Gefährliche Rückstände: Bananen in Österreich stark belastet
Zusammenfassung
- Laut Foodwatch-Report enthalten fast 20 Prozent der importierten pflanzlichen Lebensmittel in Österreich verbotene Pestizide, bei Bananen sind es sogar 84 Prozent.
- Besonders betroffen sind Produkte aus Ländern wie Costa Rica, Kolumbien, Pakistan, Ecuador, China und Indien, oft mit mehreren verbotenen Wirkstoffen pro Probe.
- Foodwatch fordert ein EU-weites Produktions- und Exportverbot für verbotene Pestizide sowie strengere Kontrollen und niedrigere Rückstandshöchstwerte bei Importen.
Für über 250 Pestizide gilt ein EU-Verbot, weil sie als zu gefährlich für Mensch und Umwelt gelten, doch über importierte Lebensmittel landen sie trotzdem wieder bei österreichischen Konsumentinnen und Konsumenten.
Davor warnt ein Report der NGO Foodwatch, der sich auf EFSA-Pestizid-Monitoringdaten aus dem Jahr 2023 beruft. Über 19 Prozent der unverarbeiteten pflanzlichen Lebensmittel waren demnach Träger derartiger Pestizide, besonders belastet waren Bananen.
Bananen, Birnen und Langkornreis
Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA untersuchte im Rahmen ihrer Analyse 907 konventionelle Lebensmittelproben aus Österreich. Besonders stark betroffen waren laut einer Aussendung vom Dienstag dabei Bananen, Birnen und Langkornreis.
Über 50 Prozent dieser Produkte enthielten mindestens ein in der EU nicht zugelassenes Pestizid. Als "besonders gravierend" wurde dabei die Belastung von Bananen bezeichnet, denn jede getestete Probe enthielt hier Pestizidrückstände, 84 Prozent davon sogar verbotene Pestizide.
Hinweis: Mehr als jede vierte Probe (26,2%) stammte aus kontrolliert biologischer Produktion. Sie waren überwiegend (87,4–93,9%) pestizidfrei und wurden daher von der weiteren Auswertung ausgeschlossen.
Besonders häufig wurden hierzulande verbotene Pestizide in Lebensmitteln aus Costa Rica, Kolumbien, Pakistan, Ecuador, China und Indien nachgewiesen.
In mehreren Fällen enthielten Proben gleich mehrere verbotene Wirkstoffe gleichzeitig - ein Risiko, das durch den sogenannten Cocktail-Effekt zusätzlich steigt. "Die Behörden bewerten Substanzen einzeln, verzehrt werden sie jedoch gemeinsam", warnte Foodwatch-Chefin Indra Kley-Schöneich.
Warnung vor dem "Pestizid-Bumerang"
Was in der EU aus guten Gründen verboten sei, dürfe auch nicht über Umwege wieder in unseren Supermarktregalen landen, kritisierte die NGO den "Pestizid-Bumerang".
So würden Auswertungen der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) etwa belegen, dass 2022 und 2023 unter anderem der in der EU verbotene Wirkstoff Bifenthrin aus Österreich nach Belarus und in die Ukraine exportiert wurde. Gleichzeitig erlaube die EU den Import von Lebensmitteln, die mit genau diesem Pestizid behandelt wurden, nachdem weiterhin Rückstandshöchstwerte über der Nachweisgrenze gelten würden.
Foodwatch fordert auf EU-Ebene sowohl ein Verbot der Produktion wie auch des Exports von in der EU verbotenen Pestiziden und hat dazu auch eine Petition gestartet. Ebenso sollten für diese Pflanzenschutzmittel die Rückstandshöchstwerte auf die Nachweisgrenze gesenkt werden.
Die NGO warnte zudem vor einer Aufweichung durch den "EU-Omnibus": "Schutzstandards dürfen nicht weiter untergraben werden - ohne Ausnahmen und Übergangsregeln." Die EU selbst hat im Dezember des Vorjahres indes angekündigt, importierte Lebensmittel strenger auf Rückstände besonders gefährlicher und in der Union verbotener Pestizide kontrollieren zu wollen.
Grüne brachten Antrag ein
"Lebensmittel, die mit in der EU verbotenen Pestiziden behandelt wurden, dürfen nicht über Importe auf unseren Tellern landen", reagierte Olga Voglauer, Landwirtschaftssprecherin der Grünen. Die Grünen hätten demnach bereits in der letzten Nationalratssitzung am 21. Jänner einen Antrag eingebracht, der genau solche Pestizid-Bumerang-Importe ins Visier nimmt.
"Die EU setzt hier doppelte Standards: Obwohl man um die enormen Gefahren dieser Substanzen weiß, werden sie weiterhin in Europa und auch in Österreich produziert. Im Anschluss landen diese Gifte dann erst recht wieder auf unseren Tellern, denn immer wieder werden sogenannte 'Importtoleranzen' genehmigt", so Voglauer.
Kritik von SPÖ
Kritik kam auch von der SPÖ. "Wir dürfen nicht zulassen, dass sich verbotene Chemikalien durch Import-Umwege wieder auf unsere Teller schleichen. Alles, was wir in die Natur ausbringen, landet früher oder später in unserem Essen und damit in unserem Körper. Wer Menschen und Umwelt schützen will, muss diese Schlupflöcher konsequent schließen", sagte SPÖ-EU-Abgeordneter Günther Sidl.
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