Wissen | Gesundheit
05.04.2018

Krebsbehandlung: Homöopathie gegen Nebenwirkungen

Eine Kombinationstherapie sei sinnvoll, ein Ersatz für klassische Therapien sei Homöopathie aber nicht, mahnen Experten.

Homöopathische Medikamente sind mittlerweile alltäglich bei der Behandlung von Krebserkrankungen. Darauf wies die Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien anlässlich des Tags der Homöopathie (10. April) hin. Homöopathie könne klassische Therapien nicht ersetzen, sei aber hilfreich bei Nebenwirkungen.

"Ziel der homöopathischen Behandlung ist, dass die Chemotherapie-Intervalle so gut wie möglich eingehalten werden können. Denn müssen die Therapiepausen aufgrund von Nebenwirkungen verlängert werden, wird die Wirksamkeit der Krebstherapie um bis zu 40 Prozent geringer", sagte Erfried Pichler, Präsident der ÖGHM. Laut dem Leiter der homöopathischen Ambulanz an der Kinderonkologie im Klinikum Klagenfurt gibt es einen großen Unterschied zwischen Homöopathie und klassischer Behandlung. "In der Homöopathie wird der Mensch als Individuum behandelt, in der Schulmedizin geht es um den Krebs und ein Mensch ist auch noch dabei", meinte Pichler.

Kombinationstherapie

Michael Frass, Leiter der homöopathischen Ambulanz für maligne Erkrankungen am AKH Wien, fügte an, dass sich die Homöopathie auch in der Onkologie durch Studien stützt. Eine aktuelle Untersuchung an der Medizinischen Universität Wien kam zum Ergebnis, dass es den Patienten sowohl objektiv als auch subjektiv besser geht, wenn man sie individuell homöopathisch behandelt. Somit würden sich unterstützende homöopathische Therapien in der Onkologie rechtfertigen, sagte Frass.

Ilse Fleck-Vaclavik, Ärztin für Allgemeinmedizin und Homöopathie, berichtete von erfolgreichen Therapien mit homöopathischen Arzneimitteln. Sie betonte dabei ebenfalls, dass die klassische Medizin nicht ersetzbar, aber ergänzbar ist. Beispielsweise habe sie bei einer Patientin mit Eierstockkrebs die andauernde Harninkontinenz aufgrund der Chemotherapie mit Nux vomica, der Brechnuss, gestoppt. "Man kann Beschwerden lindern und da angreifen, wo die Schulmedizin nicht mehr weiter weiß," sagte sie.

Wirkungsdebatte

Obwohl homöopathische Medikamente in Österreich seit 1983 und in der EU seit 2001 als offizielle Arzneimittel gelten, stehen sie bei vielen Menschen in Verruf. Kritiker betonen seit jeher, dass es keine eindeutigen Wirkungsbelege gebe und diese auch nicht erbracht werden können, da es sich um eine "naturwissenschaftlich unplausible Wirkweise" und eine "Placebotherapie" handle. Apotheker Martin Peithner sagte dazu, dass sich Kritik häufig auf Australien und die USA beziehe, wo es keine Garantien für Qualität der Mittel gebe. Anders als in Europa gebe es dort keine Gesetzgebung, die Homöopathie unter die strengen Richtlinien der klassischen Medikamente stelle.

Eine Studie ergab 2016, dass jeder zweite Österreicher Homöopathika verwendet. Am häufigsten werden die pflanzlichen Mittel bei Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten und Husten eingenommen. Im Zuge der Untersuchung, die von der Firma Peithner (österreichischer Marktführer auf dem Gebiet der Homöopathie) in Auftrag gegeben wurde, wies man dezidiert darauf hin, dass Globuli und Co. keinesfalls Allheilmittel seien: "Die Homöopathie ist keine Alternative zur Schulmedizin für Diabetes, Bluthochdruck oder Herzinfarkt", hieß es damals in der Aussendung zur Studie.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und viele Mediziner vertreten mittlerweile einen integrativen Ansatz, der die Anwendung "traditioneller und komplementärer Medizin", zu der auch Homöopathie gezählt wird, unterstützt. Homöopathische Präparate könnten beispielsweise im Hinblick auf steigende Antibiotika-Resistenzen ein Weg sein.