Wissen | Gesundheit
20.03.2018

Aus für Einweghandschuhe im Supermarkt

Die Schutzmaßnahme soll keine verbesserte Hygiene bringen. Ab 1. Mai gibt es die Handschuhe nicht mehr.

Sie gehören ins Bild der Wursttheke wie die Wurst selbst: Die Einweghandschuhe der Verkäufer, die – so glaubte man zumindest bisher – hygienische Vorteile bringen. Studien zeigen allerdings, dass die Kunststoffhandschuhe nicht erforderlich sind, um hygienisch zu arbeiten. Eine neue Verordnung sieht vor, dass die Handschuhe deshalb nicht mehr verwendet werden. Die Arbeitsinspektion möchte die auch aus Umweltschutzgründen und für die Gesundheit der Angestellten bedenklichen Handschuhe künftig nur noch dort eingesetzt sehen, wo sie sinnvoll sind. Die Verordnung tritt ab ersten Mai in Kraft – Supermärkte haben also noch bis Ende April Zeit, sich umzustellen.

In einer Information des Bundesministeriums für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Konsumentenschutz wird auf die Neuerung hingewiesen. Bessere Vorsorgemaßnahmen wären die Verwendung von Gabeln, Zangen sowie regelmäßige Händehygiene der Mitarbeiter. Abgesehen davon, dass die Handschuhe keinen hygienischen Vorteil bringen, würden sie die Haut der Mitarbeiter schädigen. Weiterhin zulässig sind die Einweghandschuhe zum Schutz, etwa bei der Arbeit mit Reinigungs-  und Desinfektionsmitteln.

Falsches Gefühl der Sicherheit

Einmalhandschuhe beseitigen "erwiesenermaßen nicht hygienische Defizite beim Umgang mit Lebensmitteln", sondern führten bei den Verwendern wie den Kunden "zu einem falschen Gefühl der Sicherheit", heißt es beim Arbeitsinspektorat. Durch das längerfristige Tragen entstehe ein feuchtes Milieu und die Hautschichten werden aufgeweicht. Juckreiz, Irritationen, aber auch Hautkrankheiten durch Keime oder Allergene seien die Folgen.

Es wird vor allem auch auf eine Studie aus Deutschland verwiesen, die nahelegt, dass das Tragen von Handschuhen an Feinkostbedienungstheken keineswegs hygienischer ist als das Arbeiten mit bloßen - sauberen - Händen unter Verwendung geeigneter Werkzeuge. Besser seien also Zangen, Gabeln oder Folien im Umgang mit Wurst, Fleisch und Käse. "Diese Studie hat eindrucksvoll nachgewiesen, dass bereits nach fünfminütigem Umgang mit Lebensmitteln auf Handschuhen, Händen und Geräten eine starke Bakterienbesiedlung vorhanden ist. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Versuchspersonen mit oder ohne Handschuhe gearbeitet haben", informiert das Arbeitsinspektorat. "Gepflegte, gesunde Hände und saubere Arbeitsutensilien sind hygienischer als jeder Einsatz von Einmalhandschuhen."

Erste Phase

Seit Dezember und noch bis Mai läuft eine erste Phase einer Schwerpunktaktion zu in heimischen Supermärkten im Rahmen der Österreichischen Arbeitsschutzstrategie. Sie soll Betreibern und Mitarbeitern aufzeigen, wo Einweghandschuhe notwendig sind - nämlich nur als persönliche Schutzausrüstung im Umgang mit gesundheitsgefährdenden Substanzen. Bei der laufenden Aktion handelt es sich um eine gemeinsame Initiative von u.a. Gesundheits- und Sozialministerium sowie dem dort etablierten Arbeitsinspektorat, Wirtschafts- und Arbeiterkammer, AUVA, ÖGB und Lebensmittelaufsicht. Die Kunden werden per Aushängen in den Geschäften informiert.