Wissen und Gesundheit
31.07.2017

Beachvolleyball: Risikoreiche Strandpartien

Untrainierte Hobbyspieler gefährden bei Überlastung das Schultergelenk.

Die coolen Vorbilder der Beachvolley-WM und dann ein Netz am Strand, an einem See oder im Bad: " Beachvolleyball ist ein toller Sport. Aber untrainierte Hobbysportler sollten aufpassen, dass sie ihre Schultergelenke nicht überlasten", sagt die Wiener Orthopädin Alexandra Pokorny-Olsen, Schulterchirurgische Teamleiterin im Orthopädischen Spital Speising in Wien.

"Die Schulter ist von Natur aus unser instabilstes Gelenk. Sie lässt einen sehr großen Bewegungsumfang zu – deshalb muss sie eine gewisse Instabilität haben." Die Gelenkspfanne (Teil des Schulterblatts) ist im Vergleich zum doppelt bis vierfach so großen Gelenkskopf relativ klein. Für Stabilität sorgt die Rotatorenmanschette aus vier Muskeln, die das Gelenk umfassen. Vor allem an deren Sehnen (die Verbindung der Muskeln zum Knochen), am ebenfalls stabilisierenden Bindegewebe der Gelenkskapsel sowie an den Bändern (verbinden bewegliche Knochenteile) kommt es bei Überlastung häufig zu Mikroverletzungen wie Einrissen und Entzündungen. "Als Folge können sich auch flüssigkeitsgefüllte Ausstülpungen der Gelenkskapsel bilden, die auf Nerven drücken und so Schmerzen verursachen. Dies und die wiederholte Dehnung von Nerven in Überkopfposition des Arms kann in der Folge zu einem Muskelschwund führen", erläutert Pokorny-Olsen.

Großer Energieaufbau

Ein besonderes Risiko für ein untrainiertes Gelenk sei der Schmetterschlag: Bei dieser Angriffsbewegung wird der Arm von hinten nach vorne rasch durchgezogen. "Dabei kommt es zu einem großen Energieaufbau in der Schulter und es braucht viel Kraft in der Rotatorenmanschette, um diese Bewegung abzubremsen und abzufedern."

Wichtig sei es, bereits bei ersten leichten Schmerzen von einem Orthopäden abklären zu lassen, ob nur muskuläre Dysbalancen, oder bereits erste strukturelle Schäden wie Einrisse bzw. Risse verschiedener Gewebestrukturen, Gelenksabnützungen oder auch Nervenschäden vorliegen. Solche Verletzungen werden heute minimalinvasiv operiert. Bei der Schulterarthroskopie (arthros griechisch für Gelenk, skopein gr. für schauen) werden nur drei bis maximal fünf ein Zentimeter große Schnitte gesetzt – dadurch wird das Gewebe geschont.

Das Arthroskop (ein röhrenförmiges Instrument mit spezieller Optik und starker Lichtquelle) ermöglicht den Blick ins Gelenk. Gleichzeitig werden damit die chirurgischen Instrumente an die richtige Stelle gebracht. "Eingerissene Sehnen können so wieder zum Knochen gezogen und mit Dübeln und kleinen Fäden fixiert werden." Danach muss das Gelenk für maximal sechs Wochen ruhiggestellt werden. Pokorny-Olsen: "Im Orthopädischen Spital Speising werden die meisten Schulteroperationen dieser Art in der Tagesklinik durchgeführt – die Patienten gehen am OP-Tag nach Hause."

So wichtig sind Aufwärmübungen

Bevor man Beachvolleyball spielt, sollte man unbedingt Aufwärmübungen machen, betont die Orthopädin. "Die Schulter sollte man zum Beispiel mit Armkreisen oder Hampelmännern aktivieren." Auch dynamische Stretch-Übungen – am besten angeleitet von einem Trainer oder Physiotherapeuten – seien sehr wichtig. Gefährlich für die Schulter sind auch Stürze, etwa mit dem Mountainbike oder beim Inline-Skaten. Bei einer Luxation – einer "Verrenkung" des Gelenks – können Sehnen reißen oder Knochenteile abgesprengt werden. Auch zu einer Sprengung des Gelenks (komplettes Abreißen der Bandstrukturen der Gelenkskapsel) zwischen Schlüsselbein und Schulterdach (AC–Gelenk) kann es durch ein direktes Trauma kommen: "Bei einer Arthroskopie können die Bandstrukturen vernäht und wieder fixiert werden." Geduld ist bei Verletzungen der Schulter immer gefragt: Im Schnitt dauert es ein halbes Jahr, bis sie wieder komplett schmerzfrei ist.