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Gastritis: Kann sich ein Magen wirklich „selbst auffressen“?

Der an Autoimmungastritis erkrankte US-Anti-Aging-Guru Bryan Johnson behauptet das. Was eine Gastroenterologin dazu und generell zum Thema Gastritis sagt.
Das Bild zeigt eine Person am Schreibtisch, leicht nach vorne gebeugt, die sich mit beiden Händen den Bauch hält, was für Schmerzen in dieser Körpergegend hindeutet.

Er ist einer der prominentesten Longevity-Gurus: Der Tech-Millionär Bryan Johnson, 48, versucht mit der Messung und Analyse seiner Gesundheitsdaten, mit Diäten, Medikamenten und umstrittenen Therapien sein biologisches Alter zu senken und sein Leben zu verlängern. Jetzt hat er die Diagnose „Autoimmungastritis“ erhalten und sorgt mit der Aussage „Mein Magen frisst sich selbst auf“ für Aufsehen. Die Gastroenterologin Vanessa Stadlbauer-Köllner von der MedUni Graz klärt auf.

KURIER: Kann sich ein Magen „selbst aufffressen“?

Vanessa Stadlbauer-Köllner: Nein, das gibt es nicht.  Bei der  „autoimmunen Gastritis“ – auch Typ-A-Gastritis – greift das Immunsystem die Belegzellen der Magenschleimhaut an und zerstört sie. Die Magenschleimhaut wird dadurch dünner, aber der Magen wird nicht aufgefressen. Diese Belegzellen  sind für die Produktion  der Magensäure  verantwortlich. Ohne Magensäure steigt das Risiko für Magengeschwüre und Magenkrebs, und die Aufnahme von Mikronährstoffen wie Vitamin B12 oder Eisen wird sehr eingeschränkt. Die genauen Ursachen kennt man nicht, wahrscheinlich ist es ein Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren. 

Untersucht wird ein Zusammenhang mit dem Bakterium Helicobacter pylori, ob eine Infektion mit dem Bakterium die Entstehung einer Autoimmunhepatitis begünstigen kann - aber diese Theorie ist umstritten. Mir sind auch keine Daten bekannt, wonach schlechte Ernährung in der Kindheit und Jugend mit Fast Food eine Rolle bei der Entstehung spielt.

Profilbild der Gastroenterologin Vanessa Stadlbauer-Köllner.

Die Gastroenterologin Vanessa Stadlbauer-Köllner von der MedUni Graz erklärt die Unterschiede zwischen den einzelnen Formen von Gastritis.

Bekannt ist ein enger Zusammenhang mit verschiedenen anderen Autoimmunerkrankungen: Denn die Hälfte der Patienten mit Autoimmungastritis hat auch eine Hashimoto-Thyreoiditis, bei der das Immunsystem die eigene Schilddrüse angreift. Und rund 10 bis 30 Prozent aller Patientinnen und Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis sind auch von einer Autoimmungastritis betroffen.

Es gibt keine spezifische Therapie, man muss Mangelzustände wie bei Vitamin B12 oder Eisen ausgleichen. Weil keine Magensäure mehr vorhanden ist, wird Eisen schlechter aufgenommen. Deswegen ist ein Eisenmangel oft der erste Hinweis auf eine mögliche Autoimmungastritis.

Das Bild zeigt den Anti-Aging-Guru Bryan Johnson.

Der Tech-Millionär und Anti-Aging-Guru Bryan Johnson leidet an Autoimmungastritis. Dabei schädigen Immunzellen die Magenschleimhaut, aufgefressen, wie er behauptet, wird der Magen aber nicht.

Magensäureblocker soll man bei Autoimmungastritis absetzen, sie sind wirkungslos. Wichtig ist Krebsvorsorge, weil diese chronische Gastritisform zu Krebsvorstufen und Magenkrebs führen kann.

Welche sind die häufigsten Gastritis-Auslöser?

Generell ist eine Gastritis - also eine Entzündung der Magenschleimhaut - eine der häufigsten Ursachen für Magenbeschwerden. Am häufigsten ist eine Infektion der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori – auch als Typ-B-Gastritis (B für bakteriell) bezeichnet. Aber nur bei einem kleinen Teil führt eine Infektion auch zu einer Entzündung – mit oder ohne Beschwerden. 

Häufig ist auch die Typ-C-Gastritis (C für chemisch-toxisch), die durch bestimmte Schmerzmittel (sogenannte NSAR, etwa Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder Acetylsalicylsäure – ASS), hohen Alkoholkonsum oder Nikotin verursacht wird.

Macht sich jede Gastritis sofort bemerkbar?

Nein. Der Verlauf kann sowohl akut als auch chronisch sein. Bei der akuten Gastritis kommt es meist zu Schmerzen im Oberbauch und im Magen, zu Blähungen oder Übelkeit – vom Beschwerdebild allein nicht eindeutig vom Reizdarmsyndrom oder der Refluxkrankheit unterscheidbar. Eine chronische Gastritis bleibt oft lange unbemerkt. Eine Infektion mit Helicobacter pylori kann akut oder chronisch verlaufen. Längere Einnahme entzündungshemmender NSAR-Schmerzmittel – über Wochen oder Monate – führt häufig zu einer akuten Gastritis.

Wieso lösen diese Medikamente Gastritis aus?

