Wissen | Gesundheit
23.05.2018

Fitness von Buben hat in 20 Jahren abgenommen

Gesunde Elfjährige sind laut einer aktuellen Studie weniger fit als noch vor 20 Jahren.

Nicht nur übergewichtige Buben haben Probleme mit ihrer Fitness, sondern auch jene, die ein normales Gewicht haben. In den vergangenen 20 Jahren habe ihre Fitness laut den Wissenschaftlern abgenommen. Das zeigt eine Studie, die anlässlich des von 23. bis 26. Mai stattfindenden diesjährigen Europäischen Kongresses zu Adipositas in Wien vorgestellt wurde.

Die spanischen Forscher untersuchten 213 normalgewichtige und 139 übergewichtige elfjährige Buben im Jahr 2016 und verglichen die Ergebnisse mit einer Untersuchung von 132 normalgewichtigen und 72 übergewichtigen Buben aus dem Jahr 1996. Die Kinder trugen einen Herzfrequenzmonitor während sie den sogenannten Beep-Test absolvierten. Dabei laufen die Teilnehmer 20 Meter zwischen zwei Punkten so schnell sie können hin und her bevor ein Piepton zu hören ist. Dies tun sie solange bis sie nicht mehr können. Während der Übung sowie danach wurden die Pulsschläge pro Minute aufgezeichnet.

Kinder schafften weniger als vor 20 Jahren

Je weniger effizient das Herz ist, desto mehr muss es pro Minute schlagen, um Blut in den Körper zu pumpen. Die Herzfrequenz-Erholung, das ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Herzfrequenz nach dem Training wieder normalisiert, ist ein Indikator für körperliche Fitness und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzerkrankungen und Schlaganfällen. Personen in besserem kardiovaskulären Zustand neigen dazu, während der Spitzenbelastung niedrigere Herzfrequenzen zu haben und schneller nach körperlicher Aktivität zu ihrer Ruheherzfrequenz zurückzukehren.

Die Ergebnisse der Studie: Kinder mit einem höheren Body-Mass-Index ( BMI) hatten eine langsamere Herzfrequenz-Erholung. Das deutet darauf hin, dass ein niedrigeres Körpergewicht zu einer schnelleren Herzfrequenz-Erholung führt. Es kam aber auch heraus, dass Buben mit einem gesunden Körpergewicht im Jahr 2016 deutlich weniger fit waren als ihre Vorgänger im Jahr 1996. Vor 20 Jahren schafften die teilnehmenden Jungen im Mittel 5,1 Shuttles (das ist das Hin- und Herlaufen zwischen den zwei Punkten), im Jahr 2016 waren es 4,8.

Die übergewichtigen Buben hatten vor 20 Jahren keine besseren Ergebnisse als jene im Jahr 2016 (4,2 vs. 4,1).

Schlechtere Erholung

Sowohl normal- als auch übergewichtige Buben hatten eine viel niedrigere kardiale Wirksamkeit und eine schlechtere Herzfrequenz-Erholung am Ende des Tests als im Test vor 20 Jahren. Zum Beispiel sank die durchschnittliche Herzfrequenz bei normalgewichtigen Buben am Ende des Tests von 181 bpm (Schläge pro Minute) auf 147 bpm nach einer Minute und auf 136 bmp nach zwei Minuten; während 1996 die durchschnittliche Herzfrequenz am Ende des Beep-Tests 198 bmp betrug und nach einer Minute auf 155 bmp und nach zwei Minuten auf 133 bmp fiel.

Die Forscher schließen mit der Forderung nach mehr Initiativen zur Steigerung der Fitness bei Kindern: "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Messung des BMI alleine nicht ausreichen könnte, um die zukünftige Gesundheit von Kindern zu überwachen und die körperliche Aktivität, insbesondere aerobe Fitness, zu fördern Herz und Lunge und bessere Regeneration nach dem Training." Sie fügen hinzu: "Wir wissen, dass die meisten Kinder nicht genug an körperlicher Aktivität teilnehmen, verglichen mit den aktuellen WHO-Empfehlungen von mindestens 60 Minuten moderater bis starker körperlicher Aktivität wie Schwimmen, Fußball oder Tanzen."

Die Autoren weisen aber auch auf einige Einschränkungen hin, einschließlich der Tatsache, dass die Studie eine kleine regionale Stichprobe darstellt, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht für den Rest von Spanien oder andere Länder verallgemeinerbar sind. Sie betonen auch, dass sie nur Daten von zwei Jahren gesammelt haben, die die Fitnessniveaus über- oder unterschätzen könnten; und sie berücksichtigten keine soziodemographischen Faktoren oder Lebensstilfaktoren, die Gründe für die beobachteten Veränderungen erklären könnten. Sie weisen jedoch darauf hin, dass "die untersuchte Stichprobe sehr spezifisch ist (Buben im Alter von elf Jahren) und sich auf alle sozioökonomischen Ebenen eines geografischen Gebiets, das den westlichen Ländern sehr ähnlich ist, verteilt. Anhand der Stichprobe können wir uns aber orientieren, wie sich die Fitness der Kinder entwickelt."