Handdesinfektion nützt - das ist erwiesen (Bild)

© EPA/ALEXANDER BECHER

Wissen Gesundheit
04/14/2020

Coronavirus: Was Mediziner von Luftreinigern halten

Jetzt soll auch noch die Luft virenfrei gemacht werden. Warum Hygieniker den Einsatz ablehnen.

von Ute Brühl

Das burgenländische Unternehmen „Oberflächenschutz“ verspricht, im Kampf gegen das Coronavirus auf die Desinfektion der Atemluft zu setzen. Ein entsprechendes Mittel, das mit Diffusern, Trockenvernebelung und Drucksprühern in Räumen verteilt wird und die Luft von Viren reinigt, habe er aus Deutschland ins Burgenland geholt, berichtete Unternehmer Karl Schmidt am Dienstag der Nachrichtenagentur APA. Er will das Desinfektionsmittel künftig vor allem öffentlichen Verkehrsbetrieben, Geschäften und Firmen anbieten. Auch in Schulen und Kindergärten könnte es eingesetzt werden.

Legionellen

Das Mittel namens Anosa wird auch bei Legionellen verwendet "Es funktioniert ähnlich wie Seife“, sagt Schmidt. Das Produkt werde in Räumen vernebelt, was auch per Hand mit Kaltvernebelungsgerät, mit Handpumpe oder mit einem Luftreiniger und Luftbefeuchter möglich sei. Es vernichte die in der Atemluft schwebenden Viren ebenso wie solche, die sich auf Oberflächen abgelagert hätten.

Allerdings, so gibt Schmidt im Gespräch mit dem KURIER zu, ist das Mittel vom deutschen Verbund für angewandte Hygiene (VAH) bisher nur als Oberflächenreiniger geprüft und zertifiziert, nicht als Luftreiniger.

"Grob fahrlässig"

Die Hygienikerin Miranda Suchomel von der Uni Wien ist von dem Einsatz des Mittels nicht überzeugt. Im Gegenteil. "Es gibt keinen Nachweis, dass das Mittel überhaupt Coronaviren abtötet - egal ob als man es als Oberflächen- oder als Luftreiniger verwendet." Zudem ist das Mittel gar nicht für den Einsatz im Diffuser geprüft. Entsprechende Testverfahren gibt es gar nicht. Den Einsatz eines solchen Mittels nennt sie daher "grob fahrlässig."

Umweltmediziner Hans Peter Hutter, ebenfalls von der MedUni Wien, meint zudem, dass noch einige Fragen geklärt sein müssen, bevor man ein Luftdesinfektionsmittel nutzt. "Wann versprüht man das Mittel? Vor, während oder nachdem die Menschen sich in dem Raum aufhalten?" Auch sei zu klären, wie giftig die Inhaltsstoffe sind: "Es gibt einige Substanzen, die man problemlos essen oder trinken kann, wenn man sie aber inhaliert sind sie hochtoxisch, also äußert giftig." Suchomel kann sich darüberhinaus vorstellen, dass solch ein Mittel, das Natriumpolychlroid enthält, auch Oberflächen angreift.

Besser: Lüften

Zudem sei es so, dass zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln dauernd die Türen geöffnet werden und so das Mittel dauernd neu verteilt werden müsste. Hutter bleibt auch aus einem anderen Grund skeptisch: "Die meisten Ansteckungen passieren über Tröpfcheninfektion. Deshalb sind Maßnahmen wie Maskentragen, Abstandhalten und häufiges Lüften nach wie vor am effektivsten - und nicht die Luftdesinfektionen."

Was aber, wenn demnächst in den Firmen wieder die Großraumbüros geöffnet haben? Wie kann man dort eine Ansteckung verhindern? Mit diesem Probelm beschäftigen sich Hutter und seine Kollegen derzeit intensiv. "Wir werden an Ende einen Leitfaden herausgeben. Darin wird auch festgehalten, wie man am besten mit Klimaanlagen umzugehen hat. Ein ausreichender Luftaustausch ist jedenfalls unabdingbar."

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