Was bedeutet die Diagnose Lymphom?
Finanzminister Markus Marterbauer hat seine Krebsdiagnose öffentlich gemacht. Er leide an einem Lymphom und sei bereits zu Behandlung im AKH Wien. Pro Jahr erhalten in rund 1800 Menschen in Österreich diese Diagnose. Die Betroffenen sind damit mit einem diffusen Krankheitsbild konfrontiert. Es gib über 60 Formen, die sich in ihrem Verlauf, ihrer Aggressivität und den Behandlungsmöglichkeiten erheblich unterscheiden. Grob unterteilt werden sie in Hodgkin-Lymphome und Non-Hodgkin-Lymphome, die jeweils unterschiedliche Therapieansätze erfordern. KURIER hat die wichtigsten Fragen dazu zusammengefasst.
Was bedeutet die Diagnose Lymphom?
Bei einem Lymphom, auch Lymphknotenkrebs handelt es sich um eine Krebserkrankung des Lymphsystems. Das Lymphsystem gehört zum Immunsystem und schützt den Körper vor Infektionen. Es transportiert eine Flüssigkeit namens Lymphe durch den Körper, die unter anderem spezielle Abwehrzellen – die Lymphozyten – enthält.
Bei einem Lymphom vermehren sich diese Lymphozyten unkontrolliert. Normalerweise reguliert der Körper, wann diese Zellen wachsen und wann sie absterben. Gerät dieser Mechanismus außer Kontrolle, sammeln sich krankhaft veränderte Zellen an. Das führt zu geschwollenen Lymphknoten, etwa am Hals oder unter den Achseln.
Wer ist betroffen?
Im Vergleich zu Krebserkrankungen wie z.B. Brust-, Lungen-, oder Darmkrebs, sind Lymphomerkrankungen relativ selten mit etwa 5 Prozent an Krebsneuerkrankungen. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Die relativen Überlebensraten sind in den letzten Jahren stetig angestiegen. Vom Hodgkin-Lymphom sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, ein Hodgkin-Lymphom kann aber auch im höheren Lebensalter auftreten, ca. 25 Prozent aller Patienten mit Hodgkin-Lymphom sind älter als 60 Jahre.
Welche Arten gibt es
Maligne Lymphome lassen sich traditionell in drei Hauptgruppen einteilen: das Hodgkin-Lymphom, die Non-Hodgkin-Lymphome und das Multiple Myelom, das zu den Plasmazellerkrankungen zählt.
- Das Hodgkin-Lymphom – auch Morbus Hodgkin genannt – bildet eine eigenständige Lymphomart. Benannt ist es nach dem Arzt Sir Thomas Hodgkin, der diese Krebserkrankung des lymphatischen Systems vor 200 Jahren erstmals beschrieb.
- Non-Hodgkin-Lymphome umfassen alle anderen Lymphomarten, die nicht als Hodgkin-Lymphom gelten. Mittlerweile verwenden Mediziner diese Sammelbezeichnung selten, weil es zu den unterteilten Lymphomen bereits präzisere Ausdrücke gibt.
- Das Multiple Myelom – umgangssprachlich auch „Knochenmarkkrebs“ genannt – gehört ebenfalls zu den bösartigen Lymphomen, da es von reifen B-Lymphozyten, den sogenannten Plasmazellen, ausgeht.
Lymphome unterscheiden sich stark in ihrem Verlauf. Niedrig-maligne oder indolente Lymphome entwickeln sich langsam über Jahre bis Jahrzehnte. Sie gelten als chronische Erkrankungen, die sich durch Behandlung meist gut zurückdrängen lassen, aber in der Regel nicht dauerhaft heilbar sind. Betroffene werden lebenslang medizinisch betreut und bei Bedarf wiederholt behandelt. Dazu zählen unter anderem die chronische lymphatische Leukämie (CLL), das follikuläre Lymphom, die Haarzell-Leukämie, das Multiple Myelom und das MALT-Lymphom.
Hoch-maligne oder aggressive Lymphome schreiten ohne Behandlung rasch voran. Allerdings können Patienten oft bereits mit einer ersten intensiven Therapie geheilt werden. Typische Vertreter sind das diffuse großzellige Lymphom und das Burkitt-Lymphom.
Welche Symptome treten auf?
Oft verursachen -Lymphome zu Beginn keine spezifischen Beschwerden und werden zufällig bei einer ärztlichen Untersuchung entdeckt.