Im Gegensatz zu den Bakterien kommt es nicht nur zu einer direkten, sondern auch zu einer indirekten Schädigung: „Die NSAR hemmen die Produktion des Hormons Prostaglandin. Es ist u. a. für die Produktion von schützendem Magenschleim verantwortlich. Wird der Prostaglandin-Kreislauf gehemmt, kann es zur Entzündung der Magenschleimhaut kommen. In diesem Fall muss die Medikation umgestellt werden.“

Ist Stress ein Auslöser?

Eine dauerhafte psychische oder körperliche Belastung kann das Erkrankungsrisiko erhöhen. Nach Laufveranstaltungen kommt es oft zur ,runner‘s gastritis‘ – eine Reizung der Magenschleimhaut durch schlechte Durchblutung und wenig Sauerstoff im Magen-Darm-Trakt zugunsten der Blutversorgung von Muskeln, Herz und Lunge. Auch ein Aufenthalt auf einer Intensivstation kann zu einer solchen Stressgastritis führen.

Wie wird eine Helicobacter-Infektion diagnostiziert?

Mit einem Atem- oder Stuhltest oder mit einer Magenspiegelung, bei der ein Gastroskop durch Mund und Speiseröhre in den Magen eingeführt wird. Dabei können auch Gewebeproben entnommen werden. Ein Test wird aber nur empfohlen, wenn typische Beschwerden auftreten oder andere Risikofaktoren – z. B. eine bereis früher diagnostizierte Helicobacter-Infektion oder eine Magenkrebserkrankung in der Familie – vorliegen.

Wie erfolgt die Behandlung?

Eine nachgewiesene Helicobacter-Infektion soll immer behandelt werden (mit zwei Antibiotika, Bismut und einem Säureblocker), auch wenn sie keine Beschwerden verursacht. Die WHO hat Helicobacter pylori als krebserregend eingestuft. Bei etwa ein bis zwei von zehn Menschen, die das Bakterium im Magen haben, entwickelt sich ein Geschwür des Magens oder Zwölffingerdarms.

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Es kann zu Blutungen kommen, im schlimmsten Fall zu einem Magen- oder Darmdurchbruch. Bei 3 von 100 Infizierten kann Magenkrebs die Folge einer chronischen, langjährigen Helicobacter-Infektion sein. Ohne Helicobacter-Nachweis reicht meist eine 14-tägige Einnahme eines Magensäureblockers, um die Symptome zum Abklingen zu bringen. Diese Säureblocker verhindern die Produktion von Salzsäure im Magen, dadurch kann die entzündete Schleimhaut abheilen.

Welche Rolle spielt die Ernährung?
Da kursieren im Internet Tausende Tipps, vieles ohne wissenschaftlichen Hintergrund. Diskutiert wird etwa, ob scharfe, stark gewürzte Speisen eine Gastritis auslösen können. Das scheint davon abzuhängen, ob man den regelmäßigen Konsum solcher Speisen gewohnt ist oder nicht.

Sehr fettige, schwer verdauliche Kost zu reduzieren und gleichzeitig mehr einfach zu verdauende Lebensmittel zu essen, das ist auf jeden Fall ein guter Tipp: Also zum Beispiel Gemüse dünsten, und auch Obst nicht roh, sondern etwa als Kompott konsumieren. Auch den Konsum alkoholischer Getränke zu reduzieren und das Rauchen aufzugeben wirkt sich eindeutig positiv auf den Magen aus.

Die Auslöser in puncto Ernährung können also sehr unterschiedlich sein?
Ja. Allgemeine Empfehlungen sind schwierig, weil es individuell oft ganz spezielle, einzelne Lebensmittel sind, die Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Bei mir sind es etwa rohe Paradeiser am Abend, die zu Sodbrennen führen. Andere bekommen am Abend von Rotwein oder Schokolade Probleme. Generell sind es oft säurehaltige Lebensmittel, Fruchtsäfte etwa auch.

Deshalb empfehle ich, eine Zeit lang beim Auftreten von Beschwerden aufzuschreiben, was man in den vergangenen Stunden gegessen hat. Wobei man eben bei der chronischen Gastritis oft viele Jahre lang gar keine Beschwerden hat. Das klinische Bild, also die Krankheitszeichen, und der Schweregrad der Entzündung in der Magenschleimhaut, hängen nicht unbedingt  zusammen.

Worauf muss man besonders achten?
Nur probeweise an der Ernährung zu drehen und auf Schonkost umzusteigen, ist keine Lösung. Man muss zuerst die eindeutige Ursache der Beschwerden finden – und behandeln: Ist es der Helicobacter pylori, muss die Infektion behandelt werden. Sind es die Medikamente, muss die Medikation umgestellt werden beziehungsweise ein Magensäureblocker eingenommen werden.

Wenn es keine Warnhinweise und Risikofaktoren gibt – etwa plötzlichen Gewichtsverlust, Blutverlust über den Stuhl –, kann unter ärztlicher Beobachtung in einem ersten Schritt 14 Tage lang – aber nicht länger – eine Therapie mit einem Magenschutzpräparat versucht werden. Sind die Beschwerden dann verschwunden, waren wahrscheinlich Ernährung und Lebensstil die entscheidenden Auslöser. Bleiben die Beschwerden bestehen, muss weiter untersucht werden.

Ist das Trinken eisgekühlter Getränke ein Risiko?
Das ist eher ein Märchen. Kalte Getränke werden bereits in der stark durchbluteten Speiseröhre auf Körpertemperatur gebracht, bevor sie den Magen erreichen. Problematischer ist, in Ländern mit niedrigen Hygienestandards Getränke mit Eiswürfeln zu konsumieren, weil das dafür verwendete Wasser zum Beispiel mit Hepatitis-A-Viren belastet sein kann. 

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