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Stichtag
02/15/2020

EU-Verbot: Warum Tattoos bald farblos werden könnten

Zwei bestimmte Farbpartikel sollen gesundheitsschädlich sein. Das könnte sich auf die Motiv-Auswahl auswirken.

von Hedwig Derka, Ingrid Teufl

Als ob sie mit einem kräftigen Filzstift auf die Haut gemalt worden wären: Nachdem in den vergangenen Jahren schwarz-weiße Tätowierungen, oft nur als feine Linien, bevorzugt wurden, heißt einer der Tattoo-Trends für 2020 leuchtend bunte Töne. Da sorgt eine Forderung der EU-Kommission in der Tätowier-Szene für Wirbel. Wegen gesundheitlicher Bedenken schlägt die EU-Organisation das Verbot zweier Farbpigmente vor.

Motiv-Vorlieben wechseln wie die Mode, die Beliebtheit der Körperkunst ist aber seit vielen Jahren anhaltend hoch. Jeder vierte Österreicher gab in einer IMAS-Studie (1.004 Befragte) im Herbst 2019 an, ein Tattoo zu besitzen. Unter den 16- bis 35-Jährigen ist es bereits die Hälfte, unter den 35- bis 59-Jährigen immerhin ein Drittel. Am makellosesten ist die Haut der über 60-Jährigen: 87 Prozent haben kein „Peckerl“.

Politische Debatte

Die jetzt beanstandeten Pigmente Blue 15 und Green 7 sind nicht nur Grundfarben, auf ihnen beruhen zwei Drittel aller Farben. Diesen Malkasten wollen Tätowierer erhalten. Eine noch bis morgen, Sonntag, in Deutschland laufende Online-Petition (#tattoofarbenretten) hat mit mehr als 145.000 Unterschriften schon jetzt erreicht, dass sich der deutsche Bundestag mit dem Thema befassen muss.

Zugrunde liegt dem Kommissons-Plan, über den die EU-Staaten im April beraten sollen, eine Untersuchung von ECHA, der Chemikalienagentur der EU. Mehr als 4000 bedenkliche Substanzen in Tätowierfarben, aber auch für Permanent Make-up, sollen beschränkt werden.

Krebsgefahr?

Im Fall der beiden Tätowierfarben-Pigmente wird etwa auf einen Zusammenhang mit der Entstehung von Blasenkrebs verwiesen. Sowie auf eine EU-Regulierung bezüglich Kosmetika, in denen Blue 15 und Green 7 bereits untersagt sind. Was auf der Haut schon verboten sei, sollte auch nicht in die Haut gelangen, heißt es.

Die Wiener Ärztin Petra Hutter ist auf die Entfernung von Tattoos spezialisiert und erklärt den Hintergrund: „Bei Haarfärbemitteln zeigte sich, dass diese Pigmente oft längere Zeit auf Kopfhaut und Händen bleiben. „Was Tätowierungen betrifft, ist das eigentlich irrelevant. Denn da soll ja gerade die Haut gefärbt werden.“

Auch wenn immer wieder vor Farbpartikeln, die im Körper wandern und sich ablagern, gewarnt werde: Wissenschaftliche Erkenntnisse, ob Grün und Blau tatsächlich schädlich sind, gibt es nicht.

Schwermetalle

Auch andere Inhaltsstoffe stehen im Verdacht, krebserregend oder allergieauslösend zu sein, etwa Schwermetalle wie Nickel. Jedes Pigment habe seine Eigenheiten, betont Ärztin Hutter. „Die Mengen sind allerdings so gering, dass sie allgemein keine Allergien auslösen.“ Wer allerdings an einer (Nickel-)Allergie leide, sollte vorsichtig sein. Und das Krebsrisiko? „Hier wurde laut der bisherigen Studienlage eher kein Zusammenhang gefunden.“

Tätowiererin: "Wäre totaler Wahnsinn"

Auch Monika Weber vom Wiener Tattoo-Studio Happy Needles verweist auf fehlende Langzeitstudien. Für sie steht daher der künstlerische Anspruch im Vordergrund: „Ein Arbeiten ohne Blue 15 und Green 7 wäre totaler Wahnsinn, da würden auch irrsinnig viele Mischfarben wegfallen.“ Sollte es zum Verbot kommen, würden etwa 60 Prozent der Farbmotive zumindest legal nicht mehr möglich sein. Auf die derzeit angesagte Blackwork hätte die Eintönigkeit keinen Einfluss. Doch auch realistische Bilder liegen im Trend – Porträts, Blumen und verspielte Sujets müssten dann extrem reduziert unter die Haut.

Gefahr Schwarzmarkt

„Es wird nicht so schnell eine Alternative geben“, sagt die Grafikerin und befürchtet eher eine Verschlechterung der Situation als einen Schutz für die Fans der bunten Permanentbemalung. Aktuell werden Hygienestandards und Farben streng geprüft. Fehlt die breite Palette, könnte manch Tätowierer auf den Schwarzmarkt ausweichen. „Farben haben ein Ablaufdatum. Sind sie einmal geöffnet, halten sie sechs Monate“, sagt Weber. Ein Großeinkauf auf Vorrat kommt daher nicht in Frage. Außerdem soll es für das Verbot von Blue 15 und Green 7 eine Übergangsfrist von zwei Jahren geben.

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