Rainer Graf

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Wissen
05/08/2019

Direktor Graf: Aufgaben waren verständlich und lösbar

Rainer Graf leitet das Schulzentrum in Ybbs. Was er an der Mathematik-Matura ändern würde.

Rainer Graf ist Direktor des Schulzentrums Ybbs (NÖ), zu dem eine HTL mit IT-Schwerpunkt, eine HAK und eine Handelsschule gehört – und er ist Mitglied des

KURIER-Bildungsbeirats. Ein Gespräch über den Sinn der Mathematik-Matura.

KURIER: Am Mittwoch war Mathematura. Wie schätzen Sie die aktuellen Aufgaben ein?

Rainer Graf: Die Aufgaben waren verständlich, lösbar und praxisnah. Sie waren gut gewählt, weil sie den allgemeinen Stoff gut abdecken.

Halten Sie die jährliche Aufregung vor der Matura berechtigt?

Die Aufregung und die intensive Berichterstattung über die Reife- und Diplomprüfung war heuer besonders intensiv. Mittlerweile müssen Lehrer viel Energie aufwenden, um die Schüler zu beruhigen. Speziell die Panik vor der Mathematikprüfung verstehe ich nicht ganz, da unsere SchülerInnen noch nie ein Problem mit der Prüfung hatten. Bei all den Unkenrufen kann es dann auch zu selbsterfüllenden Prognosen kommen.

Wurde das, was ursprünglich bei Einführung der neuen Reifeprüfung versprochen wurde, auch eingehalten?

Wir hätten uns je nach Schultyp mehr unterschiedliche Aufgabenstellungen – Cluster – gewünscht (derzeit gibt es abhängig vom Schultyp fünf verschiedene Teil B-Aufgaben für die berufsbildenden Schulen, Anm.). In der HTL wurden diese von anfänglich acht auf zwei gekürzt. Zudem fänden wir es gut, wenn die Tests zentral korrigiert werden würden. Es ist für Lehrerinnen und Lehrer unangenehm, die eigenen Schüler bewerten zu müssen. Das hat immer einen Beigeschmack – auch wenn es Vorschriften gibt, ist man leicht dem Vorwurf ausgesetzt, dass man zu wohlwollend oder zu streng bewertet. Logisch wäre: zentrale Prüfung, zentrale Beurteilung.

 

 

Sind sie mit dem Bewertungsschlüssel zufrieden?

Die Pädagogen würden gerne bei größeren Aufgaben Zwischenergebnisse einfließen lassen – null, ein oder zwei Punkte sind bei komplexen Fragen problematisch.

Teil A ist für Schüler aller berufsbildenden höheren Schulen (BHS) ident. Ist das klug?

Es gibt mathematische Fähigkeiten, die für ein Studium notwendig sind – die muss jeder Maturant beherrschen und soll deshalb zentral abgeprüft werden. Beim Teil B würde ich einen Schritt weitergehen: Die Aufgaben sollten von den Lehrern am Standort gestellt werden – so kann man besser auf die Schulschwerpunkte eingehen.

In Österreich ist die Matura von einer einzigen Prüfung abhängig. Sollte man vorherige Leistungen mit einbeziehen, wie in anderen Ländern üblich?

Die Reifeprüfung ist eine zusammenfassende, abschließende Prüfung über die Grundkompetenzen – das ist in Ordnung. Es kommt nur vereinzelt vor, dass an diesem Tag ein Schüler krass von seiner Jahresleistung abweicht. Dass Maturanten nur für die Prüfung lernen, glaube ich nicht. Sie wissen, dass Firmen bei Bewerbungen Zeugnisse der Vorjahre verlangen.