© Wolfgang Cibura - stock.adobe.com/Wolfgang Cibura/stock.adobe.com

Wissen Gesundheit
05/26/2021

200 Jahre Kneipp: So modern ist der Wasserdoktor heute

Die Lehren von Sebastian Kneipp für eine ganzheitliche Gesundheit basieren auf mehr als nur Wassertreten.

von Ingrid Teufl

In der Tat muss es ein ungewöhnliches Bild abgegeben haben: Ein Mann, der nächtens aus dem Fenster klettert und sich anschließend mit einer Gießkanne an einem Wasserbecken selbst mit kaltem Wasser begießt. Kein Wunder, dass Sebastian Kneipp, der vor 200 Jahren geboren wurde, seine regelmäßigen Wassergüsse in seiner Zeit im Münchener Priesterseminar heimlich durchführte.

Wer heute mit Storchenschritten durch eiskalte Wasserbecken schreitet oder punktgenau platzierte Schlauchgüsse über sich ergehen lässt, tut das alles andere als heimlich: Sich regelmäßig eine Kneippkur zu gönnen, ist längst kein altvaterisches Ansinnen mehr. Im Gegenteil: „Wir haben Gäste, die erzählen, dass schon ihre Omas bei uns gekurt haben, das aber in Vergessenheit geriet und sie es jetzt wiederentdeckt haben“, erzählt Andrea Part, Kurärztin im Kurhaus der Barmherzigen Brüder in Schärding am Inn. Viele wollen sich zurückbesinnen. Und gerade für die jüngere Generation sei manches davon gar nicht so fremd. „Da leben viele ohnehin sehr bewusst, wollen sich gesund ernähren und achten auf regelmäßige Bewegung.“

Heute wieder aktuell

In Schärding setzt man schon seit Jahrzehnten auf die Lehre des zu seiner Zeit auch als Kurpfuscher bezeichneten „Wasserdoktors“. Part findet es schade, dass seine Lehren noch immer meistens auf „ein bisschen Wassertreten“ reduziert werden. „Viele von Kneipps Ansätzen haben heute sogar noch mehr Aktualität als im 19. Jahrhundert.“

Vor allem die „Ordnungstherapie“ ist ihr ein großes Anliegen. „Dass man Aktivität und Ruhe bewusst abwechselt, ist in Zeiten von ständiger Verfügbarkeit und Stress viel wichtiger geworden.“ Was wir heute als „Work-Life-Balance“ bezeichnen, nannte Kneipp „Lebensordnung“. Der Salzburger Mediziner und Buchautor Hans Gasperl erklärt das in seinem aktuellen „Das große Kneipp-Buch“ (Servus Verlag, 30 €) so: „Das Regulationsgeschehen des Organismus wird gezielt gefördert und durch Anwendungen gefordert.“ Durch die gesetzten Reize werden im Körper Reparaturprozesse angeregt, das Immunsystem werde gestärkt.

Wirkung belegt

Heute lassen sich viele der Ansätze bereits mit wissenschaftlichen Methoden erklären. „Die Wirkung vor allem auf das vegetative Nervensystem – jenes, das wir nicht bewusst beeinflussen können, wurde in vielen Studien belegt“, sagt Kurärztin Andrea Part. Bei klassischen Kneippkuren spielt der Faktor Zeit allerdings eine nicht unbedeutende Rolle.

„Das sagte Kneipp selbst, denn man muss dem Körper den Rahmen für eine Veränderung geben.“ Allein die Reize, die ein typischer Wasserguss auslöst, fördern den Organismus. „Oft wundern sich die Gäste, dass sie danach eine halbe Stunde rasten sollen. Aber das ist notwendig, im Körper passiert etwas.“

Mit wenigen Kur-Tagen lassen sich über längere Zeit aufgebaute Defizite klarerweise nicht wegblasen. „Wir geben unseren Gästen Anstöße für den Alltag mit und stehen ihnen beratend und unterstützend zur Seite“, erklärt Part. „Viele unserer Stammgäste nehmen sich immer wieder etwas Neues mit, das sie zu Hause pflegen.“ Ihr Rat: „Am besten mit Kleinigkeiten beginnen.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.