Wissen | Gesundheit
26.06.2018

Wie die Strahlung im Flugzeug auf den Körper wirkt

Eine US-Studie zeigt, dass einige Krebsarten bei Flugpersonal häufiger auftreten.

Wer über den Wolken arbeitet hat häufiger Krebs als der Durchschnitt der Bevölkerung – das zeigt eine aktuelle amerikanische Studie, die im Fachjournal Environmental Health veröffentlicht wurde. Neben Hauttumoren treten Krebs an Brust, Gebärmutter, Schilddrüse, Darm und Gebärmutterhals bei Berufsfliegern deutlich häufiger auf.

Für die Untersuchung wurden die Angaben von 5300 überwiegend weiblichen Flugbegleitern zu ihrem Arbeitsleben und ihrem Gesundheitszustand mit den Daten von 5000 Teilnehmern einer nationalen Gesundheitsstudie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC verglichen.

Mehr Hautkrebs

Rund jeder siebente Flugbegleiter hat demnach bereits eine Krebsdiagnose erhalten. Besonders deutlich war der Unterschied bei Frauen mit Hautkrebs: Mehr als doppelt so viele Flugbegleiterinnen (2,2%) entwickelten Melanome und gut vier Mal so viele (7,4%) andere Formen von Hautkrebs.
„Gemessen an den niedrigen Raten von Übergewichtigen und Rauchern in dieser Berufsgruppe ist das Ergebnis auffallend“, meint Studienautorin Irina Mordukhovich von der Harvard School of Public Health.

Die Ursachen liegen laut den Wissenschaftlern in den Krebsrisiken, denen Flugbegleiter an Bord ausgesetzt sind, allen voran die erhöhte kosmische Strahlung (auch Höhenstrahlung, siehe Kasten). Anders als viele andere krebserregende Faktoren hat sie keine Wirkschwelle. Das heißt: Jeder Kontakt kann theoretisch  Krebs auslösen, meint Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Uni Wien.

Die Wahrscheinlichkeit dafür sei zwar gering, je öfter man Höhenstrahlung ausgesetzt sei, desto mehr steige allerdings auch das Krebsrisiko. „Flugbegleiter und Vielflieger sind ohne Frage Risikogruppen. Jedem Flugbegleiter wird daher pro Monat ausgewiesen, wie viel Höhenstrahlung in Mikrosievert er ausgesetzt war“, sagt Hutter.

Belastung wird überwacht

Anders als in den USA  wird in Europa  die Strahlenbelastung von Piloten und Flugbegleitern überwacht und beschränkt, sodass eine bestimmte Dosis im Jahr nicht überschritten wird. In diese Berechnung fließen mehrere Faktoren ein, etwa die Häufigkeit des Fliegens, die Flughöhe und -dauer sowie die geografische Lage der Flüge. Hutter: „Je nach Flugroute ist die Strahlung doppelt bis dreimal so hoch, am geringsten ist sie am Äquator.“ Auch die Sonnenaktivität spielt eine Rolle: Sonnenwinde können einen Teil der kosmischen Strahlung ablenken oder verstärken.

Neben der kosmischen Strahlung spielen auch unregelmäßige Schlafrhythmen, UV-Strahlung sowie möglicherweise chemische Substanzen in der Flugzeugkabine eine Rolle. „Die verschiedenen Zeitzonen, Klimaveränderungen sowie die immer kürzen Stehzeiten an den jeweiligen Destinationen können  Stress auslösen und die Chronobiologie (Anm.: die „innere Uhr“) stören. Flugbegleitung ist  Schichtarbeit und diese ist eindeutig als krebserregend eingestuft“, erklärt Experte Hutter. Möglicherweise krebserregend sind auch chemische Substanzen in der Kabine, die man etwa über Gerüche wahrnimmt. Sie könnten  auf  Öle aus dem Triebwerk zurückgeführt werden. Inwiefern derartige Luftverunreinigungen  die Gesundheit beeinträchtigen ist jedoch wenig erforscht.

UV-Strahlung gering

Die erhöhten Hautkrebsraten lassen sich kaum auf das Fliegen an sich zurückführen, da UV-Strahlung im Flugzeug nur eine geringe Rolle spielt. Laut deutschem Bundesamt für Strahlenschutz  (BfS) spiele eher eine Rolle, wie oft die Betroffenen sonst in die Sonne gingen. Das Freizeitverhalten  wurde in der aktuellen amerikanischen Studie allerdings nicht einbezogen.

Laut BfS zeigen bereits frühere Untersuchungen eine Häufung von Brust- und Hautkrebs bei Flugpersonal. Die Ergebnisse der aktuellen Studie seien aus Sicht des BfS zum Teil mit Vorsicht zu interpretieren: Erhöhte Brustkrebsraten könnten auch damit zusammenhängen, dass Flugbegleiterinnen insgesamt weniger und oft relativ spät Kinder bekämen - beides erhöhe das Brustkrebsrisiko. Jene mit Kindern wiederum wären mehr Stress und Schlafmangel ausgesetzt, was ebenfalls das Krebsrisiko beeinflusst.

Umweltmediziner Hutter rät trotz Studienergebnissen  nicht generell vom Beruf des Flugbegleiters ab. Für ihn seien die Ergebnisse allerdings ein Beleg dafür, „dass es wichtig ist, die arbeitsmedizinischen Schutzmaßnahmen einzuhalten.“ Wer ein-, zweimal pro Jahr in den Urlaub fliegt, habe lediglich ein geringes Risiko. Die kosmische Strahlung wirkt zwar auch auf Wenigflieger, macht aber nur einen geringen Anteil an der jährlichen Strahlendosis aus. Dies gilt auch für Schwangere und Kleinkinder, wobei  Schwangere generell Risiken möglichst minimieren sollten.

Kosmische Strahlung

Auf der Erde sind wir ständig elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt. Sie tritt nicht überall gleich stark in die Atmosphäre ein, da das Magnetfeld der Erde sowie Faktoren wie etwa Sonnenwinde sie teilweise ablenken. Wie stark die Strahlung im Flugzeug ist, hängt vor allem von Flugdauer, -höhe, -route und Sonnenaktivität ab. 2100 Mikrosievert pro Jahr sind wir im Durchschnitt durch kosmische Strahlung auf der Erde ausgesetzt. Dies schwankt je nach Aufenthaltsort. 100 Mikrosievert beträgt die durchschnittliche Strahlendosis bei einem Flug von Frankfurt nach New York. Dieser Flug erhöht die mittlere jährliche Strahlenexposition also um ca. fünf Prozent.