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© dpa/Felix Heyder

Fetal-Chirurgie
10/25/2016

Eingriff am offenen Mutterbauch

Wie Babys mit Tumor oder Herzfehler noch im Mutterleib operiert und gerettet werden.

von Laila Daneshmandi

Es klang wie eine medizinische Sensation: Das Baby einer US-Amerikanerin wurde in einer Klinik in Houston in der 23. Schwangerschaftswoche operativ aus dem Bauch geholt, um einen Tumor zu entfernen – dann wurde es zurück in den Mutterbauch gesetzt und kam zwölf Wochen später gesund per Kaiserschnitt zur Welt.

"Ein solcher Eingriff ist ungewöhnlich und wird nur in speziellen Zentren durchgeführt – neu ist das Verfahren aber nicht. Diesen Ansatz gibt es schon seit 30 Jahren", erklärt der Pränatalmediziner Prim. Univ.-Doz. Wolfgang Arzt vom Kepler Universitätsklinikum in Linz. Während des Eingriffs bleibt das Kind über die Nabelschnur durchgehend mit der Mutter verbunden: "Man öffnet den Bauch der Mutter, die Gebärmutter und die Fruchtblase. Dann wird das Kind nur ein bisschen angehoben, um etwa eine Operation am offenen Rücken durchführen zu können. Es ist also keine Geburt."

Offen vs. geschlossen

Arzt betont allerdings, dass ein solcher Eingriff am offenen Mutterbauch nur in speziellen Ausnahmefällen durchgeführt wird, meist bei offenem Rückenmark. Bei dem aktuellen Fall handelte es sich um einen seltenen Tumor am Steißbein, der sonst lebensgefährlich für das Kind geworden wäre. Vor allem zu Beginn der Fetal-Chirurgie vor mehr als 30 Jahren endete die Schwangerschaft nach einem offenen Eingriff oft mit einer Frühgeburt oder gar mit einer Fehlgeburt, weil es vor allem schwierig ist, die Fruchtblase wieder funktionsfähig zu verschließen.

Inzwischen operieren die Spezialisten nur noch im Ausnahmefall am offenen Bauch und sonst bevorzugt geschlossen – hierbei wird mit Fetoskopie gearbeitet: Eine extrem dünne Röhre mit einer Optik wird über die Bauchdecke in den Mutterleib geführt und ermöglicht einen genauen Blick auf das Kind und die Gefäße. "Tumore werden vorzugsweise auf diese Art mithilfe eines Lasers abgetragen", erklärt der Pränatalmediziner Arzt.

2mm Herzklappe

An seiner Klinik ist man seit mehr als zehn Jahren auf Herz-Operationen am ungeborenen Kind spezialisiert. Am Kepler Uniklinikum, wohin auch Fälle aus ganz Europa zugewiesen werden, hat man heuer bisher 16 solcher Eingriffe durchgeführt. "Da operieren wir mit zwei Millimeter großen Herzklappen im geschlossenen Mutterleib. Die Frauen gehen zwei bis drei Tage später nach Hause und die Kinder kommen dann mit einem quasi gesunden Herzen zur Welt."

Ein Herzfehler ist die häufigste Fehlbildung, die bei Föten gefunden wird – etwa ein Prozent der Kinder ist davon betroffen, einige davon sind schon im Mutterleib behandelbar. Mit der Verbesserung der Ultraschall-Technologie werden solche Herzfehler besser erkannt: "Die Entdeckungsrate steigt, weil die Ärzte besser geschult sind und die Patienten sich eher in spezialisierten Zentren untersuchen lassen", erklärt Arzt.

Durch die bessere Technologie sei es auch immer besser möglich, etliches im Mutterleib zu reparieren. "Das Faszinierende daran ist, dass sich das Organ nach der Operation viel besser entwickeln kann, als wenn es erst nach der Geburt operiert worden wäre. Das fetale Leben hat bessere Heilungsmechanismen. Die operierten Föten haben nach der Geburt kaum Narben und können sich meist normal entwickeln."

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