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Wissen
07/12/2020

Bedrohte Tierarten: Kommerzielle Zucht statt Wilderei?

Myanmar sieht die Haltung von Tigern und anderen Arten als Weg aus dem illegalen Handel. Umweltschützer warnen vor steigender Nachfrage.

Myanmar (das frühere Burma) hat die kommerzielle Zucht von Tigern und anderen Wildtieren als Maßnahme gegen illegalen Handel und Wilderei erlaubt. Umweltschützer befürchten durch den Schritt einen weiteren Anstieg der Nachfrage nach seltenen Wildtierprodukten, wie die Naturschutzorganisationen World Wildlife Fund (WWF) und Fauna & Flora International (FFI) in einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten.

Myanmar ist ein wichtiger Umschlagplatz für den illegalen Wildtierhandel. Die Nachfrage wird besonders aus dem Nachbarland China befeuert. Weltweit werden in diesem Bereich schätzungsweise 17,7 Milliarden Euro umgesetzt.

Bereits im Juni hatte das Wald-Ministerium des südostasiatischen Landes privaten Zoos stillschweigend die Möglichkeit gegeben, sich auf Lizenzen für die Zucht von 90 Arten zu bewerben. 20 davon gelten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Das Ministerium gab an, damit gegen Wilderei und illegale Zucht vorgehen zu wollen.

Auf der Liste stehen unter anderem Tiger, von denen es in Myanmar nur noch 22 Exemplare geben soll. Außerdem vertreten: Elefanten, Schuppentiere, mehrere Geier-Arten sowie der Irawadi-Delphin, von dem es nur noch einige wenige wild lebende Tiere in Myanmars Gewässern gibt. Das vom Aussterben bedrohte Siam-Krokodil darf demnach sogar wegen seines Fleisches und seiner Haut gezüchtet werden.

Umweltschützer befürchten negative Folgen der Zuchtgenehmigungen haben. Kommerzieller Handel mit Wildtieren steigere die Gesamtnachfrage, warnten WWF und FFI. Auch seien Myanmars Behörden nicht in der Lage, den Handel wirksam zu kontrollieren. Sie fürchten, Myanmar könne durch das neue Gesetz ebenso wie die Nachbarländer Thailand, Laos und Vietnam einen Großteil seiner Wildtiere verlieren. Fortschritte im Kampf gegen illegalen Wildtierhandel in Myanmar stünden nun auf dem Spiel.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) erlaubt die Zucht einiger gefährdeter Arten, jedoch nur unter strengen Bedingungen. Myanmars Waldministerium versicherte, die neue Liste sei in Rücksprache mit "Umweltschutzgruppen, Akademikern und Experten" erstellt worden.

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