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09/23/2012

Die Heilwirkung von Wasser nutzen

Die therapeutische Wirkung bewährt sich seit Jahrtausenden – als innere und äußerliche Anwendung oder direkt am Wasserfall.

von Ingrid Teufl

Wasser ist Leben. Der menschliche Körper besteht zu 75 Prozent daraus, täglich verlieren wir etwa 1,5 Liter. Der Physiologe Univ.-Prof. Wolfgang Marktl erklärt: "Das richtige Verhältnis zwischen Flüssigkeit und Salzen muss ständig aufrechterhalten werden. Sonst drohen nachteilige Auswirkungen auf den Haushalt unserer Körperzellen. Wasserdefizite haben nicht umsonst wesentlich gravierendere Auswirkungen auf unseren Körper als Nahrungsdefizite."

Das farblose Lebenselexier punktet aber auch stark als Heilmittel. Schon die alten Griechen und Römer haben die heilenden Eigenschaften von Wasser genutzt. Heute sind diese als sogenannte Hydrotherapie fixer Bestandteil der Schulmedizin – in Form von Bädern, Kuren sowie Kalt- und Warmwasseranwendungen.

Marktl unterscheidet zwischen Behandlungen mit normalem Leitungswasser und Heilwässern. Bei ersteren schätzt man Eigenschaften wie Auftrieb oder Temperatur. "Das erleichtert Bewegungstherapien oder Muskeltraining." Der Einsatz von Heilwässern hat andere Hintergründe. "Durch die besonderen chemischen Eigenschaften und Zusammensetzungen des Wassers erwarten wir uns besondere Heilwirkungen."

Heilwässer: Zum Baden und für Trinkkuren

Österreich ist in der glücklichen Lage, über viele verschiedene Heilwässer zu verfügen", sagt Univ.-Prof. Wolfgang Marktl. Wann sich ein Wasser Heilwasser nennen darf, ist gesetzlich geregelt und muss genau überprüft werden.

Untersucht wird vor allem die Konzentration zusätzlicher – gelöster – Inhaltsstoffe, die über die Haut aufgenommen werden. "Diese sorgen im Körper für chemische und physikalische Reaktionen." In der Balneologie werden die Heilwässer gegen verschiedene Leiden eingesetzt. So wirkt etwa Schwefelwasser positiv auf den Bewegungsapparat, Radon bei rheumatischen Erkrankungen und Hautleiden. Anwendungen mit Kohlensäure werden wiederum bei Blutdruckproblemen eingesetzt, weil es die Gefäße erweitert.

"Dass diese Therapien wirken, ist wissenschaftlich gut dokumentiert", betont Marktl, der eine Kurforschungsstätte des Ludwig-Boltzmann-Instituts in Bad Tatzmannsdorf (Bgld.) leitet. Für eine dauernde Wirkung sind mehrmalige Anwendungen in kurzen Abständen vorteilhaft. Marktl: "Um heilende Effekte zu erzielen, die noch Monate nach der Kur anhalten, sind drei Wochen nötig."

Heilwässer nutzt man auch als Trinkkuren. "Diese zählen zu den ältesten Behandlungsarten der Medizin", heißt es aus dem Kurzentrum Bad Tatzmannsdorf. Dort liefern vier Quellen unterschiedliche Mineralisationen des Wassers. "Das nutzen unsere Kurmediziner für die individuelle Zusammensetzung von Trinkkuren. Unser Wasser eignet sich bei Gastritis oder Magenübersäuerung, Harnwegserkrankungen oder Gicht."

Kneippen: Gib dem Körper kalt-warm

Wie ein Storch abwechselnd durch kaltes und warmes Wasser zu staksen oder kalte Wassergüsse auf den Armen: Die Verwendung des nassen Elements ist eine der fünf Säulen von Kneipp-Kuren. Die aus dem 19. Jahrhundert stammende Philosophie des Pfarrers Sebastian Kneipp hat in den vergangenen Jahren eine wahre Renaissance erlebt. Physiologe Wolfgang Marktl erklärt, warum. "Wasser wird klassisch als Hydrotherapie angewendet. So sind recht drastische Temperaturreize möglich, die im ganzen Organismus wirken." Das stärkt nachweislich Immunsystem und Durchblutung.

Den dahinterstehenden Effekt hat die moderne Wissenschaft längst geklärt. Die Kälte wird von den Thermorezeptoren der Haut über Nerven und Rückenmark bis zum Gehirn geleitet, von wo aus der Kreislauf aktiviert wird. Gleichzeitig erhalten die Hautgefäße den Befehl sich zusammenzuziehen. Wenn sie nach dem Reiz wieder weiter werden, fließt das Blut besser.

Wasserfalltherapie: Fein zerstäubt gegen Asthma

Ganz normale Wasserfälle haben viel Potenzial für die Medizin, fanden Salzburger Forscher heraus; etwa bei Atemwegserkrankungen. "Obwohl Wasserfälle an sich im Grunde gar kein Heilwasser enthalten", sagt der Physiologe Wolfgang Marktl. Dennoch werden die tosenden Wassermassen etwa in Krimml (Salzburg) therapeutisch bei Atemwegserkrankungen eingesetzt und mittlerweile erforscht. Marktl: "Die Wassertropfen werden beim Herunterstürzen feinst in der Luft zerstäubt und dadurch negativ aufgeladen. Das wirkt beruhigend auf verkrampfte Atmungsorgane." Wie ein mikrofeiner Sprühnebel gelangen die Wasserteilchen dabei mit der Atmung in die Lunge und entfalten hier eine reinigende Wirkung.

In einer Studie der Paracelsus Privatuniversität profitierten besonders Kinder, die an Asthma und Allergien litten, von diesem Heileffekt. So sehr, dass die Asthma-Symptome zum Teil noch Monate nach der dreiwöchigen Therapie nicht auftraten.

Überwärmung: Stoffwechsel wird angekurbelt

Wasser ist ein äußerst guter Wärmeleiter. Das nutzte die Volksmedizin schon in früheren Jahrhunderten. "Die Wassertemperatur hat wesentlich größeren Einfluss auf den menschlichen Körper als die Lufttemperatur", erklärt Physiologe Marktl.

"Nach oben hin liegt die Schmerzgrenze im Wasser bei einer Temperatur von 45 C, nach unten bei 18 C." Die langsame Erwärmung (im Schnitt knapp zwei Grad C, Anm.) des Körpers kurbelt ebenso den Stoffwechsel an wie kaltes Wasser. Wird die Körpertemperatur um nur ein Grad Celsius erwärmt, steigt der Puls um 15 bis 20 Schläge pro Minute. Dadurch werden Sauerstoff, Nährstoffe, aber auch Abfallprodukte schneller transportiert. Aber auch die Regenerationsfähigkeit steigert sich.

Ebenso schüttet der Organismus bei kontrollierten Überwärmungsbädern das Stresshormon Kortisol aus. Dadurch kommen die weißen Blutkörperchen auf Touren, sie aktivieren das Immunsystem und damit die Abwehrmechanismen des Körpers.

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