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Corona-Fragen
05/18/2021

Brauche ich jetzt einen Antikörper-Test?

Wann die Blutuntersuchung Sinn macht, welche Bedeutung sie für die Öffnung ab 19. Mai hat und was dabei gemessen wird.

von Elisabeth Gerstendorfer

Privatlabors erleben derzeit eine starke Nachfrage nach Antikörpertests. Auslöser dürfte sein, dass der Nachweis von Antikörpern ab 19. Mai eine von mehreren Möglichkeiten ist, um ein Restaurant, einen Friseur und andere Einrichtungen betreten zu können. Ein positiver Antikörper-Test, der nicht älter als drei Monate ist, erspart die häufigen Schnelltests.

Allerdings betrifft diese Regelung nur Personen, die bereits infiziert waren, aber davon nichts mitbekommen haben. Alle anderen, die im Laufe der Pandemie einmal positiv getestet wurden, haben bereits eine Bestätigung über ihre Infektion sowie dadurch auch einen Absonderungsbescheid erhalten. Dieser gilt ebenso als Zutrittsticket.

Kosten

In Privatlabors kostet der Antikörpertest je nach Anbieter ca. 25 bis 40 Euro. Gemessen wird die Konzentration von Antikörpern gegenüber dem Spike-Protein des SARS-CoV2-Virus im Blut. Die Antikörper werden in der Einheit BAU pro Milliliter angegeben, kurz für binding antibody units. Es gibt aber noch keine Daten dazu, welche Bedeutung der Wert hat. Man kann sagen, ja, ich habe es gehabt oder ja, ich habe auf die Impfung reagiert. Aber man kann nicht sagen, welchen Wert ich brauche, um geschützt zu sein“, sagt Labormediziner Helmuth Haslacher von der MedUni Wien.

Ob der Test als Zutrittsticket geeignet ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Das Gesundheitsministerium verweist auf eine niedrigere epidemiologische Gefahr, wenn Antikörper in ausreichender Konzentration nachgewiesen werden können. Infektiologen wie Martin Széll, der auch Mitglied des Nationalen Impfgremiums ist, sehen den Test als Zutrittsticket eher mit „Bauchweh“. „Es ist noch nicht klar definiert, ab welchem Grenzwert beim Titertest man von einem wirklich guten Schutz sprechen kann. Es ist schwierig, das auf individueller Ebene festzulegen“, sagt Széll.

Auch Judith Aberle vom Zentrum für Virologie der Meduni Wien sagt, der Test zeige lediglich, ob jemand generell infiziert war oder geimpft wurde. „Damit sinkt zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass die Person ein Superspreader ist.“

Test nach Impfung?

Das Nationale Impfgremium rät davon, ab nach der Corona-Schutzimpfung einen solchen Test als Routine zu machen. Weil eben kein einheitlicher Grenzwert festgelegt ist. „Es fehlen systematische Untersuchungen dazu, was es für die Immunantwort bedeutet, hohe oder niedrige Antikörper-Werte zu haben. Wenn es darum geht, nachzuweisen, ob eine Person infiziert war oder man überhaupt auf die Impfung reagiert hat, dann macht der Test Sinn“, sagt Labormediziner Haslacher.

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