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Wissen Gesundheit
12/03/2021

Genesene sind offenbar weniger gut vor Omikron geschützt

Die neue besorgniserregende Variante Omikron ist mit einer deutlich höheren Reinfektionsrate in Südafrika verbunden.

von Anita Kattinger

Eine Woche nach dem Weckruf aus Südafrika gibt es erste Studienergebnisse über die neue Coronavirus-Variante Omikron. Der südafrikanische Gesundheitsminister Joe Phaahla erklärte zudem am Freitag, das Land stehe aufgrund der Omikron-Variante vor der vierten Welle, die Krankenhäuser seien derzeit aber nicht gefährdet.

Phaahla sagte in der virtuellen Pressekonferenz, dass Infektionen mit der neuen Variante nun in sieben der neun Provinzen des Landes aufgetreten seien. Zudem äußerte er seine "Empörung und Enttäuschung" über die Länder, die bisher Reiseverbote für die Länder des südlichen Afrikas verhängt haben, und bezeichnete diese Entscheidung als "destruktiven Weg", der "die internationale Zusammenarbeit und Solidarität untergräbt".

Der jüngste Anstieg der Covid-19-Fälle in seinem Land sei "sehr steil": Die Steigerungsrate an Neuinfektionen habe in den vergangenen sieben Tagen über 300 Prozent betragen.

"Diese Variante ist in der Tat hochgradig übertragbar, auch bei Menschen, die bereits geimpft sind. Rund 42 Prozent aller Erwachsenen in Südafrika haben mindestens eine Impfdosis erhalten", so Phaahla.

Neue Studie aus Südafrika beunruhigt

Kurz vor der Pressekonferenz veröffentlichten südafrikanische Wissenschafter und Wissenschafterinnen die erste detaillierte Studie über Omikron, die für den erheblichen Anstieg der Coronavirus-Reinfektionen in Südafrika im Vergleich zu früheren Wellen verantwortlich gemacht wird.

Die Studie analysierte mit Stichtag 27. November positive Testergebnisse von Personen, die sich mindestens drei Monate zuvor erstmals infiziert hatten. Verglichen wurde das Risiko einer Neuinfektion während der ersten Welle der Pandemie mit nachfolgenden Wellen und verschiedenen Varianten.

"Die Analyse von Routineüberwachungsdaten aus Südafrika deutet darauf hin, dass die Omikron-Variante von Sars-CoV-2 im Gegensatz zu den Beta- und Delta-Varianten erhebliche Anzeichen für eine Umgehung der Immunität aus früheren Infektionen auf Bevölkerungsebene aufweist", so die Schlussfolgerung der südafrikanischen Epidemiologinnen und Epidemiologen in der am Donnerstag veröffentlichten Vorab-Studie.

Genesene hätten ein 2,4-fach höheres Risiko, sich mit Omikron anzustecken: Ein höheres Ansteckungsrisiko von Genesenen war bei Beta- oder Delta-Wellen nicht gegeben. Das höhere Risiko bezieht sich tatsächlich nur auf Genesene (den Preprint, der von der Fachwelt noch begutachtet werden muss, finden Sie hier), nicht auf Geimpfte.

Studien-Autorin Juliet Pulliam auf Twitter: "Diese Ergebnisse legen nahe, dass der Selektionsvorteil von Omikron zumindest teilweise durch eine erhöhte Fähigkeit zur Infektion bereits genesener Personen bedingt ist." Die höhere Rate von Reinfektionen stimme mit dem Zeitpunkt des Auftretens der Omikron-Variante in Südafrika überein, so die Forschenden.

Risiko für Geimpfte ist noch offen

Eine mögliche Immunflucht der Variante bei Geimpften wurde nicht untersucht, auch nicht untersucht wurde, ob die neu Infizierten mit größerer Wahrscheinlichkeit schwer erkranken.

Das südafrikanische Zentrum für epidemiologische Modellierung und Analyse (Centre for Epidemiological Modelling and Analysis) und das südafrikanische Institut für Infektionskrankheiten (NICD) erklärten, dass die neuesten Erkenntnisse "epidemiologische Beweise für die Fähigkeit von Omikron liefern, die Immunität einer früheren Infektion zu umgehen".

"Wir glauben, dass eine frühere Infektion keinen Schutz vor Omikron bietet", so Anne von Gottberg, eine Expertin des NICD. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass eine vorherige Infektion das Infektionsrisiko um mindestens 80 Prozent senkt.

Für Studien-Autorin Pulliam braucht es jetzt dringend weitere Daten: "Die nächsten Schritte umfassen die Quantifizierung des Ausmaßes der Immunabwehr von Omikron, sowohl für die natürliche als auch für die vom Impfstoff abgeleitete Immunität sowie ihre Übertragbarkeit im Vergleich zu anderen Varianten. Es werden auch dringend Daten zur Schwere der Erkrankung im Zusammenhang mit einer Omikron-Infektion benötigt, auch bei Genesenen."

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