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„Finger weg“: Sonnencremes von Temu und Co. schützen nicht vor Sonne

Auf der chinesischen Online-Plattform wurden Sonnencremes ohne UV-Filter angeboten, obwohl diese beworben wurden.
Ein Kind cremt sich ein.

Sonnencreme soll vor UV-Strahlung schützen. Immer wieder zeigen Tests, dass teure Produkte nicht unbedingt besser sind als günstige. Allerdings sollte man dennoch vorsichtig sein, wo man kauft. Das deutsche Verbrauchermagazin Öko-Test warnt aktuell vor Produkten der chinesischen Online-Plattform Temu. 

Sechs Produkte, die auf Temu verkauft wurden, bieten laut einer Laboranalyse überhaupt keinen UV-Schutz. Öko-Test ließ die Cremes untersuchen. Das Ergebnis ist erschreckend: In keiner der sechs Sonnencremes konnten UV-absorbierende Moleküle nachgewiesen werden.

Lichtschutzfaktor bis 100 versprochen

Betroffen sind Produkte mit angeblichen Lichtschutzfaktoren zwischen 50 und 100, darunter „SUMAX SPF 100“, „Sadoer Collagen Whitening Sunscreen SPF 50+“ und „Maycheer Sunscreen Cream SPF 90“.

Besonders brisant: Bei vier der sechs Produkte waren auf der Verpackung UV-Filter wie Ethylhexyl Methoxycinnamate oder Titanium Dioxide deklariert. Die Laboranalyse konnte diese jedoch nicht nachweisen. Bei zwei Cremes fanden sich in der Zutatenliste gar keine UV-Filter.

Hersteller nicht erreichbar, Temu reagiert

Öko-Test versuchte, die Hersteller mit den Ergebnissen zu konfrontieren – ohne Erfolg. Bei „Miss Factor X“ fehlten auf der Verpackung sowohl Hersteller als auch Kontaktdaten komplett. Bei den anderen Produkten waren zwar Hersteller angegeben, aber keine Kontaktinformationen.

Temu erklärte auf Anfrage, die betroffenen Sonnenschutzprodukte von der Plattform entfernt zu haben. Sie würden nun unabhängig getestet. Zudem habe man den Verkauf ähnlicher Produkte bis zur weiteren Prüfung ausgesetzt.

Die Sonnencremes sind jedoch nicht vom Markt verschwunden. Auch auf der Konkurrenzplattform Aliexpress und dem B2B-Marktplatz Alibaba sind mehrere der betroffenen Produkte weiterhin erhältlich.

Auch VKI warnt vor Sonnencreme von Billig-Anbietern

Auch der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat gemeinsam mit europäischen Verbraucherorganisationen Sonnencremes von Billig-Onlineplattformen auf ihre Inhaltsstoffe und ihre Schutzwirkung untersucht. Das Ergebnis sei „alarmierend“: Kein einziges Produkt ist laut Test empfehlenswert. 

Es seien schwere Mängel beim UV-Schutz sowie verbotene oder bedenkliche Inhaltsstoffe festgestellt worden. Insgesamt wurden sieben No-Name-Sonnencremes vonPlattformen wie Temu, aber auch Shein und AliExpress getestet. 

Kein Produkt empfehlenswert

Das Testergebnis falle „vernichtend“ aus: Vier der sieben untersuchten Produkte seien demnach nicht als Sonnenschutzmittel einzustufen. Obwohl sie mit Lichtschutzfaktor 50, 50+ oder sogar 90 bzw. 90+ beworben werden, erfüllen sie nicht einmal die Mindestanforderungen an Sonnenschutzmittel. „Diese Mindestanforderungen liegen bei einem Lichtschutzfaktor von 6 beziehungsweise einem UVA-Schutzfaktor von 2“, kritisiert VKI-Kosmetik- und Chemikalienexpertin Birgit Schiller. „Diese Produkte sind damit eher als Bodylotions denn als Sonnencremes einzustufen.“

Lediglich ein einziges Produkt erreichte beim UV-Schutz ein akzeptables Ergebnis, so der VKI. Empfehlenswert sei es dennoch nicht, da es den UV-Filter OMC enthält. Dieser gilt als potenziell hormonell wirksamer Stoff (endokriner Disruptor), der auch mit negativen Auswirkungen auf Korallenriffe und die Meeresumwelt in Verbindung gebracht wird. Somit sei kein einziges getestetes Produkt empfehlenswert.

„Ein fehlender oder deutlich zu geringer UV-Schutz kann zu Sonnenbrand, vorzeitiger Hautalterung und langfristig zu einem erhöhten Hautkrebsrisiko führen“, warnt VKI-Expertin Schiller. „Unsere Empfehlung lautet daher: Finger weg von No-Name-Sonnenschutzmitteln von Billig-Onlineplattformen.“

UV-Strahlung: Hauptursache für Hautkrebs

UV-Strahlung ist die Hauptursache für die Entstehung von Hautkrebs. Schon ab einem UV-Index von 3 drohen Hautschäden. Wer Sonnencreme ohne UV-Schutz verwendet, wiegt sich in falscher Sicherheit mit potenziell schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen.

Die Verbraucherzentrale warnt, dass bei Temu „die niedrigen Preise mit einer geringeren Produktqualität und -sicherheit einhergehen können.“

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