Der vielleicht älteste Text in deutscher Sprache

Abrogans-Abschrift, womöglich ältestes Schriftstüc…
Foto: /Stift Admont Die zwei Fragmente aus Admont sind beiseitig beschrieben.

Sensationsfund im Stift Admont: Ein Experte für Handschriften fand die 1200 Jahre alten Fragmente zufällig in einer Mappe aus dem Depot des Benediktinerstifts.

Dem Handschriftenexperten Martin Haltrich aus dem Stift Klosterneuburg ist im steirischen Benediktinerstift Admont ein Sensationsfund geglückt: Der Experte entdeckte die "womöglich ältesten Schriftstücke in deutscher Sprache, die jemals gefunden wurden", so Karin Schamberger, Bibliothekarin in Admont, zum KURIER.

Bei den beidseitig beschriebenen Pergamentfragmenten handelt es sich offenbar um Ausrisse aus einem etwa 1200 alten Buch, berichten Spiegel online und das Magazin Der Spiegel in seiner neuen Ausgabe. Auftraggeber könnte Karl der Große gewesen sein. Die zwei Schriftstücke befanden sich seit 1963 in einer Mappe mit anderen Fragmenten, die Haltrich aus Interesse durchgeblättert hatte.

Sehen Sie hier die beiden Seiten der Fragmente:

Abrogans-Abschrift, womöglich ältestes Schriftstüc… Foto: /Stift Admont

Abrogans-Abschrift, womöglich ältestes Schriftstüc… Foto: /Stift Admont

Die zeitliche Einordnung gelang unter anderem über die verwendete Schrift, die karolingischen Minuskel. Vieles deutet daraufhin, dass die Fragmente zwischen 790 und 810 entstanden. Sie stammen aus einer Überarbeitung des Abrogans. Dieser ist ein Synonymwörterbuch – selten verwendete lateinische Begriffe werden mit einfacheren lateinischen Wörtern erklärt und ins Althochdeutsche übertragen. Der Namen kommt vom ersten Eintrag, dem Wort abrogans (althochdeutsch dheomodi, bescheiden, demütig). Die Ur-Fassung ist nicht erhalten – bisher waren drei Abschriften bekannt (in Bibliotheken in St. Gallen, Paris und Karlsruhe).

Stiftsbibliothek Admont… Foto: /stift admont Diie Admonter Stiftsbibliothek "Unsere Fassung ist zeitgleich wie die anderen entstanden, aber bereits innovativer. In unserer Fassung sind alle Wörter schon in alphabetische Ordnung gebracht", so Schamberger. Derzeit könne man nicht sagen, welche der vier Abschriften die älteste Variante ist.

Derzeit ist der "Admonter Abrogans" aus Schutzgründen nicht öffentlich ausgestellt – allerdings könnten die Fragmente 2018 im Rahmen einer Ausstellung zu sehen sein. Bis dorthin wollen die Forscher noch viele der offenen wissenschaftlichen Fragen aufarbeiten. "2018 wollen wir auch eine große Publikation veröffentlichen", sagt Schamberger.

(kurier / em) Erstellt am
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