Wie Patienten in Österreich von neuen Krebs-Therapien profitieren

Ein Wissenschaftler mit Maske pipettiert Flüssigkeit in ein Reagenzglas, umgeben von Grafiken.
Weltkrebstag: Dank neuer Ansätze in der Behandlung steigt die Lebenserwartung vieler Erkrankter, und das Sterberisiko wird weiter kontinuierlich sinken.

Das Risiko, an einer Krebserkrankung zu versterben, wird in den kommenden Jahren weiter zurückgehen, zeigt eine Prognose der Statistik Austria. Ein wesentlicher Grund sind neue Therapien, die die Überlebenschancen verbessern, sagt Matthias Preusser, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie von MedUni/AKH Wien anlässlich des heutigen Weltkrebstages. 

„Wobei immer wirksamere Chemotherapien und präzisere Strahlentherapie Grundpfeiler der Therapie bleiben und ebenso wie verbesserte Operationsmethoden die Behandlungserfolge ebenfalls erhöhen.“ 

Ein Überblick über die neuen Therapiemöglichkeiten.

Immuntherapien:

Krebszellen können das Immunsystem blockieren und sich so vor dem Zugriff von Abwehrzellen „verstecken“, sagt Preusser. Spezielle Antikörper nehmen den Krebszellen diese „Tarnkappe“ weg.

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Der Onkologe Matthias Preusser leitet die Klinische Abteilung für Onkologie der MedUni / AKH Wien.

„Es gibt mittlerweile sehr viele Zulassungen, etwa gegen schwarzen Hautkrebs, Krebs der Lunge, des Magens, der Leber, der Blase, des Gebärmutterhalses oder der Lymphdrüsen. Und wir haben viele neue Biomarker, messbare biologische Merkmale, die helfen, vorab einzuschätzen, welcher Patient auf eine Therapie ansprechen wird und welcher nicht.“ Kombinationen unterschiedlicher Immuntherapien erhöhen die Wirksamkeit noch zusätzlich.

„Die ersten Immuntherapien waren nur für eine Anwendung in einem späten Krankheitsstadium zugelassen. Jetzt gibt es aber vielversprechende Studiendaten für den Einsatz in früheren Stadien, in denen der Tumor noch keine Metastasen gebildet hat – das erhöht die Chance auf eine Heilung.“ 

Allerdings gibt es auch Tumorarten, gegen die es noch keine wirksamen Immuntherapien gibt, wie etwa den Bauchspeicheldrüsenkrebs oder das Glioblastom, der häufigste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen: „Es wird aber intensiv daran geforscht.“

Die Grafik zeigt die häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen

Dass Hoffnung auf Durchbrüche auch bei derzeit noch schwer behandelbaren Krebsarten bestehe, zeige das Beispiel des Melanoms, betont Preusser: „Vor fünfzehn Jahren waren die Überlebenschancen bei fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs ganz niedrig. 2011 wurde die erste Immuntherapie gegen das Melanom zugelassen. Es gibt Patienten, die seit dieser Zeit diese Therapie erhalten und heute noch am Leben sind.“

Zielgerichtete Therapien:

Ein Beispiel sind Verbindungen eines Antikörpers und eines Chemotherapeutikums („Antikörper-Wirkstoff-Konjugate“). Der Antikörper erkennt spezielle Eiweißmoleküle an der Oberfläche von Krebszellen und dockt an diese an. Das mittransportierte Chemotherapeutikum dringt in die Krebszellen ein.

Die Grafik zeigt die häufigsten Krebserkrankungen bei Männern.

„Der Antikörper ist sozusagen das trojanische Pferd, in dem nicht Soldaten, sondern die Chemotherapie versteckt ist. Sobald er den Wirkstoff zur Krebszelle gebracht hat, zerstört dieser die Krebszelle von innen – so wie die im hohlen Pferd versteckten griechischen Soldaten in Troja.“

Zulassungen gibt es bereits für bestimmte Brustkrebsformen, Lymphome oder Eierstockkrebs – weitere Einsatzgebiete sind absehbar.

„Der Antikörper ist sozusagen das trojanische Pferd, in dem nicht Soldaten, sondern die Chemotherapie versteckt ist."

von Onkologe Matthias Preusser

Ein Forschungsteam um Matthias Preusser veröffentlichte 2025 eine Studie zur Therapie von Metastasen in den Hirnhäuten mit Antikörper-Chemotherapie-Kombinationen. Für diese schwerwiegende Komplikation besonders bei Brust- und Lungenkrebs gab es bisher wenig Therapien: „Die Lebenszeit vieler Patienten konnte deutlich verlängert werden.“

Zelltherapien:

Bei speziellen Blutkrebsarten (akute lymphatische Leukämie, bestimmte Lymphome, Multiples Myelom) kommt die CAR-T-Zelltherapie zum Einsatz. Aus dem Blut der Patienten werden Abwehrzellen (T-Zellen) gewonnen und im Labor gentechnisch so verändert, dass sie bestimmte Merkmale an der Oberfläche ihrer Krebszellen erkennen und diese damit zielgerichtet bekämpfen können.

Die Grafik zegit die Prognose der Neuerkrankungen an Krebs in Österreich.

Diese individuell „scharf“ gemachten Abwehrzellen werden den Patienten als Infusion zurückgegeben. „Ein Teil kann damit geheilt werden.“ Für „solide Tumore“ wie Darm- oder Lungenkrebs ist dieser Ansatz noch im Forschungsstadium.

Therapeutische Impfung:

Impfstoffe für bereits Erkrankte könnten künftig nach der Entfernung des Tumors oder nach der Chemo- und Strahlentherapie eingesetzt werden, um das Risiko eines Rückfalls zu reduzieren. „Es laufen viele Studien dazu.“

Die Grafik zeigt den Rückgang des individuellen Risikos, an Krebs zu erkranken bzw. zu versterben.

Eine Technologie sind mRNA-Impfstoffe, an denen die Entwickler der Covid-Vakzine bereits lange vor der Pandemie forschten. Die mRNA enthält den Bauplan für Eiweiße an der Oberfläche der Krebszellen. Sie sind meist einzigartig für den Tumor des Patienten. Nach der Impfung produzieren Zellen diese Moleküle.

Das Immunsystem erkennt sie als fremd und bekämpft sie – und damit auch den Tumor“, sagt Preusser. Beim Melanom gibt es bereits Daten, dass eine mRNA-Impfung kombiniert mit einer Immuntherapie das Risiko für das Wiederauftreten von Krebs deutlich senken konnte. „Der erste mRNA-Krebsimpfstoff könnte in wenigen Jahren zugelassen werden.“

Personalisierung:

„Es geht immer mehr in die Richtung, Therapien an die biologischen Eigenschaften eines Tumors anzupassen“, sagt Preusser. Ein Beispiel: Im Rahmen einer österreichweiten Studie werden Zellen eines Tumors von Glioblastom-Patienten nach der Operation im Labor angezüchtet und mit 28 verschiedenen Wirkstoffen behandelt: „Auf diese Weise könnte in Zukunft das ideale Medikament für den individuellen Patienten identifiziert und so die Überlebenschancen deutlich verbessert werden.“

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