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28.08.2018

Metastasen "einfrieren": Studie gibt Hoffnung bei Brustkrebs

Forscher entdeckten ein bisher nicht bekanntes "Ökosystem" bei Brustkrebs. Dieses kann das Wachsen von Metastasen stoppen.

Eine Studie mit Mäusen und Krebspatientinnen zeigt erstmals ein bisher nicht bekanntes "Ökosystem" bei fortgeschrittenem Brustkrebs. Der Brusttumor gibt demnach Signale aus, die das Wachstum von weiteren, sogenannten sekundären Tumoren im Körper an anderen Stellen stoppen. Die Ausbreitung von Krebs über den ursprünglichen Tumor hinaus – bekannt als Metastasen – ist der tödlichste Aspekt der meisten Krebsarten. Sobald sich Brustkrebs auf andere Teile des Körpers ausgebreitet hat, sind Behandlungen weitaus weniger effektiv und die Prognose für die Patientin verschlechtert sich stark.

Die Erkenntnisse eröffnen möglicherweise neue Möglichkeiten, die Ausbreitung von Brusttumoren zu bekämpfen. "Unser Ziel ist es herauszufinden, wie wir dieses 'Einfrieren' sekundärer Krebserkrankungen nachahmen können. Eines Tages könnten wir alle Brustkrebsarten so beeinflussen, dass wir weitere Tumore in Schach halten", sagt Studienautorin Christine Chaffer.

Tumorwachstum wird gestoppt

Die Forscher fanden heraus, dass primäre Brusttumore bei Mäusen "abbrechende Zellen" beeinflussen können. Das sind Metastasen, also jene Zellen, die den Primärtumor verlassen haben, um neue Tumore im ganzen Körper zu bilden. Sie sorgen für eine Entzündungsreaktion, die vom Immunsystem bekämpft wird. Über ebendieses kann wiederum der Primärtumor eine Botschaft senden. Das bedeutet: Sobald die Immunzellen die abtrünnigen Zellen lokalisiert haben, sind sie in der Lage, sie "einzufrieren" – das Tumorwachstum wird gestoppt.

"Die abtrünnigen Zellen sind – bevor sie einen neuen Tumor gebildet haben – besonders anfällig, weil sie sich in einem Übergangszustand befinden. An diesem Punkt kann das Immunsystem eingreifen", meint Chaffer. Werden sie gezwungen, in diesem Übergangszustand zu bleiben, wachsen sie nicht gut. Ihre Fähigkeit, einen neuen Tumor zu bilden, ist stark beeinträchtigt. Der Primärtumor schaltet im Wesentlichen seine eigene Ausbreitung ab.

Auch bei Menschen gefunden

Diese Erkenntnisse konnten nicht nur bei Mäusen gewonnen werden. Auch bei Menschen fanden die Forscher einen indirekten Beweis dafür, dass der gleiche Prozess stattfinden kann. Bei einer Gruppe von 215 Brustkrebspatientinnen mit hohem Risiko für Metastasen, hatten Patientinnen mit hohen Spiegeln der gleichen Art von Immunantwort ein besseres Gesamtübeleben als jene mit niedrigen Spiegeln.

Die Wissenschaftler arbeiten nun daran, diese Entdeckung in Therapien umzuwandeln. "Wenn jemand einen Primärtumor hat, gibt es eine Unmenge an abbrechenden Zellen, die durch den Körper wandern, aber nicht alle von ihnen werden Tumore bilden. Laut Schätzungen bilden weniger als 0,02 Prozent der abtrünnigen Zellen sekundäre Tumore, sodass wir eine echte Chance haben, diese Zahl auf Null zu reduzieren", sagt Chaffer.

Chaffer und ihre Kollegen haben bereits einige der Signale entdeckt, die die Immunzellen senden, um Metastasen in Schach zu halten. Ziel ist, genau zu verstehen, was der Tumor freisetzt, um diese Immunantwort zu aktivieren, und wie Immunzellen auf die Sekundärstelle zielen. All diese Schritte bieten laut den Studienautoren therapeutische Möglichkeiten, die dazu genutzt werden könnten, einen Krebs daran zu hindern, sich weiter zu entwickeln.

Die Forscher hoffen, Möglichkeiten zu finden, um eine Ausbreitung von Brusttumoren künftig zu unterdrücken. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Cell Biology veröffentlicht.