Das häufigste Anzeichen ist eine schmerzlose Lymphknotenschwellung, die bestehen bleibt oder stetig wächst. Betroffen sind meist der Hals-, Achsel- oder Leistenbereich. Wichtig zu wissen: Nicht jede Lymphknotenschwellung deutet auf ein Lymphom hin – in den meisten Fällen steckt eine harmlose Infektion dahinter. Deshalb ist es wichtig, auf weitere charakteristische Symptome zu achten.
Dazu gehören vor allem starker Nachtschweiß, regelmäßig wiederkehrendes Fieber und unerklärlicher Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent innerhalb von sechs Monaten. Auch extreme Müdigkeit, Atemnot, Husten oder hartnäckiger Juckreiz am ganzen Körper können Hinweise sein.
Bei näherer Untersuchung können Veränderungen im Blutbild auffallen. Eine Verringerung der roten Blutkörperchen führt zu Blutarmut, ein Mangel an weißen Blutkörperchen erhöht die Infektanfälligkeit, und eine verringerte Zahl von Blutplättchen kann vermehrt Blutergüsse oder erhöhte Blutungsneigung verursachen. Solche Veränderungen können darauf hindeuten, dass das Lymphom das Knochenmark befallen hat, wo die Blutbildung stattfindet.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Erstdiagnose eines Lymphoms erfolgt normalerweise durch die Untersuchung einer Gewebeprobe, die aus einem verdächtigen Lymphknoten entnommen wird. Diese Biopsie wird unter dem Mikroskop untersucht, um festzustellen, ob krankhaft veränderte Zellen vorliegen und um welche Art von Lymphom es sich handelt.
Je nachdem, wo sich das Lymphom befindet, kann es notwendig sein, zusätzlich Proben aus anderen Geweben zu entnehmen. In vielen Fällen wird beispielsweise eine Knochenmarksbiopsie durchgeführt, um zu prüfen, ob das Lymphom bereits das Knochenmark befallen hat.
Parallel dazu werden verschiedene Blutuntersuchungen vorgenommen. Diese geben Aufschluss über den allgemeinen Gesundheitszustand und liefern weitere Hinweise auf das Vorhandensein eines Lymphoms.
Wie wird ein Lymphom behandelt?
Ob und wann ein Lymphom-Patient behandelt werden muss, hängt vor allem von der Art der Erkrankung ab. Aggressive Lymphome erfordern eine sofortige intensive Therapie – die Heilungschancen sind dann gut. Langsam wachsende Lymphome hingegen müssen oft erst behandelt werden, wenn Beschwerden auftreten. Betroffene werden lebenslang medizinisch betreut und bei Bedarf wiederholt behandelt.
Welche Therapie konkret infrage kommt, entscheiden Ärzte anhand der genauen Diagnose, der Ausbreitung im Körper sowie Alter und Gesundheitszustand des Patienten. Bei manchen Patienten mit langsam wachsenden Lymphomen kommt zunächst eine Strategie des Abwartens und Beobachtens infrage – das sogenannte Watch-and-Wait. Sie müssen dann regelmäßig zur Kontrolle mit Blutuntersuchungen und weiteren Tests, je nach Lymphomart.
Die häufigste Behandlungsform ist die Chemotherapie. Oft wird sie mit einer Antikörpertherapie kombiniert – diese Kombination heißt Immun-Chemotherapie. Manche Patienten erhalten die Antikörpertherapie auch ohne Chemotherapie. Daneben werden zunehmend zielgerichtete Therapien und neue Formen der Immuntherapie erforscht und eingesetzt.
Eine Strahlentherapie allein kommt nur bei wenigen Patienten zum Einsatz – etwa wenn das Lymphom langsam wächst und örtlich begrenzt ist. In Kombination mit Chemotherapie oder Immun-Chemotherapie wird sie auch in anderen Situationen angewendet. Eine alleinige Operation ist dagegen in der Regel keine geeignete Therapie, denn Lymphome betreffen meist den ganzen Körper – selbst wenn die entarteten Lymphozyten nur an einzelnen Stellen nachweisbar sind.
Quellen: Österreichische Krebshilfe; Deutscher Krebsinfomationsdienst
Die Österreichische Krebshilfe bietet ein umfassendes Beratungs- und Hilfsangebot für Erkrankte und Angehörige.
www.krebshilfe.net
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