© Getty Images/iStockphoto/Antonio_Diaz/iStockphoto

Wissen Gesundheit

Schwangerschaft kurz nach Fehlgeburt laut Studie nicht riskanter

Neue Forschungsergebnisse widerlegen WHO-Empfehlungen, wonach man nach Fehlgeburt mindestens sechs Monate warten sollte.

11/26/2022, 02:53 PM

Nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch wollen es viele Paare möglichst bald nochmal versuchen. Bislang galt jedoch die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), mindestens sechs Monate bis zur nächsten Schwangerschaft zu warten. Dies soll der Frau Zeit geben, sich zu erholen und Komplikationen zu vermeiden.

Die Ergebnisse einer australischen Studie, die k√ľrzlich im Fachblatt PLOS Medicine erschienen ist, zeigen nun, dass diese Wartezeit nicht n√∂tig sein muss. Die Forschenden um Gizachew Tessema von der australischen Curtin School of Population Health werteten die Daten von mehr als 72.000 Frauen in Norwegen aus, die zwischen 2008 und 2016 ein Kind bekommen hatten. Gut 49.000 von ihnen hatten zuvor eine Fehlgeburt erlitten, knapp 23.000 Frauen einen Schwangerschaftsabbruch.

Mögliche Komplikationen

Untersucht wurden die die Daten mit Blick auf sechs m√∂gliche Schwangerschaftskomplikationen, darunter Fr√ľhgeburt, spontane Fr√ľhgeburt, Pr√§eklampsie und Schwangerschaftsdiabetes. Zudem wurde analysiert, ob die Babys zu klein (SGA) oder zu gro√ü (LGA) in Relation zur Schwangerschaftsdauer waren.

Die Forschenden sahen, dass eine Empf√§ngnis innerhalb von drei Monaten nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch insgesamt nicht mit einem erh√∂hten Risiko f√ľr derartige Komplikationen verbunden war. Der Studie zufolge ist das Risiko f√ľr zu kleine oder zu leichte Babys (in Bezug auf die Schwangerschaftsdauer) bei einer Zeugung innerhalb von weniger als sechs Monaten nach einer Fehlgeburt sogar geringer als bei einer Wartezeit von sechs bis elf Monaten. Auch das Risiko f√ľr Schwangerschaftsdiabetes sei bei Frauen, die in weniger als drei Monaten wieder schwanger wurden, niedriger als bei einer Wartezeit von mehr als sechs Monaten.

Fand die Empf√§ngnis weniger als drei Monate nach einem Schwangerschaftsabbruch statt, bestand allerdings ein leicht erh√∂htes, aber nicht signifikantes SGA-Risiko im Vergleich zu einer l√§ngeren Wartezeit, w√§hrend das LGA-Risiko in der Gruppe mit einer Wartezeit zwischen drei und f√ľnf Monaten etwas geringer war. Die Beobachtungen passen zu den Ergebnissen fr√ľherer Studien aus Schottland und den USA. 

Trauer nicht ber√ľcksichtigt

Die Empfehlung der WHO basiert vor allem auf einer Studie aus Lateinamerika vom Jahr 2005, die von einem erhöhten Risiko verschiedener Schwangerschaftskomplikationen berichtet hatte. Hier könnten unter anderem Unterschiede in der medizinischen Versorgung eine Rolle gespielt haben, so die Mutmaßung der australischen Forschenden.

Auch die  Aussagekraft der aktuellen Arbeit ist dadurch beschr√§nkt, dass nur Daten von Frauen aus Norwegen ausgewertet wurden. Die Studienautoren schreiben: "Da in unserer Studie Daten aus einem einzigen Land mit hohem Einkommen und besserer Gesundheitsversorgung verwendet wurden, k√∂nnen unsere Ergebnisse nicht auf andere Situationen mit anderen Bev√∂lkerungsgruppen √ľbertragen werden.‚Äú

Auch psychische Aspekte - wie die Verarbeitung eines Schwangerschaftsverlusts - werden in der Studie nicht thematisiert, wie Matthias David von der Charit√© Berlin gegen√ľber der dpa kritisiert. So stellt ein Schwangerschaftsverlust f√ľr die Frau selbst, aber auch f√ľr den Partner und das famili√§re Umfeld eine besondere Situation dar, die von Verlust, Trauer und Angst hinsichtlich zuk√ľnftiger Schwangerschaften gepr√§gt sei.

Selbst, wenn k√∂rperlich nichs gegen eine schnelle neuerliche Schwangerschaft spricht, kann der individuelle Trauerprozess psychisch eine l√§ngere Wartezeit erfordern - ein Aspekt, der in der aktuellen australischen Studie keine Ber√ľcksichtigung findet.

Wir w√ľrden hier gerne ein Login zeigen. Leider haben Sie uns hierf√ľr keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und √ľberall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Liebe Community,

Mit unserer neuen Kommentarfunktion können Sie jetzt an jeder Stelle im Artikel direkt posten. Klicken Sie dazu einfach auf das Sprechblasen-Symbol rechts unten auf Ihrem Screen. Oder klicken Sie hier, um die Kommentar-Sektion zu öffnen.

Schwangerschaft kurz nach Fehlgeburt laut Studie nicht riskanter | kurier.atMotor.atKurier.atKurier.atFreizeit.atFilm.atImmmopartnersuchepartnersucheSpieleCreated by Icons Producer from the Noun Project profilkat