Vergleich: Sperling links und Heracles inexpectatus rechts.

© Brian Choo/ Flinders University

Wissen
08/07/2019

Fossilienfund: Urzeit-Papagei war groß wie ein Kleinkind

Paläontologen entdeckten etwa 19 Millionen Jahre alte Überreste des Riesenvogels.

Riesensensation mit einem Riesenvogel: Wissenschafter haben die fossilen Überreste eines Mega-Papageis entdeckt. Mit bis zu einem Meter Größe überragte er die heutigen Vertreter bei weitem. Bisher hielt der neuseeländische Kakapo den Rekord als größter bekannter Papagei. Nun ist es "Heracles inexpectatus", benannt nach der griechischen Sagengestalt Herakles - "inexpectatus" steht für die unerwartete Entdeckung. Mit seinem mächtigen Schnabel könnte der Ur-Vogel vielleicht sogar andere Vögel getötet und gefressen haben.

Etwa sieben Kilo schwer

Paläontologen aus Australien und Neuseeland entdeckten die Überreste des Riesenpapageis bei Ausgrabungen von 16 bis 19 Millionen Jahren alten Fossilien in der Nähe von Saint Bathans im Süden Neuseelands. Sie schätzen, dass der Vogel etwa einen Meter groß war und sieben Kilogramm wog - etwa doppelt so schwer wie der heute noch existierende, aber stark bedrohte Kakapo.

Neuseeland beherbergte einst mehrere Riesenvögel, darunter bis zu 3,5 Meter große Moas, sowie Adler mit einer Spannweite von drei Metern. Auch auf anderen Inseln brachte die Evolution sehr große Vogelarten hervor, beispielsweise den Dodo auf Mauritius und den Rodrigues-Solitär, eine ca. 90 Zentimeter große Taubenart, auf der benachbarten Insel Rodrigues.

Bisher habe aber niemand einen riesigen ausgestorbenen Papagei entdeckt, ließ sich Studienautor Trevor Worthy von der australischen Flinders University in einer Mitteilung der Hochschule zitieren.

Insel der Giganten

„Bis jetzt hat noch nie jemand einen ausgestorbenen Riesen-Papagei gefunden – nirgendwo“, sagt Worthy: „Dieser Riesen-Papagei demonstriert, dass auch die Papageien nun zur wachsenden Gruppe der Vogelarten gehören, die auf Inseln einen Gigantismus entwickeln können“, konstatieren die Paläontologen.

Die Gegend, in der der Riesen-Papagei lebte, war im Miozän von einem artenreichen subtropischen Wald bedeckt. In diesem tummelten sich neben mehr als 40 Vogelarten auch Schildkröten, Krokodile, Fledermäuse und andere Säugetiere, wie Fossilfunde verraten. Palmen, Steineiben und andere Bäume lieferten mit ihren Früchten vermutlich reiche Nahrung für den Riesen-Papagei und seine Zeitgenossen.

Seltene Art

Doch wie genau Heracles aussah, ob er fliegen konnte und wie er lebte, ist noch unbekannt. Denn bisher haben die Forscher trotz des Fossilreichtums der Fundstätte nur die Überreste eines einzigen Exemplars dieses Riesen-Papageis entdeckt. Das könnte darauf hindeuten, dass Heracles auch zu Lebzeiten keine sehr häufige Spezies war.