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Wissen Gesundheit
02/08/2020

Alkohol auf der Piste: Was im Körper passiert

Reaktion, Sehvermögen, Kälteempfinden: Die Wirkung von Alkohol beim Skifahren wird unterschätzt.

von Ingrid Teufl

Schon zu Mittag geht es auf manchen Skihütten zu, als ob der Tag auf der Piste vorbei und längst Après-Ski und Party angesagt wären: Das Bier fließt zu lauter Musik in Strömen und der eine oder andere "Willi" oder Jägermeister wird gekippt.

"Die Wirkung von Alkohol ist immer die gleiche", sagt Wolfgang Schreiber, Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes und Notfallmediziner. Mehrere Körper- und Gehirnfunktionen werden beeinträchtigt. "Aber beim Skifahren ist das besonders kontraproduktiv. Die Wirkung wird unterschätzt."

Was passiert genau im Körper?

"Unter Alkoholeinfluss kommt es zu einer Enthemmung und Selbstüberschätzung", erklärt Schreiber. "Beim Skifahren führt das dazu, dass man über seine Verhältnisse fährt." Damit gefährdet man sich und andere, zumal bei Zusammenstößen mit anderen Skifahrern eine Knautschzone fehlt. Durch Alkohol verringert sich auch die Konzentration – die wäre gerade in schwierigem Gelände besonders gefordert. Alkohol erhöht die Unfallgefahr auch wegen des beeinträchtigten Gleichgewichtsgefühls. Und: Es kommt zu einer verlangsamten Reaktionsfähigkeit. Bereits zwei Bier reichen dafür aus. Oder auch ein Glühwein. Der kann durch seine Wärme und Süße zusätzlich für eine falsche Einschätzung der Lage sorgen.

Wie wirkt sich Kälte auf den Alkoholkonsum aus?

Generell schränkt Alkohol immer sämtliche kognitiven und koordinativen Fähigkeiten ein. In einer kalten Umgebung weitet der Körper automatisch die Blutgefäße in der Haut, um die innen liegenden Organe zu schützen. Das passiert auch beim Konsum von Alkohol – man kann ein angenehmes Gefühl von Wärme verspüren. "Dadurch kommt es rascher zu einer Auskühlung des Körpers als ohne Alkoholeinfluss", erklärt Schreiber. Das sei besonders bei Stürzen ein Problem. Ebenso verändert sich durch die erweiterten Blutgefäße die Wahrnehmung von Kälte, wenn man Alkohol konsumiert hat: Man spürt die Kälte nicht und denkt, es ist wärmer.

Hat Höhenluft einen Einfluss?

Kaum, sagt Schreiber. Es stimmt nicht, dass Alkohol in höheren Lagen schneller wirkt. "In unseren Breiten sind die Höhen der Skigebiete moderat." Bekannt ist allerdings auch, dass in sehr hohen Lagen der Sauerstoffanteil der Luft geringer ist, was zu früherer Müdigkeit führen kann – was sich wiederum aufs Skifahren negativ auswirkt.

Ist auch das Sehvermögen eingeschränkt?

"Alkohol beeinträchtigt nicht die Möglichkeiten des Auges. Aber die Verarbeitung der Eindrücke im Gehirn ist beeinträchtigt." Das heißt konkret: Schon ab 0,3 Promille wird das sogenannte periphere Sehen – das Sehen in den Augenwinkeln – eingeschränkt. Ein "Tunnelblick" stellt sich ein. Ebenso sinkt das räumliche Sehvermögen, das wirkt sich auf die Einschätzung von Entfernungen und Abständen aus. Zusätzlich kann es passieren, dass man Kontraste nicht mehr wahrnimmt und nur mehr verschwommen sieht.

Verträgt man Alkohol besser, wenn man ausreichend isst?

"Der Körper muss immer die gleiche Menge Alkohol abbauen. Die sogenannte Unterlage verzögert das nur. Ist man nüchtern, wird der Alkohol schneller aus dem Magen-Darm-Trakt ins Blut aufgenommen."

Wie wirken sich Kälte und Alkohol auf den Flüssigkeitshaushalt des Körpers aus?

"Alkohol regt die Harnproduktion an, Kälte macht das auch", erklärt Schreiber. Das führt zu einem doppelten Flüssigkeitsverlust.

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