Einlass in Lokale nur für Geimpfte und Genesene, dafür weniger Covid-Auflagen: In Hamburg gibt es jetzt die Option für ein 2-G-Modell.

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Wissen Gesundheit
08/28/2021

Immunologe für 2-G: "Geimpfte und Genesene haben hohen Schutz"

2-G statt 1-G. Der deutsche Immunologe Carsten Watzl sieht keinen Grund, zwischen den beiden Gruppen zu unterscheiden. Hamburg versucht den 2-G-Weg.

von Ernst Mauritz

Es ist die ständig steigende Zahl von täglichen Neuinfektionen – am Freitag 1.602 – und eine 7-Tage-Inzidenz über 100 (101,9) –, die eine Maßnahme immer wahrscheinlicher werden lässt: 1-G – also Zutritt zu bestimmten Bereichen nur für Geimpfte. Doch jetzt werden auch die Stimmen für 2-G lauter - dieses Modell räumt Geimpften und Genesenen dieselben Rechte ein.

Der Naturwissenschafter Klaus A. hat im Frühjahr eine Covid-Infektion durchgemacht. Sechs Monate danach weist ihm ein Test nach wie vor einen „extrem hohen Antikörperwert“ aus.

„Ich bin kein Impfgegner, im Gegenteil: Die Impfung ist die beste Waffe gegen die Covid-Krise. Aber sie wird ein wenig undifferenziert eingesetzt. Denn für eine 1-G-Regel gibt es aus meiner Sicht keine Begründung: Was ich der Fachliteratur entnehme, sind Genesene zumindest gleich gut geschützt wie Geimpfte. Ich wünsche mir, dass die Politik differenzierter auf die Genesenen eingeht.“

Eine Sichtweise, die man auch in Hamburg vertritt: Dort gibt es ab heute, Samstag, ein „2-G-Optionsmodell“: Veranstalter und Gastronomen, die nur noch Geimpfte und Genesene einlassen, sind von Corona-Einschränkungen wie einer Sperrstunde weitgehend befreit.

„Hoher Schutz“

„Ich sehe keinen Grund, eine große Unterscheidung zwischen Geimpften und Genesenen zu treffen“, sagt der Immunologe Carsten Watzl, Generalsekretär der deutschen Gesellschaft für Immunologie, zum KURIER: „Beides bietet einen hohen Schutz vor schweren Erkrankungen.“

So zeigte eine noch nicht begutachtete Studie aus Israel („Preprint“), dass die Antikörperspiegel bei Genesenen langsamer abfallen als bei Biontech/Pfizer-Geimpften.

Eine weitere israelische Preprint-Studie ergab jetzt: Im Jänner oder Februar mit Biontech/Pfizer Geimpfte hatten zwischen Juni und Mitte August ein deutlich höheres Risiko einer Delta-Infektion als im Jänner oder Februar Infizierte und Genesene.

„Wir sehen zunehmend Daten, die zeigen: Genesene haben – im Durchschnitt – anfangs weniger Antikörper als Geimpfte, aber bei den Geimpften fallen die Antikörperspiegel rascher ab“, sagt Watzl. „Nach vier bis sechs Monaten sind die Antikörperspiegel in beiden Gruppen annähernd gleich.“ Sollten sich die Daten der einen Studie aus Israel bestätigen, „wären Genesene über einen gewissen Zeitraum sogar besser geschützt als Geimpfte“.

Wie lange dieser Schutz vor Infektionen bei Genesenen anhält, lasse sich noch nicht sagen: „Deshalb wäre es natürlich am Besten, wenn sich Genesene einmal impfen lassen – geimpfte Genesene haben den höchsten Schutz.“

Watzl präferiert ein 2-G-Modell: „Für mich gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keinen Grund zu sagen, dass 1-G sicherer ist als 2-G und die Geimpften von den Genesenen zu unterscheiden. Ich wüsste nicht, wie man das begründen kann.“ Groß sei aber der Unterschied zwischen 2-G und 3-G (umfasst auch getestete Ungeimpfte ohne durchgemachte Infektion): „Ungeimpfte infizieren sich viel leichter, geben Infektionen deutlich häufiger weiter und können unter anderen Ungeimpften Infektionsketten auslösen.“

Wenn man die Sicherheit erhöhen wolle, schlage er eine andere Maßnahme vor: „Was etwas bringt, wäre, etwa bei Veranstaltungen, eine zusätzliche PCR-Testpflicht. Denn auch Genesene und Geimpfte können – zwar in deutlich geringerem Ausmaß als Ungeimpfte – andere anstecken.“ Er glaube aber nicht, dass dies bei Genesenen öfter der Fall ist als bei Geimpften. „Auch bei der Häufigkeit von Reinfektionen scheint es keinen Unterschied zu geben.“

Für den Genesenen Klaus A. gibt es noch einen Aspekt: „Aus meiner Sicht gibt es noch wenige Daten über mögliche Wechselwirkungen, wenn Genesene mit hohen Antikörperspiegeln geimpft werden – gerade bei Jugendlichen.“

Dazu Watzl: „Mir sind keine Daten oder Studien bekannt, die ein erhöhtes Risiko bei der Impfung von genesenen Personen zeigen würden, auch wenn diese hohe Antikörperspiegel haben.“

Ministerium präferiert 1-G

Auch wenn noch nichts entschieden ist: Sollte es wieder zu strengeren Corona-Maßnahmen kommen, tritt  man im Gesundheitsministerium für eine 1-G-Regelung ein, die nur Geimpften Zutritt zu bestimmten Bereichen ermöglicht: „Natürlich bewerten wir alle neue Studien. Aber es gibt auch solche, aus denen hervorgeht, dass Genesene zumindest eine Impfung bekommen sollten, „um eine Superimmunität aufzubauen“.

Bei Genesenen sei die Immunantwort abhängig vom Zeitpunkt der Infektion, der Krankheitsschwere und auch der Virusvariante. Es gibt aber auch noch eine weitere Befürchtung: Eine 2-G-Regelung könnte missverstanden werden, sich nicht impfen und zu lassen und stattdessen zu versuchen, sich bewusst durch Risikoverhalten zu infizieren: „Das aber könnte  zu zahlreichen schweren Krankheitsverläufen und auch Todesfällen führen.“

Grüner Pass

Für Genesene ist ein Eintrag in den „Grünen Pass“ nur mit einem positiven PCR-Test möglich. Nach sechs Monaten ist eine Impfung notwendig, um international weiterhin als vollimmunisiert ausgewiesen zu werden. Wer sich nicht impft (oder kein PCR-Testergebnis hat), kann für den 3-G-Nachweis in Österreich für jeweils weitere 90 Tage eine Bestätigung über das Vorhandensein neutralisierender Antikörper vorlegen. International gilt das nicht: Da werden Antikörpertests nicht akzeptiert.

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