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Wissen Gesundheit
10/21/2020

Coronavirus: Zum Antigen-Test beim Hausarzt

Ab sofort können niedergelassene Mediziner ihre Patienten auf Covid-19 testen. Das soll entlasten und das Kontakt-Management beschleunigen.

von Ingrid Teufl

Der Mittwoch war ein Tag der Rekorde: Noch nie hatte es so viele positiv auf das SARS-CoV-2-Virus Getestete innerhalb von 24 Stunden gegeben (1.958) – und noch nie waren im gleichen Zeitraum so viele Testungen durchgeführt worden (21.277). Fast 2.000 Neuinfektionen an einem Tag seien eine „besorgniserregende Zahl“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Innerhalb von nur einer Woche seien die Neuinfektionen um 30 Prozent angestiegen. Nur in drei Bundesländern liegen die Zahlen noch im zweistelligen Bereich, der Großteil sei längst dreistellig.

Zu viel getestet werde in Österreich nicht, betonte der Minister. „Wir liegen nicht an der Spitze, sondern auf demselben Niveau wie etwa Deutschland oder die Schweiz.“ Ab heute, Donnerstag, ergänzen Antigen-Tests, die auch von niedergelassenen Ärzten durchgeführt werden können, die bisherigen Tests. Sie liefern in wenigen Minuten ein Ergebnis. Der Rachenabstrich muss aber von medizinisch geschultem Personal abgenommen werden. Anschober bezeichnet sie als „wichtigen Teil unserer Teststrategie“. Genaue Zahlen der verfügbaren Tests konnte er zwar nicht nennen. Sie werden aber „ausreichend vorhanden“ sein. Die Hersteller versichern, pro Woche in zweistelliger Millionenzahl produzieren zu können.

Anwendungsgebiete

Mehrere Anbieter haben in jüngster Zeit neue Produkte auf den Markt gebracht, die genauere Ergebnisse liefern als noch vor einigen Monaten. Wobei: „Sie sind nicht so extrem sensitiv wie ein PCR-Test. Daher verlangen wir bei positiven Ergebnissen zusätzlich einen PCR-Test zur Absicherung des Ergebnisses.“ Die Möglichkeit der zusätzlichen und schnelleren Testung „wird uns viel Freude machen, Arbeit ersparen und mehr Tempo reinbringen“. Zugelassen sind die Tests für den Gesundheitsbereich, Anwendungsgebiete seien etwa Spitalsambulanzen, Alten- und Pflegeheime oder Schulen. Und: „Die Antigen-Tests werden auch die Hotline 1450 entlasten können und das Kontakt-Management beschleunigen.“

Dass nun auch in Arztpraxen getestet werden kann, ist eine deutliche Veränderung der bisherigen Strategie. Im Frühjahr lautete die Empfehlung, bei Krankheitssymptomen aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht in die Arztpraxen zu kommen. „Kranke Menschen gehören zum Arzt“, betonte Susanne Rabady, Vizepräsidentin der Gesellschaft für Allgemeinmedizin und selbst in einer Praxis im Waldviertel tätig. „Wir wollen nicht mehr erleben, dass Menschen selbst an sich herumdoktern oder zu lange auf ein Testergebnis warten müssen. Die Möglichkeit zu testen macht uns das Leben sehr viel leichter.“

Die Symptom-Palette sei oft gängigen Erkältungskrankheiten ähnlich. „Wir haben nur diese eine Möglichkeit (Testung, Anm.), um Covid von anderen respiratorischen Symptomen zu trennen. Das müssen wir im Vorfeld entscheiden können.“ Die Vielfalt mache die Diagnose ohne Testung schwierig. „Wir hatten schon Patienten, die mit Rückenschmerzen kamen und einen positiven Test hatten.“

Die Ärztin ist Teil eines Ärzte-Netzwerks, das die Antigen-Tests in den vergangenen Wochen in ihren Praxen testete. Sie lassen sich gut in den Praxisbetrieb einfügen. Für Ärzte, die die Tests „auf freiwilliger Basis“ (Anschober) anbieten wollen, wurde ein Leitfaden entwickelt. Rabady: „Es gibt ausreichend Schutzausrüstung und Patienten können sich verlassen, dass in der Ordination nichts passiert.“

Auch für Wolfgang Mückstein, Leiter des Primärversorgungszentrums Mariahilf, überwiegen die Vorteile. „Das Ergebnis ist in 15 Minuten da und der Abstrich ist einfach durchzuführen.“ Zum Arzt kommen Erkrankte meist nach zwei bis drei Tagen mit Symptomen. Zu diesem Zeitpunkt weisen die Antigen-Tests eine Sensitivität von 90 Prozent auf. Im Probebetrieb testete er rund 100 Patienten, zur Absicherung wurde ein PCR-Test gemacht. „Alle positiven Ergebnisse wurden durch PCR-Tests bestätigt.“

Kontakt
Wer sich schlecht fühlt, sollte telefonisch mit einem Arzt Kontakt aufnehmen. Bietet dieser die Antigen-Tests an, kann ein Termin vereinbart werden. Der Test erfolgt per Rachenabstrich in  zeitlicher oder räumlicher Trennung.

Kosten
Die Produkte müssen laut Verordnung CE-zertifiziert sein. Sie kosten im Einkauf 8 bis 10 €, Ärzte erhalten eine Fallpauschale (35 bis 65 €), für Patienten werden die Kosten von der Sozialversicherung übernommen.

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