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Wissen Gesundheit
12/19/2020

Warum es heuer noch keine Grippe-Fälle gibt

Bisher noch kein Viren-Nachweis in Österreich, auch andere Viren treten seltener auf

von Ingrid Teufl

Angesichts der nach wie vor zu hohen Infektionszahlen mit SARS-CoV-2 ist die alljährliche Grippewelle richtiggehend in den Hintergrund gerückt. Das liegt nicht nur an der Omnipräsenz von Nachrichten über Testungen, Impfstart oder laufende sowie möglicherweise kommende Lockdowns. Es liegt auch daran, dass bis dato in Österreich noch „keine einzige Infektion mit Influenza-Viren nachgewiesen“ wurde, wie die Virologin Monika Redlberger-Fritz von der MedUni Wien auf KURIER-Nachfrage erklärt.

Wenig Aktivität in Europa

Ein ähnliches Bild zeigt sich in ganz Europa: „Grippeviren zirkulieren derzeit nur sporadisch.“ Für die Expertin, die unter anderem für das Influenza-Monitoring am Department für Virologie zuständig ist, keine ungewöhnliche Entwicklung. „Im Vorjahr hatten wir eine sehr frühe Saison. Aber es gab auch Jahre mit einem sehr späten Start im Jänner“. Die jährliche Grippewelle, die ab einer Zahl von 10.000 Neuinfektionen pro Woche ausgerufen wird, starte meist im Jänner oder Februar.

Auch der Grippemeldedienst der Stadt Wien registrierte bisher eher niedrige Zahlen. Hier werden die Daten gesammelt und veröffentlicht, die Ärzte von diagnostizierten grippalen Infekten und echter Grippe einmelden. „Bei den derzeitigen Zahlen handelt es sich um grippale Infekte, da ja noch keine Grippeviren zirkulieren“, betont Redlberger-Fritz.

Lockdown-Folge?

2.300 Neuerkrankungen waren es in der Vorwoche. Im Vergleich zu 2019 (5.900 Neuerkrankungen in Woche 52) denkt man heuer fast automatisch an eine Corona-Folge. Haben Lockdown, Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen auch Einfluss auf die Grippeviren? Virologin Redlberger-Fritz geht davon aus. „Um diese Jahreszeit sehen wir normalerweise auch eine Vielzahl anderer Viren, die respiratorisch (über die Atemwege, Anm.) übertragen werden. Diese haben abgenommen.“ Das zeige sich sogar bei Rhinoviren, die im Winter gerade von Kindern stark übertragen werden. „Hier haben sich die Schulschließungen vermutlich ausgewirkt.“

Dass heuer die Grippesaison ganz ausfallen wird, wie das etwa in Australien der Fall war, könne man noch nicht sagen. Bis jetzt konnte durch die Lockdown-Maßnahmen allerdings das gefürchtete Zusammentreffen von Grippewelle und Corona-Pandemie verhindert werden.

Von den mittlerweile häufiger erhältlichen Kombi-Antigen-Tests auf eine Infektion mit Influenza- oder SARS-CoV-2-Viren rät sie derzeit übrigens ab. „Die Detektionsrate von Influenza ist bei diesen Tests sehr schlecht. Sie liegt bei Erwachsenen nur bei 20 bis 40 Prozent. Da würde ich mich nicht auf die Aussagekraft des Tests verlassen.“

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