Wissen und Gesundheit
31.12.2017

Der Ursprung vieler Silvesterbräuche

Wissenswertes und Kurioses über alte und neue Traditionen zum Jahreswechsel

Bleigießen und Glücksschweine gehören zum Jahreswechsel wie der Christbaum zu Weihnachten. Doch woher kommen solche Bräuche und wie alt sind sie? Diesen Fragen ist der Volkskundler Reinhard Kriechbaum auf den Grund gegangen (Buchtipp siehe unten).

Kennen Sie zum Beispiel den Brauch des Sternschießens rund um Salzburg? Am 31. Dezember versammeln sich die Schützen der Dörfer, die in einem Radius von etwa 30 Kilometer rund um die Stadt liegen. Um 15 Uhr geht es los, das erste Mal knallt es in den entlegensten Orten. In konzentrischen Kreisen nähern sich die Schüsse der Stadt Salzburg, wo das Spektakel um ca. 16.15 Uhr von der Staatsbrücke aus seinen Abschluss findet.

Was nach alter Tradition klingt, ist relativ neu: Das Sternschießen geht auf ein Fest im Jahr 1967 zurück. Das Salutschießen gab es hingegen schon im Mittelalter, und im Dreißigjährigen Krieg wurde es zum gängigen Brauch. Damals wollte man so seinem Gegenüber beweisen, dass man in guter Absicht gekommen war. Weil man nicht so einfach das Patronenmagazin leeren konnte, schoss man seine Waffen leer, indem man in die Luft oder ins Wasser feuerte.

Prosit Neujahr!

Auch das Anstoßen geht auf das Mittelalter zurück, wobei es für den Ursprung dieses Rituals mehrere Erklärungen gibt. Eine geht davon aus, dass irdene Gefäße schwungvoll aneinander geschlagen wurden, bevor getrunken wurde. Dabei schwappte immer Bier oder Wein in den Becher des Mittrinkers – für beide eine Garantie, dass kein Gift im Getränk war. Möglich auch, dass das Klirren der Gläser auf die großen Festbankette der Adeligen zurückgeht, wo Vorkoster den Wein testeten. Sobald diese das Getränk für ungefährlich erachteten, begann die Tafelmusik. Das Klirren der Gläser könnte eine Reminiszenz daran sein.

Dass man zum Neuanfang oder zu Neujahr Menschen Glück wünscht, ist ein uralter Brauch. Neben Rauchfangkehrer, Kleeblatt und Fliegenpilz werden Schweinchen verschenkt. Warum diese ein Glückssymbol sind, lässt sich nur vermuten. Eine Theorie besagt, dass die Formulierung "Schwein haben" aufs Kartenspielen zurückzuführen ist, wo das Ass oft als "Sau" bezeichnet wird. Möglich auch, dass das mittelalterliche Turnier Ursprung ist, bekam der Verlierer doch immerhin noch ein Ferkel als Trostpreis.

Glockenläuten

Seit 1957 wird das neue Jahr im Österreichischen Hörfunk immer auf die gleiche Weise eingeleitet: Zuerst läutet die Pummerin, dann erklingt der Donauwalzer. 1957 war auch das Jahr, an dem die Glocke des Stephansdoms das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg ertönte. Wobei die Geschichte der Pummerin weitaus älter ist. Die ursprüngliche Glocke aus dem Jahr 1711 wurde aus zweihundert Kanonen gegossen, die die Türken bei ihrer zweiten Belagerung zurückgelassen hatten. Beim Brand im April 1945 ist sie abgestürzt und zersprungen, ihr Material wurde aber für die neue Glocke genutzt – gegossen wurde sie in Oberösterreich und mit großem Pomp nach Wien transportiert.

Wie der Schlag der Pummerin ist auch das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker der Inbegriff der österreichischen Tradition – der ORF überträgt das Konzert heuer zum 60. Mal, am Pult wird diesmal Riccardo Muti stehen. Das erste Konzert zum Jahreswechsel wurde bereits 1939 gegeben – gewidmet dem von Adolf Hitler installierten Kriegswinterhilfswerk. Die beschwingten Strauß-Walzer wusste Joseph Goebbels für die NS-Propaganda-Maschinerie zu nutzen. Und das, obwohl Strauß aus einer Familie konvertierter Juden stammte. Die Nazis lösten dieses "Problem" auf ihre Weise, indem sie kurzerhand das Taufbuch fälschten.

Noch eine Fernsehproduktion ist für die Österreicher ein Fixpunkt am Jahreswechsel: Über "Dinner for one" lachen Millionen. Dass der 18-minütige Sketch vom NDR – also einem deutschen und keinem britischen Sender – produziert wurde, wissen wohl die wenigsten. Seit der Erstausstrahlung 1963 wurde der Sketch 231 Mal gesendet und ist somit laut dem Guinnessbuch der Rekorde die "weltweit am häufigsten ausgestrahlte Fernsehproduktion". Auf dass es auch heuer heißt: "The same procedure as every year."

Buchtipp: Reinhard Kriechbaum: Borstenvieh und Donauwalzer. Geschichten und Bräuche rund um den Jahreswechsel. Verlag A. Pustet, 19,95 €.