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Hitze trifft Ältere doppelt: Experten fordern Umdenken

Hitze gefährdet vor allem Ältere. Experten fordern: Statt nur auf Hitzewellen zu reagieren, braucht es Konzepte für klimagesundes Altern.
Älterer Mann im hellblauen Hemd sitzt draußen auf einer Bank, hält sich die Brust und wirkt erschöpft.

Ältere Menschen gehören bei Hitze zu den besonders gefährdeten Gruppen – aus vielfältigen Gründen: Alterungsprozesse beeinträchtigen die Thermoregulation und den Flüssigkeitshaushalt, Demenz oder kognitive Einschränkungen dämpfen das Durstgefühl, Gebrechlichkeit schränkt die Selbstversorgung ein. Hinzu kommen gesellschaftliche Faktoren wie soziale Isolation oder eingeschränkte Mobilität.

Um auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit aufmerksam zu machen, haben 40 Expertinnen und Experten aus 25 Institutionen ihre Erkenntnisse in einer Publikation zusammengetragen und bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Die zentrale Botschaft: Es braucht langfristige Maßnahmen, um eine immer älter werdende Gesellschaft nachhaltig auf Hitzewellen vorzubereiten.

Politik muss handeln

Das „Zusammenspiel von Klimawandel und Bevölkerungsalterung ist eine unbequeme Realität, der sich die Politik mit höchster Priorität stellen muss“, sagt Thomas Dorner, Herausgeber der Publikation und Leiter der Akademie für Altersforschung am Haus der Barmherzigkeit. Und das nachhaltig, betont Willi Haas, Forscher am Institut für Soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). Denn wenn es richtig heiß wird, gebe es zwar viele kurzfristige Angebote zur Linderung von Hitzestress – doch man müsse langfristig denken.

Der Klimawandel führt zu immer häufigeren und extremeren Hitzeereignissen in einer alternden Gesellschaft. Der derzeit enge Fokus auf Hitzewellen greife zu kurz, so Haas. Es brauche Konzepte, die ein klimagesundes Altern fördern. Der Grundtenor: Menschen, vor allem ältere, müssen mobil bleiben können – Stichwort „Ageing in Place“.

Lebensstil adaptiert

Für den urbanen Raum bedeutet das: Fußgängerampeln, die nicht nach der Hälfte des Wegs zu blinken beginnen, Plätze mit Ruhemöglichkeiten, etwa eine Bank im Schatten, die zum Verweilen und Plaudern einlädt – auch gegen soziale Isolation. Auch Ernährung spielt eine wesentliche Rolle: Es braucht Angebote für gesundes Essen in fußläufiger Entfernung.

Regelmäßige Bewegung könne dazu beitragen, die Belastungen durch zunehmende Hitze besser zu bewältigen und die Gesundheit langfristig zu erhalten, bestätigt Dorner. Präventiv, durch alle Altersgruppen und bevor die nächste Hitzewelle kommt. Körperlich aktive Menschen verfügen über größere funktionelle Reserven und können extreme Temperaturen besser bewältigen. „Bewegung verbessert die Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit, unterstützt die Thermoregulation und hilft dem Körper, Wärme effizienter abzugeben. Dadurch steigt die Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitzestress“, so Dorner.

Besonders bei älteren Menschen sei es wichtig, auch während Hitzeperioden aktiv zu bleiben. „Die zentrale Botschaft lautet nicht weniger Bewegung, sondern angepasste Bewegung“, betont Dorner. Ein völliger Verzicht auf körperliche Aktivität könne bereits nach kurzer Zeit zu einem Verlust von Muskelkraft, Ausdauer und Mobilität führen.

Angehörige nicht vergessen

Hitze betrifft nicht nur Pflegebedürftige, sondern auch ihre Angehörigen – ein Großteil von ihnen ist über 60 Jahre alt. Sie tragen in Österreich rund 80 Prozent der unbezahlten Pflege- und Betreuungsarbeit und sind dabei häufig von sozialer Isolation und psychischen Belastungen betroffen. Der Klimawandel verschärft ihre Situation zusätzlich, sagt Andrea Schmidt, Gesundheitsökonomin am Kompetenzzentrum Klima und Gesundheit der Gesundheit Österreich.

„Gesundheitsförderung und ökologische Aspekte zusammenzudenken bietet Potenziale“, so Schmidt. Zentrale Fragen seien: Wie lassen sich Alltagswege für pflegende Angehörige verkürzen? Wie kann aktive Mobilität trotz Pflegeverantwortung gelingen?

In ihrer Studie „Sozio-technische Lösung für ein gesundes und klimakompetentes Leben pflegender Angehöriger in Caring Communities“ betont Schmidt neben technischen und strukturellen Maßnahmen vor allem die Bedeutung des sozialen Miteinanders. Entscheidend seien Fragen wie: Wer denkt bei Hochwasser an mich? Wie können besonders gefährdete Menschen bei Hitzewellen identifiziert werden?

„Wenn Nachbarschaften und Gemeinden füreinander Sorge tragen, profitieren nicht nur pflegebedürftige Menschen, sondern auch pflegende Angehörige“, sagt Schmidt. Zusätzlich brauche es strukturelle Maßnahmen in der Langzeitpflege, die Versorgungsqualität und ökologische Nachhaltigkeit stärken und gleichzeitig Arbeitsbedingungen verbessern.

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