Wissen und Gesundheit
18.09.2017

Die Höhle, die viel über die Vergangenheit verrät

Auf der Insel Korčula in Dalmatien befindet sich eine der wichtigsten Grabungsstätten der Welt. Dort gehen Forscher der Evolution und dem natürlichen Klimawandel nach.

Knochen von kleinen und großen Wirbeltieren, Asche von Vulkanen, menschliche Artefakte wie Werkzeug und Schmuck: Die Höhle Vela Spila auf der dalmatinischen Insel Korčula bietet ausreichend Material, um mehr über den Klimawandel und die Evolution zu erfahren.

Archäologen, Paläontologen und Genetiker aus der halben Welt kommen regelmäßig nach Vela Luka, um sich in der Grotte nur wenige Gehminuten oberhalb der kleinen Hafenstadt durch die Sedimente zu arbeiten.

"Derzeit graben wir in einer Schicht, die zwischen 15.000 und 20.000 Jahre alt ist", erklärt Preston Miracle, ein US-Archäologe im Dienste der britischen Universität Cambridge. Zu jener Zeit lag die heute beliebte Ferieninsel nicht im Meer, Korčula war viel mehr Teil einer Steppe, in der mit großer Wahrscheinlichkeit auch Mammuts durchmarschierten.

Miracle liefert dafür die Erklärung: Die Adria hatte sich aufgrund einer Kälteperiode weit in den Süden zurückgezogen – und breitete sich erst danach langsam Richtung Norden aus.

Mäusezähne im Sackerl

Quadratmeter für Quadratmeter wird die nächste Sedimentschicht gelockert, genau sondiert und von Fundstücken befreit. Hier eine Muschel, die als Schmuckstück diente, dort ein Mäusezahn: Jedes noch so kleine Stück wird in transparente Plastiksäcke gesteckt, mit einer Ordnungsnummer versehen und genau beschrieben. "Wir wollen damit sicherstellen, dass keine Information verloren geht", erklärt Ankica Oros Sršen, Paläontologin an der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Zagreb. Sie ist für den Fortgang der Grabungen und deren genaue Dokumentation mitverantwortlich.

Tiefe Einblicke

Die Höhle Vela Spila ist heute eine der wichtigsten Grabungsstätten der Welt, erklärt Preston Miracle dann. Sie bietet den Vorteil, dass sie leicht zugänglich ist. Zudem ermöglicht sie auf der Fläche eines mittelgroßen Wohnzimmers tiefe Einblicke in die Geschichte der Erde und ihrer Evolution. Es wird noch Jahre dauern, bis sich die Forscher buchstäblich in die ältere Erdgeschichte hinunter gegraben haben. Sicher ist, dass der Ort lange vor dem Auftauchen der ersten Menschen Tieren Schutz vor Naturgewalten und natürlichen Feinden bot.

Jeder Grabungstag fördert neue Erkenntnisse zutage: Unglaublich, die Asche im Boden weist dieselbe Konsistenz und dasselbe Alter auf wie die Asche, die italienische Kollegen rund um den Vesuv gefunden haben. Sie ist somit Zeugnis eines Vulkanausbruchs, der Südeuropa nachhaltig erschüttert hat. "Jetzt können wir vielleicht auch erklären, warum danach deutlich mehr Fledermäuse und kleine Vögel in der Höhle gelebt haben", erklärt Ankica Oros Sršen. Es scheint, als wäre die Region für ein längeres Zeitfenster für Menschen unbewohnbar geworden.

Alles sehr transparent

Seit mehr als fünfzig Jahren wird in der Höhle gegraben. Die Logistik des internationalen Grabungsteams ist dementsprechend ausgeklügelt. Alle Fundstücke werden vor dem örtlichen Feuerwehrhaus von einem täglich wechselnden Dreier-Team gewaschen und sondiert. Hoch konzentriert gehen die jungen Forscher an ihr Tagwerk: Kein Knochen, kein Artefakt entgeht ihrem Forscherauge.

Alles landet sodann im städtischen Museum, wo ein Nebenraum zu einem Labor umfunktioniert wurde. Hier beginnt auch die Arbeit der Genetiker, die später in ihren Labors aus den Knochenfunden das Genom unterschiedlicher Tierarten entschlüsseln wollen, um so mehr über deren Ursprung und Entwicklung zu erfahren.

Neuer Impuls für den Tourismus

Transparent wie ihre Plastiksäcke ist auch die Arbeit der Forscher. Mit dem in Vela Luka lebenden Archäologen Dinko Radić wissen sie auch einen wichtigen Mittelsmann in ihren Reihen. Radić hat inzwischen im örtlichen Kulturzentrum ein archäologisches Museum eingerichtet und die Grotte für Besucher geöffnet. Das ist nicht zuletzt ein neuer Impuls für den Tourismus, der von Sonne, Meer und Wein längst nicht mehr leben kann.

Mehr über die Höhle in Vela Luka finden Sie hier.