Grippesaison könnte heuer bis in den Sommer dauern

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Bisher gibt es wenige schwere Fälle: Anders als in der vergangenen Grippesaison wird aber eine anhaltende Verbreitung des Virus erwartet.

Nachdem es im vergangenen Winter so gut wie keine Grippefälle gab, wird es heuer eine länger andauernde Grippesaison geben. Davor warnen Expertinnen und Experten der Europäischen Seuchenschutzbehörde (ECDC). Grund für die geringe Verbreitung der Grippeviren in der letzten Saison waren die strengen Corona-Maßnahmen, die nicht nur SARS-CoV-2 zurückdrängten.

Die Maßnahmen sind nun allerdings deutlich lockerer. Lockdowns, das Tragen von Masken und das Reduzieren von sozialen Kontakten haben die Grippe – und damit ein Virus, das laut EU-Zahlen weltweit jährlich etwa 650.000 Menschen das Leben kostet – vorübergehend eingedämmt.

Dies habe sich laut ECDC nun jedoch geändert, da viele Länder wegen der Impfungen weniger strenge Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 ergreifen. Die ECDC warnt vor einer anhaltenden "Twindemie", also einem parallelen Auftreten von Covid-19 und Grippe bis in den Sommer 2022 hinein.  

Anstieg in Europa

Seit Mitte Dezember zirkulieren Grippeviren in Europa mit einer höheren Rate als erwartet, berichtet die ECDC. Im Dezember stieg die Zahl der Grippefälle auf europäischen Intensivstationen stetig auf einen Höchststand von 43 in der letzten Woche des Jahres 2021, wie Daten der ECDC und der WHO zeigen.

Das liegt weit unter dem Niveau von vor der Pandemie – mit wöchentlichen Grippefällen auf Intensivstationen, die zum Beispiel zur gleichen Zeit im Jahr 2018 einen Höchststand von mehr als 400 Patientinnen und Patienten erreichten.

Im Vergleich zum Jahr 2020 ist es jedoch ein Anstieg. Die Rückkehr des Grippevirus könnte den Beginn einer ungewöhnlich langen Grippesaison markieren, die sich bis weit in den Sommer hinein erstrecken könnte, meinte Pasi Penttinen, Influenza-Experte der ECDC.

"Wenn wir beginnen, alle Maßnahmen aufzuheben, besteht große Sorge, dass wir uns möglicherweise von den normalen saisonalen Mustern entfernen werden, weil wir so lange fast keine Zirkulation in der europäischen Bevölkerung hatten", sagte er.

Üblicherweise endet die Grippesaison im Mai. Der Abbau der strengeren Maßnahmen könne dazu führen, dass die Grippe darüber hinaus zirkuliere. Das gleichzeitige Auftreten von Covid-19 und Grippe könne die ohnehin belasteten Gesundheitssysteme unter Druck setzen.

Epidemie in Frankreich

Erste Anzeichen dafür gibt es in Frankreich, wo bereits drei Regionen, darunter jene um Paris, mit einer Grippeepidemie konfrontiert sind. In dieser Saison hat Frankreich bisher 72 schwere Grippefälle mit sechs Todesfällen verzeichnet.

Erschwerend kommt hinzu, dass der heuer dominierende Grippestamm schwere Fälle bei älteren Menschen verursacht. Noch sei es zu früh, um endgültig zu bewerten, wie gut die eingesetzten Grippeimpfstoffe schützen. Labortests würden aber zeigen, dass die diesjährigen Impfstoffe nicht optimal seien. Durch die sehr geringe Grippezirkulation im vergangenen Jahr gebe es noch nicht genug Daten, um die Wirksamkeit der Impfungen in dieser Saison zu beurteilen.

In Österreich gibt es derzeit noch keine wirklich messbare Virusaktivität. Laut dem Zentrum für Virologie der MedUni Wien gibt es hierzulande derzeit nur sporadische Virusnachweise. Vor Kurzem wurde der erste Fall einer Doppelinfektion von Grippe und Covid-19 gemeldet.

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