Naturschutzgebiete in Gefahr: Menschen sind verantwortlich

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Ein Drittel der weltweiten Schutzgebiete wird durch menschliche Aktivitäten beeinträchtigt – das zeigt ein Studie.

Die Artenvielfalt geht zurück, ganze Regionen verwandeln sich langsam in Wüsten und auch die Fischpopulationen nehmen weltweit ab. All das ist extrem besorgniserregend, aber bereits bekannt. Eine aktuelle Studie im Journal Science besticht nun mit weiteren ernüchternden Zahlen: Ein Drittel der globalen geschützten Gebiete verschlechtert sich durch menschliche Aktivitäten. Forscher aus Queensland und British Columbia fanden mit Unterstützung der Wildlife Conservation Society (WCS) heraus, dass fast sechs Millionen Quadratkilometer der weltweiten Schutzgebiete unter starker menschlicher Belastung stehen. Schuld sind etwa Straßenbau, Abholzung, Städtebildung oder die Landwirtschaft.

Laut dem Umweltbundesamt gab es 2016 in Österreich 461 Naturschutzgebiete, die 3,6 Prozent der Bundesfläche abdecken. Dazu zählen unter anderem die Donau-Auen und die Oberösterreichischen Kalkalpen.

Das Ausmaß geschützter Gebiete hat sich seit 1992 weltweit auf 202.000 Gebiete (15 Prozent der globalen Landmasse) verdoppelt. Ziel ist es, bis 2020 mindestens 17 Prozent zu erreichen. Michael Getzner, Professor an der TU Wien, denkt, dass es vor allem neuer Strategien bedarf, um in ärmeren Regionen den Naturschutz voranzutreiben. Dort könne es öfter zu Beeinträchtigungen der Naturschutzgebiete kommen, da die Menschen z.B. in einem geschützten See fischen müssen, um zu überleben.

Die Studie ist für Nationen, die sich an ein Abkommen der UN zur Biodiversität halten möchten, ein Aufruf, etwas zu ändern. Fast jede Nation unterzeichnete das Abkommen, mit Ausnahme der USA. Allerdings haben die Amerikaner ihre eigenen Schutzgebiete und Naturreservate – unter anderem die Nationalparks Yellowstone und Yosemite – und senden immer einen „Botschafter“ zu den Treffen der UN-Staaten, die das Biodiversitätsabkommen unterschrieben haben. Die Autoren der Studie warnen, dass die Ziele des Abkommens gefährdet seien, falls der weitverbreitete negative menschliche Einfluss auf die Naturschutzgebiete nicht gestoppt wird.

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Natur zu bewahren hat höchste Priorität

Das oberste Ziel aller Schutzgebiete ist es, natürliche Ökosysteme und Spezies zu erhalten. Aber Schutzgebiete sind unterschiedlich: Es gibt Gebiete, in denen bestimmte menschliche Aktivitäten wandern, zelten, etc. gestattet sind. Auch Forstwirtschaft ist dort manchmal erlaubt. Aber nur, wenn die Förster neue Bäume pflanzen. In strikten Biodiversitäts-Erhaltungs-Zonen ist all das nicht möglich. Dafür geht es diesen Zonen laut der Studie aber auch besser.

Auch der Klimawandel könnte Folgen für die Naturschutzgebiete haben. Getzner sagt: „Durch den Klimawandel werden diverse Tier- und Pflanzenarten aus ihrem natürlichen Lebensraum verdrängt.“ Das kann zum Aussterben der betroffenen Arten oder auch zu einer weiteren Verdrängung anderer Spezies führen.

Die Analyse der Studienautoren zeigte eine starke Verschlechterung von 32,8 Prozent der weltweiten Schutzgebiete. Kendall Jones, Hauptautor der Studie, sagte: „Ein gut geleitetes Naturschutz-Netzwerk ist essenziell um Spezies vor dem Aussterben zu bewahren. Wenn wir es zulassen, dass sich das Netzwerk verschlechtert, wird es mehr Biodiversitätsverluste geben.“

Es gibt auch gute Nachrichten

Die am stärksten belasteten Naturschutzgebiete befinden sich in Asien, Europa und Afrika – in Regionen mit besonders vielen Menschen. Zu den Gebieten, in denen die Wildlife Conservation Society höchst aktiv war, zählen z.B. das Keo Seima Wildlife Sanctuary in Kambodia, der Madidi National Park in Bolivien und das Yasuni Biosphere Reserve in Ecuador. Dort herrscht generell weit weniger menschlicher Einfluss und damit auch geringere Belastung für die Natur.

Naturschutzgebiete stecken im Kern der WCS-Erhaltungsstrategie: Sie können besonders effektiv natürliche Ökosysteme bewahren und Biodiversitätsverluste in Grenzen halten. Gute Verwaltung und ausreichende Finanzierung sind besonders wichtig für Schutzgebiete. Dadurch kann der Verlust von natürlichem Lebensraum reduziert und wilde Tierpopulationen aufrechterhalten werden.

Studienleiter James Watson sagte: „Es gibt einige Naturschutzgebiete, in denen es noch keine menschlichen Eingriffe gab. Wir müssen sicherstellen, dass es auch dabei bleibt.“

( kurier.at , David UIrich ) Erstellt am 17.05.2018