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Wissen Gesundheit
02/13/2021

CoV-Infektionsgefahr am Land höher als in der Stadt

Man sollte meinen, in dicht gedrängten Gebieten ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit Corona anzustecken, höher. Eine Studie über Oberösterreich belegt das Gegenteil.

Eine Studie der MedUni Wien, die im Auftrag des Landes Oberösterreich untersucht hat, welche demografischen Faktoren Einfluss auf die phasenweise sehr hohen SARS-CoV-2-Inzidenzen im zweiten Halbjahr 2020 im Bundesland gehabt haben, hat interessante Ergebnisse gebracht.

Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Coronavirus anzustecken, war im dicht besiedelten urbanen Raum geringer als am Land. Und in Bezirken mit hohem Ausländeranteil war das Infektionsgeschehen klar schwächer.

Oberösterreich gehörte im vergangenen Herbst zu den am stärksten von der Corona-Epidemie betroffenen Regionen Österreichs. Die Verteilung des Virus in den 18 Bezirken war dabei aber recht unterschiedlich.

Zwischen 1. Juli und 31. Dezember variierte die maximale Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner zwischen 602 (Stadt-Linz) und 1.628 (Bezirk Rohrbach). Die Landesregierung nahm das zum Anlass, das Zentrum für Public Health der Medizin-Uni Wien mit einer Analyse zu beauftragten, warum sich die Infektionen regional so stark unterschieden.

Schlendrian am Land

In ihren Analysen kommen nun die Public-Health-Experten und Epidemiologen Hans-Peter Hutter und Michael Kundi zu teils überraschenden Ergebnissen. Je höher die Einwohnerdichte, desto niedriger war die Sieben-Tage-Inzidenz und die Mortalität, je höher die Agrarquote - also je mehr Menschen in einem Bezirk im landwirtschaftlichen Bereich tätig sind -, umso höher die Zahlen. "Entgegen der Annahme, dass eine hohe Bevölkerungszahl und die daraus resultierende höhere Kontaktwahrscheinlichkeit das Risiko einer Infektion erhöht, ist der umgekehrte Effekt festzustellen", sagte Hutter im APA-Gespräch.

"Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass im ländlichen Bereich vielleicht eher ein Schlendrian beim Einhalten der Maßnahmen herrscht. Die vertrauten Kontakte dürften am Land mehr gepflegt werden, man sieht das Virus möglicherweise als ein Problem der Stadt", sagte der Umweltmediziner. "Im urbanen Bereich könnte es hingegen mehr Selbstkontrolle der Gesellschaft geben. Wenn jemand in ein Geschäft geht und die Maske nicht oder nicht richtig auf hat, wird er schnell einmal schief angeschaut."

Bildung zählt

Die zweite Feststellung der Studie: In Bezirken, wo der Ausländer-Anteil hoch ist oder viele Personen ausländischer Herkunft leben, gab es eine signifikant geringere Inzidenz. "Es zeigt sich, dass bei dem dramatischen Anstieg im November und Dezember in Oberösterreich Ausländer keine Rolle gespielt haben." Ob das daran liegt, dass sie sich eher an die empfohlenen Maßnahmen halten - etwa weil sie öfter noch mit älteren Menschen im Familienverbund leben - oder hier andere Faktoren eine Rolle spielen, könne er aber nicht sagen, so Hutter.

Eine gewisse Rolle spielte auch das Bildungsniveau: "Höhere Bildung hat einen Einfluss auf die Inzidenz, aber das heißt nicht, dass niedrige Abschlüsse für deutlich höhere Zahlen sorgten. Signifikant positive Ergebnisse haben sich eher bei den berufsbildenden mittleren Schulen gezeigt", erklärte Hutter. Keine signifikanten Zusammenhänge fanden sich in der Altersstruktur - möglicherweise auch, weil hier die Unterschiede zwischen den Bezirken gering sind. Bemerkbar war aber, dass je mehr Menschen über 65 Jahre in einem Bezirk lebten, desto niedriger dort auch die Inzidenz war. "Ein Grund dafür könnte sein, dass sich die Älteren eher an die Sicherheitsmaßnahmen halten."

Wien ist anders

Eine Aussagekraft für andere Bundesländer hätten die Ergebnisse aus Oberösterreich übrigens nur bedingt, betonte Hutter: "Wien hat etwa eine ganz andere Bevölkerungsstruktur." Es sei auch nicht Aufgabe der Studie gewesen, Erklärungen für die festgestellten Zusammenhänge zu liefern. "Es ging einmal darum zu schauen, was an gewissen Vermutungen dran ist, die immer wieder kursieren." Für die Frage nach dem Warum schlägt Hutter weiterführende Analysen vor.

Die Ergebnisse der MedUni-Studie könnten aber - gerade in Zeiten knapper Ressourcen - wichtige Handlungsanleitungen liefern. "Wenn es etwa darum geht, in welche Kampagnen man Geld steckt oder wie man versucht, bestimme Gruppen zu erreichen", betonte Hutter.

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