Krank vor Weihnachten? Was bei Grippe und Erkältungen hilft
Bei Grippe brauchen Erkrankte (Bett-)Ruhe.
Die Grippe hat Österreich heuer bereits deutlich früher erreicht: Vier Wochen vor dem letztjährigen Startpunkt meldeten sich vergangene Woche bereits 5.762 Versicherte der Österreichischen Gebietskrankenkasse (ÖGK) wegen einer Influenza-Infektion krank. Weitere 97.270 Menschen sind wegen grippaler Infekte im Krankenstand. „Die Zahl der gemeldeten Influenza-Erkrankungen ist hierzulande innerhalb nur einer Woche von rund 3.400 auf fast 5.800 Fälle gestiegen. Auch die grippalen Infekte haben ein hohes Niveau erreicht“, sagt Andreas Krauter, Chefarzt der ÖGK.
Grippe- und andere Erkältungsviren haben gerade leichtes Spiel: Niedrige Temperaturen, trockene Luft und vermehrte Zusammenkünfte in Innenräumen begünstigen ihre Verbreitung. Rund um die Feiertage steigt das Ansteckungsrisiko zusätzlich, da Familien und Freunde aus unterschiedlichsten Regionen und Lebensumfeldern zusammenkommen. „Besonders ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen sind gefährdet und sollten jetzt vorsichtig sein“, warnt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer Wien. „Grippe, aber auch andere Erkältungsviren, RSV oder Covid-19, können schwere und langwierige Krankheitsverläufe verursachen“, wird Kamaleyan-Schmied in einer Aussendung zitiert.
Neben Impfungen gegen Grippe und Covid-19 helfen einfache und bewährte Hygieneregeln, die Übertragung zu reduzieren. „Regelmäßiges Händewaschen, gründliches Lüften und das Vermeiden von Kontakten bei Krankheit senken das Ansteckungsrisiko deutlich“, sagt die Allgemeinmedizinerin mit Praxis in Wien-Floridsdorf.
Was bei Grippe hilft
Doch, was ist, wenn man bereits krank ist? Insbesondere bei der „echten Grippe“ ist Vorsicht geboten. Kamaleyan-Schmied: „Influenza ist eine schwere Erkrankung, die lebensbedrohlich verlaufen kann. Mit Tamiflu haben wir zum Glück ein hochwirksames Medikament, doch die Gabe gleicht einem Ratespiel, weil wir nicht testen können.“
Die Schnelltests auf Influenza sind in Österreich keine Kassenleistung und müssen privat gezahlt werden. Für eine gesicherte Diagnose werden sie aber von Ärztinnen und Ärzten empfohlen. Dabei ist es besonders wichtig, rasch zu wissen, ob tatsächlich eine Influenza-Infektion vorliegt. „Tamiflu wirkt am besten, wenn es innerhalb von 36 bis 48 Stunden nach Symptombeginn eingenommen wird. Eine rechtzeitige, gezielte Therapie kann schwere Verläufe verhindern, was besonders für ältere Menschen oder chronisch Kranke überlebenswichtig sein kann“, betont die Medizinerin.
Antibiotika sind bei Grippe nicht wirksam
Tamiflu kann den Krankheitsverlauf verkürzen. Ein häufiger Trugschluss ist, dass Antibiotika bei Grippe helfen. Sie sind nur bei bakteriellen Infektionen wirksam, nicht aber bei viralen, wozu Influenza jedoch zählt.
Schmerzmittel helfen, Fieber und Gliederschmerzen zu behandeln – sie wirken allerdings nur gegen die Symptome, nicht gegen die Ursache. Zudem gilt: Ausreichend Flüssigkeit zuführen, mindestens 2,5 Liter Wasser oder Tee pro Tag. Auch die Hühnersuppe ist ein bewährtes Hausmittel, das hilft, den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Sie wirkt zudem entzündungshemmend. Generell ist leichte Kost, also eine vitaminreiche, ausgewogene Ernährung unterstützend. Zucker- und fettreiche Speisen sollten eher vermieden werden.
Typen
Unterschieden werden verschiedene Typen von Influenza-Viren: A, B und C. Am häufigsten ist Influenza A verbreitet. Das Virus wird über Tröpfchen übertragen, etwa beim Husten, Niesen oder Sprechen.
Meist beginnt die Erkrankung mit hohem Fieber zwischen 39 und 41 Grad, starken Kopf- und Gliederschmerzen sowie Halsschmerzen. Häufig kommt Husten, Erschöpfung und Schüttelfrost hinzu sowie Schnupfen und Appetitlosigkeit.
Schwere Verläufe
Bei schweren Verläufen können zudem Atemnot oder eine Lungenentzündung folgen. Insbesondere, wenn hohes Fieber über mehrere Tage hinweg auftritt, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden.
Vor allem Menschen ab einem Alter von 65 Jahren sollten bereits bei ersten Symptomen rasch handeln, ebenso Menschen mit chronischen Erkrankungen oder mit geschwächtem Immunsystem oder Menschen mit starkem Übergewicht.
Keine heißen Bäder
Inhalieren von Wasserdampf, Nasenspülungen und abschwellende Nasensprays helfen bei verstopfter Nase. Kalte oder feuchte Tücher auf Nacken und Stirn können Kopfschmerzen lindern. Gegen Halsschmerzen kann Gurgeln helfen. Verzichten sollte man auf heiße Bäder (auch kein Erkältungsbad), Alkohol und Kaffee, solange man an einer Grippe erkrankt ist - dies gilt auch für grippale Infekte. Sie belasten den Körper zusätzlich.
Zudem brauchen Erkrankte (Bett-)Ruhe, insbesondere bei Fieber. Diese Maßnahmen helfen sowohl bei Grippe als auch bei einem grippalen Infekt. Bei bestehendem Fieber oder Fieber in den vergangenen 24 Stunden sollte man Weihnachtsfeierlichkeiten jedenfalls absagen. Das gilt auch für starke Erkältungs- und Grippesymptome oder, wenn man sich krank und erschöpft fühlt. Vor allem bei nachgewiesener Grippeinfektion sollte man nicht mit anderen zusammenkommen.
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