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Wissen Gesundheit
01/31/2021

Corona: Welchen Einfluss die Blutgruppe auf das Erkrankungsrisiko hat

Menschen mit der Blutgruppe 0 haben ein geringeres Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Das stellten Grazer Forscher fest. Auch schwere Verläufe sind bei ihnen seltener, ergab eine Studie aus Kiel.

von Theresa Bittermann

Wie das Corona-Testergebnis ausfällt, wird nicht allein von sozialen Kontakten, Hygiene etc. bestimmt. Zumindest nicht nur. Ob man sich infiziert oder eben nicht, hängt mit großer Wahrscheinlichkeit auch von zumindest einer unveränderbaren, genetischen Eigenschaft ab, die angeboren ist: der Blutgruppe.

Hinweise aus Studien verdichten sich, dass die jeweilige Blutgruppe Einfluss auf eine Erkrankung oder bereits die Infektion mit dem Coronavirus nehmen kann. In einer Studie der Universitätsklinik Kiel wurde etwa festgestellt, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 klar im Vorteil liegen. Für sie ist die Gefahr, eine ernste Corona-Erkrankung zu haben, demnach um etwa 50 Prozent geringer als bei anderen Gruppen. Menschen, die zur Blutgruppe A gehören, haben laut Studien hingegen ein um knapp 50 Prozent höheres Risiko – im Vergleich zu anderen Gruppen –, einen schweren Covid-19-Verlauf zu erleiden.

Mögliche Ursachen

Auch laut Forschern der Medizinischen Universität Graz könnten Menschen mit der Gruppe 0 besser vor einer Corona-Infektion geschützt sein. „Sie tragen sowohl Anti-A- als auch und Anti-B-Antikörper im Blut. Diese Antikörper, die sich gegen andere Blutgruppen richten, richten sich anscheinend auch gegen das Coronavirus“, erklärt Thomas Wagner, Transfusionsmediziner (Spezialist für Blutprodukte) aus Graz, gegenüber dem KURIER.

Genauer erklärt: Zucker-Strukturen, wie sie im AB0-Blutgruppensystem an der Zelloberfläche der roten Blutkörperchen ausgeprägt sind, können nicht nur bei der Blutgruppenerkennung von Antikörpern, sondern auch bei der Erkennung von Mikroorganismen eine Rolle spielen. „Bakterien oder Viren können dabei selektiv an Blutgruppenstrukturen binden und die Besiedelung des betroffenen Gewebes oder die Aufnahme in die Zellen beeinflussen“, erklärt die Studienleiterin Eva Maria Matzhold.

Geringes Ansteckungsrisiko

Auch wenn das Ansteckungsrisiko für Menschen der Gruppe 0 niedriger ist, konnten die Grazer Forscher jedoch keine Unterschiede im Krankheitsverlauf feststellen, die mit den Blutgruppen zusammenhängen. „Es ist nicht auszuschließen, dass es solche Unterschiede gibt. Vielleicht war unsere Fallzahl dafür zu gering“, sagt Wagner. In der Grazer Studie wurden 338 Patienten untersucht. In der Kieler Studie analysierte man 5.000 Blutproben. Diese stammten aus Norditalien und Spanien, die zum Studienzeitpunkt besonders stark von der Pandemie betroffen waren.

Blutgruppe A
41 Prozent der Bevölkerung zählen in Österreich laut Gesundheitsministerium zur Gruppe A. Sie besitzen Antikörper gegen die B-Gruppe. Würden diese Gruppen vermischt, würde das Blut klumpen

Blutgruppe B
Umgekehrt besitzt diese Gruppe (15 Prozent) Anti-A-Antikörper

Blutgruppe 0
Diese Menschen (37 Prozent) besitzen sowohl Anti-B- als auch Anti-A-Antikörper

Blutgruppe AB
Die 7 Prozent, die dieser Gruppe angehören, haben keine entsprechenden Antikörper

Welcher Mechanismus genau hinter der besseren Abwehrkraft der Blutgruppe 0 liegt, ist noch Gegenstand der Forschung. Therapeutische Maßnahmen kann man daraus aber derzeit wohl keine ableiten. „Wir betreiben Grundlagenforschung“, sagt Wagner.

Blutgruppen und Pandemien

Zusammenhänge zwischen der Blutgruppe und dem Krankheitsrisiko sind keine wissenschaftliche Neuheit. Während Menschen mit der Blutgruppe 0 zwar gegenüber dem Coronavirus resistenter zu sein scheinen, dürften sie zu Zeiten anderer Pandemien den Kürzeren gezogen haben. Für die Pest zum Beispiel scheinen ebendiese Menschen anfälliger gewesen zu sein. „Das geht zumindest aus Populationsforschungen hervor“, erzählt Wagner.

Die Entdeckung der Blutgruppen geht auf den österreichischen Wissenschafter Karl Landsteiner im Jahr 1901 zurück. Seither wurden etliche Zusammenhänge zwischen Krankheiten und Blutgruppen festgestellt. Viele Gründe dafür sind jedoch nach wie vor Gegenstand der Forschung. 1930 wurde Landsteiner für seine Forschungsarbeiten mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

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