu zeugen", so Feichtinger. 

Risiko für Geburtsfehler steigt

Auch das Risiko für eine Fehlgeburt steigt, wenngleich nicht so stark wie bei Müttern ab 40. Das Alter der Väter kann sich auch auf den Verlauf der Schwangerschaft auswirken: "Wir sehen eine erhöhte Rate an Komplikationen, Frühgeburten und Schwangerschaftsdiabetes zum Beispiel, wenn die Väter über 45 sind."

Eine Metastudie aus dem Jahr 2019, für die Daten aus 40 Jahren Fruchtbarkeitsforschung ausgewertet wurden, zeigt ein erhöhtes Risiko für angeborene Herzkrankheiten oder Gaumenspalten. In einer Studie der Uni Stanford stellte man fest, dass bei Vätern über 35 ein höheres Risiko für Komplikationen wie niedriges Geburtsgewicht und Krampfanfälle bei Säuglingen besteht.

Nach wie vor ist unser Wissen über männliche Fruchtbarkeit begrenzter als jenes über die weibliche.

von Kinderwunschmediziner Michael Feichtinger

"Mit zunehmendem Alter der Väter wurde bei Kindern in Studien auch ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen im Kindesalter, Schizophrenie und Autismus festgestellt", ergänzt Feichtinger. Diese Effekte haben für Paare wenig Relevanz: "Bei älteren Vätern werden keine zusätzlichen Untersuchungen in der Schwangerschaft durchgeführt, wie das bei Frauen ab 35 der Fall ist."

Feichtinger hält es nicht für ausgeschlossen, dass die Forschung in Zukunft weitere Erkenntnisse gewinnt. "Nach wie vor ist unser Wissen über männliche Fruchtbarkeit begrenzter als jenes über die weibliche."

Samen einfrieren lassen?

Männer bleiben bis zum Lebensende zeugungsfähig. Ausnahmen ergeben sich im Fall einer Prostatakrebserkrankung, bei Hodenkrebs oder Autoimmunerkrankungen. In solchen Fällen besteht analog zum Social Egg Freezing (in Österreich derzeit gesetzlich nicht erlaubt) die Möglichkeit, Samen einfrieren zu lassen. "In internationalen Fachkreisen wird das vorsorgliche Einfrieren von Samen darüber hinaus nicht empfohlen", betont Feichtinger. 

Abseits von medizinisch-biologischen Fragen sieht Feichtinger auch soziale Aspekte: "Was meiner Ansicht nach oft übersehen wird, ist, dass insbesondere Väter im sehr fortgeschrittenen Alter die Herausforderungen der Vaterschaft im Alltag stemmen müssen. Es stellt sich schon die Frage, wie man mit über 80 dem familiären Stress begegnet – und ob der Kinderwunsch ein alleiniges Projekt der deutlich jüngeren Mütter ist."

Vor- und Nachteile

Ab wann ein Vater heutzutage als "alt" gelte, sei weniger eine Frage der Forschung als eine Frage der Gesellschaft, sagt der deutsche Entwicklungspsychologe Andreas Eickhorst. "Noch in den 1980er-Jahren waren späte Väter Männer mit beginnender Vaterschaft ab 35 Jahren", gibt er zu bedenken. "Heute würde man vielleicht die Männer ab 50 Jahren damit meinen, allerdings mit einer langen Skala nach oben."

Heute sei das Alter im "Kanon der gelebten Rollenvielfalt in Familien" nur noch ein Faktor unter vielen, begründet Eickhorst den Anstieg später Vaterschaften. "Man 'darf' heute im familiären Bereich mehr ausprobieren als in vielen Phasen der Vergangenheit."

Neben den offensichtlichen Nachteilen einer solcher Papa-Kind-Konstellation - eine ablehnende Haltung des Umfelds, ein Aufwachsen ohne Großeltern und eine stark begrenzte Lebenszeit mit einem gesunden Vater - möchte Eickhorst auch die Vorteile nicht unerwähnt lassen. Man könne etwa davon ausgehen, dass die Anzahl der ungewollten Vaterschaften im höheren Alter sehr gering ist. "In der Regel haben wir motivierte Männer und Partnerinnen, die einen starken Kinderwunsch haben und sich dies auch gut überlegt haben."

Cute newborn girl with parents and grandparents

Ältere Väter hatten in der Regel einen starken Kinderwunsch.

Ob eine neue Vaterschaft im Opa-Alter unverantwortlich sei, wie es derzeit in den Kommentarspalten auf Social Media häufig zu lesen ist, ließe sich pauschal nicht beantworten, so Eickhorst. Entscheidend sei die Bindung zwischen Vater und Kind, und die sei unabhängig von Lebensjahren. Man solle den Nachwuchs aber rechtzeitig darauf vorbereiten, dass es ab dem Schulalter böse Kommentare hören könnte.

Mediziner Feichtinger spricht sich jedenfalls dafür aus, Frauen und insbesondere auch Männer über veränderte Fruchtbarkeit und späte Elternschaft zu beraten. "Man sollte keine Ängste schüren, aber ein Bewusstsein schaffen."

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