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Studien
11/27/2013

Durch Lebensstil Krebs verhindern

Zumindest jede dritte Erkrankung wäre vermeidbar

von Ernst Mauritz, Christa Schimper

Acht Wochen lang täglich eine Portion (Tiefkühl-)Gemüse, dazu ein Schuss Walnussöl (reich an ungesättigten Fettsäuren): Das war die Vorgabe, die knapp 100 Typ-2-Diabetiker und gesunde Personen für eine Studie einhalten mussten. Die Ergebnisse verblüfften die Wissenschaftler: Bei der Analyse von Blutproben der Diabetiker zeigten sich deutlich weniger Schäden in der Erbsubstanz (DNA) – die ein wichtiger Risikofaktor für die Krebsentstehung sind.

Die Studie wurde von der Diabetes-Ambulanz im Gesundheitszentrum Wien-Süd und dem Department für Ernährungswissenschaften der Uni Wien durchgeführt.

„Zwar können solche DNA-Schäden vom Körper repariert und geschädigte Zellen in den Zelltod getrieben werden“, sagt Univ.-Prof. Karl-Heinz Wagner, stv. Leiter des Departments: „Aber irgendwann funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr perfekt.“

Unterschätzt

Wagner hat für einen Kongress der onkologischen Fachzentren Österreichs die aktuellen Daten zum Thema Lebensstil und Krebs zusammengetragen. Sein Fazit: „Der Anteil des Lebensstils als Auslöser von bösartigen Krankheiten wird in der Öffentlichkeit unterschätzt.“

30 Prozent aller Krebserkrankungen sind abhängig vom Ernährungs- und Bewegungsverhalten. Rauchen ist ein zusätzlicher Risikofaktor von vergleichbarem Ausmaß. Wobei bei manchen Krankheiten der Effekt des Lebensstils besonders hoch ist:

So kann moderate Bewegung (30 Minuten täglich) das Risiko für Dickdarmkrebs um immerhin 40 bis 50 Prozent senken.

Bei Brustkrebs sind es immerhin 30 bis 40 Prozent.

Mehr als zwei Gläser Alkohol pro Tag erhöhen das Risiko für Mund-, Rachen- und Kehlkopfkrebs deutlich.

Hoher Salzkonsum ist nicht nur ein Risiko für Bluthochdruck, sondern auch für Magenkrebs. Fünf bis sechs Gramm am Tag sollten nicht überschritten werden.

„Gleichzeitig muss man betonen, dass es natürlich auch andere Ursachen der Krebsentstehung gibt – wie etwa genetische Faktoren oder Infektionen“, erklärt Wagner.

Die Teilnehmer an der Wiener Ernährungsstudie haben nicht nur täglich mehr Gemüse gegessen – „es kam auch zu einem Rückgang des Fleischkonsums.“ Zwei bis drei Portionen (maximal 500 Gramm) pro Woche an Fleisch(-waren) von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen sollten nicht überschritten werden: „Denn dann steigt das Risiko für Dickdarmkrebs deutlich an.“ Dass die Studienteilnehmer konsequent ihre Ernährungsumstellung durchhielten, hing mit der intensiven Beratung zusammen: „Solche begleiteten Programm bräuchten wir auch außerhalb von Studien in Österreich viel mehr. Weil jemandem nur zu sagen, ,stelle deine Ernährung um‘, reicht nicht.“

Während der Obstkonsum in Österreich in den vergangenen zehn Jahren angestiegen sei, stagniere der Gemüsekonsum: „Die Empfehlungen von zwei Gemüseportionen am Tag – rund 300 bis 400 Gramm, egal, ob rotes, gelbes oder grünes Gemüse – sind stark mit dem positiven Effekt auf das Krebsrisiko begründet.“

Wagner betont, dass deshalb niemand Vegetarier werden müsse: „Eine ausgewogene Mischkost ist ähnlich gesund wie eine ausgewogene vegetarische Kost.“

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