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Wissen Gesundheit
01/26/2022

Lockerungen gefordert: Was Experten davon halten

Virologin von Laer: "Jede Maßnahme trägt dazu bei, Gipfel der Omikron-Welle abzuflachen." Komplexitätsforscher Klimek: "Wir brauchen noch ein wenig Geduld."

von Ernst Mauritz

In der Debatte um Lockerungen der derzeitigen Covid-Maßnahmen plädiert die Virologin Dorothee von Laer von der medizinischen Universität Innsbruck für Zurückhaltung. So tritt sie dafür ein, den Lockdown für Ungeimpfte vorerst noch aufrecht zu erhalten - und begründet dies auch detailliert.

"Die Inzidenz bei den Geimpften ist so deutlich niedriger als bei den Ungeimpften, dass ich es immer noch für gerechtfertigt halte, die Ungeimpften aus dem Geschehen etwas herauszunehmen, um den Gipfel der Omikron-Welle  abzuflachen. Viele Leute glauben, eine Maßnahme muss alles schaffen. Aber jede einzelne Maßnahme trägt ein paar Prozentpunkte dazu bei, dass der Peak niedriger wird. Die Masken allein, das Testen allein, die Ungeimpften aus dem Infektionsgeschehen heraushalten allein und auch die Impfungen allein - das funktioniert nicht. Es ist das Zusammenspiel aller Maßnahmen", sagt von Laer zum KURIER.

Die 22-Uhr-Sperrstunde für die gesamte Gastronomie sei ingesamt zwar hinsichtlich ihrer Wirksamkeit die am wenigsten überzeugende Maßnahme: "Trotzdem bin ich derzeit noch dafür, dass sie aufrecht bleibt, einfach deshalb, weil je später der Abend, desto ungehemmter der Umgang miteinander."

"Krankenhäuser füllen sich langsam"

Schon derzeit sehe man, dass sich die Krankenhäuser "wieder langsam füllen": "Was wir von anderen Ländern lernen ist, dass die Intensivstationen wahrscheinlich nicht das Problem werden, aber die Normalstationen können überlastet werden, das sehen wir in Dänemark und England", warnt von Laer.

Es sei nicht auszuschließen, dass es wieder zu einer bedrohliche Situation kommen könne: "Die Patientenzahlen in den Krankenhäusern steigen ebenso wie die Inzidenzen, und die werden auch nicht so schnell wieder fallen. Wir müssen diesen Peak, diesen Gipfel abflachen, so gut wir das nur können, um die Krankenhäuser nicht zu überlasten und die kritische Infrastruktur nicht zu gefährden." Aus diesem Grund sei es notwendig, die Ungeimpften so weit es gehe aus dem allgemeinen Pandemiegeschehen herauszunehmen: "Es ist ganz klar, dass die Impfung 80 bis 90 Prozent der Infizierten vor einem Krankenhausaufenthalt schützt, der Schutz vor der Intensivstation ist sogar noch höher."

"Kontrolliert durchlaufen lassen"

Das Fazit der renommierten Virologin: "Wir können Omikron kontrolliert ohne einen Lockdown durchlaufen lassen, aber das muss kontrolliert erfolgen. Es nützt uns nichts, wenn wir die Menschen dann nicht mehr behandeln können oder die Infrastruktur zusammenbricht."

Peter Klimek: "Zu früh für Entwarnung"

Komplexitätsforscher Peter Klimek vom Complexity Science Hub in Wien sieht zwar im Lockdown für Ungeimpfte anhand von Mobilitätsdaten bei einer konsequenten Umsetzung von 2-G keine Wirksamkeit - hält es insgesamt aber für zu früh, Entwarnung zu geben.

Zum Lockdown für Ungeimpfte sagt er: "Der Unterschied mit und ohne Lockdown für Ungeimpfte ist relativ bescheiden."

Natürlich sehe man, dass die Ungeimpften im Infektionsgeschehen überproportional stark vertreten seien: "Andererseits sind das mittlerweile vor allem jüngere Menschen."

Das Argument, dass er zum Schutz des Gesundheitssystems notwendig sei, lasse sich nicht mehr aufrecht erhalten. "Wenn im Gegenzug die 2-G-Regel konsequenter umgesetzt wird, sollte die Aufhebung des Lockdowns für Ungeimpfte die Infektionsdynamik nicht wesentlich beschleunigen."

Abgesehen von dieser Maßnahme hält es aber auch Klimek für zu früh, komplett Entwarnung zu geben: „Wir brauchen noch ein wenig Geduld, bis wir den Höhepunkt der Welle erreicht haben und dann sehen, wie groß die Belastung der Spitäler ist.“

Dies werde spätestens in der ersten Februarhälfte passieren: "Dann werden wir absehen können, ob wir die Welle so weit hinter uns haben, dass wir bei Lockerungen keine Kapazitätsprobleme bekommen."

Auch müsse man noch abwarten, wie sich die neue Omikron-Subvariante BA.2 auswirken werde.

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