In Afrika - wie hier in Nairobi - sind besonders viele Kinder betroffen.

© EPA/DANIEL IRUNGU

Wissen Gesundheit
11/25/2020

Alle 100 Sekunden infiziert sich ein Kind mit HIV

Im Vorjahr gab es laut Unicef 320.000 neue HIV-Fälle unter Kindern und Jugendlichen, Covid-19 erschwert die Behandlung.

Anfang der 1980er-Jahre machte ein Virus von sich reden. Rund 40 Jahre später gibt es weder Impfstoff gegen noch Heilung von dem HI-Virus. Die Zahlen der Neuinfektionen sind immer noch hoch - auch unter Heranwachsenden. Schätzungsweise hat sich im Vorjahr alle 100 Sekunden ein Mensch unter zwanzig Jahren neu mit dem Verursacher von Aids infiziert. Dadurch hat sich laut einem vom Kinderhilfswerk der UNO veröffentlichten Bericht die Gesamtzahl der mit HIV lebenden Kinder auf 2,8 Millionen erhöht.

Schlechte Versorgung von Kindern

Der UNICEF-Bericht "Reimagining a resilient HIV response for children, adolescents and pregnant women living with HIV" warnt davor, dass Kinder im Kampf gegen den HI-Virus zurückgelassen werden. Die Bemühungen zur Prävention und die Behandlung von Kindern in den am meisten betroffenen Gemeinschaften sind nach wie vor gering. Im Jahr 2019 hatte nur etwas mehr als die Hälfte der Kinder weltweit Zugang zu lebensrettender Behandlung. Ihre Versorgung ist damit deutlich geringer als sowohl jene für Mütter (85 Prozent) als auch jene für alle Erwachsenen, die mit HIV leben (62 Prozent). In diesem Jahr starben fast 110.000 Kinder an Aids.

Regionale Unterschiede

Trotz einiger Fortschritte im jahrzehntelangen Kampf gegen HIV und Aids bestehen nach wie vor große regionale Unterschiede innerhalb der Bevölkerungsgruppen insbesondere bei Kindern, so der Bericht. Die pädiatrische Abdeckung der antiretroviralen Behandlung ist im Nahen Osten und in Nordafrika mit 81 Prozent am höchsten, gefolgt von Südasien (76 Prozent), Ost- und Südafrika (58 Prozent), Ostasien und dem Pazifik (50 Prozent), Lateinamerika und der Karibik (46 Prozent) sowie West- und Zentralafrika (32 Prozent).

Covid-19 verschlechtert Behandlung

"Auch während die Welt inmitten einer andauernden globalen Pandemie kämpft, leiden Hunderttausende Kindern weiterhin unter den verheerenden Folgen der HIV-Epidemie", sagt UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. "Es gibt immer noch keinen HIV-Impfstoff. Kinder infizieren sich nach wie vor in alarmierender Anzahl und sie sterben immer noch an Aids. Das war noch bevor Covid-19 die lebenswichtigen HIV-Behandlungs- und Präventionsleistungen unterbrach und damit unzählige weitere Leben in Gefahr brachte."

Die Covid-19-Krise hat die Ungleichheiten beim Zugang zu lebensrettenden HIV-Dienstleistungen für Kinder, Jugendliche und Schwangere überall weiter verschärft. In einer kürzlich durchgeführten UNICEF-Umfrage in 29 Ländern, die schwer von HIV betroffen sind, antwortete ein Drittel der Befragten, dass die Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Frauen, die mit HIV leben und von der Infektion gefährdet sind, im Vergleich zu den Zahlen vor der Pandemie um zehn Prozent oder mehr gesunken ist.

Lockdown verhindert Therapien

In den Monaten April und Mai, in denen teilweise oder vollständigen Lockdown-Maßnahmen zum Tragen kamen, gingen dem Bericht zufolge die pädiatrische HIV-Behandlung und die Tests zur Bestimmung der Viruslast bei Kindern in einigen Ländern zwischen 50 und 70 Prozent zurück. Der Beginn neuer Behandlungen reduzierte sich um 25 bis 50 Prozent. Auch die Anzahl an Geburten in Gesundheitseinrichtungen und die Versorgung von Schwangeren nahmen Berichten zufolge um 20 bis 60 Prozent ab. HIV-Tests bei Müttern und der Behandlungsstart mit ART-Therapien gingen um 25 bis 50 Prozent zurück, Test bei Säuglingen reduzierten sich um etwa zehn Prozent. Lockerungen der Maßnahmen führten zu einem Wiederanstieg der Dienstleistungen. Es bleiben aber Herausforderungen bestehen.

- 150.000 Kinder im Alter von null bis neun Jahren wurden neu mit HIV infiziert, wodurch sich die Gesamtzahl der Kinder innerhalb dieser Altersgruppe, die mit HIV leben, auf 1,1 Millionen erhöht hat.

- 170.000 Jugendliche im Alter von zehn bis 19 Jahren wurden neu mit HIV infiziert. Damit beläuft sich die Gesamtzahl der mit HIV lebenden Jugendlichen auf 1,7 Millionen.

- 30.000 heranwachsende Mädchen wurden 2019 neu mit HIV infiziert, verglichen mit 44.000 heranwachsenden Buben.

- Die Gesamtzahl der Aids-bedingten Todesfälle unter Kindern und Jugendlichen betrug 110.000; 79.000 im Alter von null bis neun Jahren und 34.000 im Alter von zehn bis 19 Jahren.

- Der Zugang von Müttern zu antiretroviraler Therapie zur Verhinderung der Übertragung des Virus auf ihre Babys stieg weltweit auf 85 Prozent und die Frühdiagnose bei Säuglingen erreichte 60 Prozent.

- Die Zahl der schwangeren Frauen, die mit HIV leben, betrug 1,3 Millionen; schätzungsweise 82.000 Kinder unter fünf Jahren wurden während der Schwangerschaft oder Geburt und 68.000 während des Stillens infiziert.

- Der Bericht fordert alle Regierungen auf, die Fortschritte im Kampf gegen HIV im Kindesalter zu schützen, zu erhalten und zu beschleunigen, indem sie grundlegende Gesundheitsdienste aufrechterhalten und die Gesundheitssysteme stärken.

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