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Basenfasten: Den Körper "entsäuern"
04/14/2014

Basenfasten: Den Körper "entsäuern"

Beim Basenfasten ernährt man sich ausschließlich von Obst, Gemüse und Kräutertee.

von Elisabeth Gerstendorfer

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"Melanzaniröllchen gefüllt mit Gemüsestreifen auf geschmortem Fenchel" oder "Kräuterkarfiol auf Süßkartoffelmus mit gelben Rüben" – was sich anhört wie in einem Nobelrestaurant, steht auf dem Speiseplan des Basenmenüs im Biohotel "der daberer" im Kärntner Gailtal. Der einzige Unterschied zum normalen Menü ist, dass die Speisen nur aus Obst und Gemüse bestehen. Basenfasten heißt die Methode, bei der über die Ernährung versucht wird, den Körper bei der Regulation des Säure-Basen-Haushalts zu unterstützen. Marianne Daberer, Juniorchefin des gleichnamigen Hotels und zertifizierte Basenfasten-Trainerin, erklärt warum: "Durch Stress und falsche Ernährung kann es zu einer Übersäuerung kommen. Beim Basenfasten ist das Ziel, den Köper wieder zu entsäuern." Eine Ansicht, die von vielen Medizinern nicht gänzlich geteilt wird (siehe unten).

Das Säure-Basen-Milieu ist an verschiedenen Stellen des Körpers unterschiedlich. Damit die Organe optimal arbeiten können, müssen ihre jeweiligen pH-Werte eingehalten werden. In der Regel reguliert sich der Körper selbst, beim Basenfasten wird – meist eine Woche lang – versucht, ihn dabei zu unterstützen. "Man sollte zu 20 Prozent säurebildende Lebensmittel zu sich nehmen und zu 80 Prozent basische. In unserer Ernährung ist es aber oft umgekehrt", sagt Daberer. Das Basenfasten findet individuell oder in Gruppen statt, etwa für Spezialwochen mit der deutschen Heilpraktikerin Sabine Wacker, die die Methode entwickelt hat.

Die Wacker-Methode

Flohsamen-Frühstück

Der Tag beginnt mit einer Gemüsesuppe, einem Obstteller oder Flohsamen. Die Samen der gleichnamigen Heilpflanze quellen mit Flüssigkeit vermengt im Magen auf. Sie sorgen für ein Sättigungsgefühl, schmecken mit Saft vermengt süß und sind reich an Ballaststoffen. Schwer fällt nur der Gang vorbei am Frühstücksbuffet, an dem allerlei Nicht-Basisches angeboten wird. Mittags folgen ein Rohkostsalat, eine Suppe und ein Gemüsegericht, wobei Rohes nur bis 14 Uhr gegessen werden sollte, um die Verdauung zu entlasten. Abends gibt es wieder eine Gemüsesuppe sowie ein warmes Gemüsegericht. Vielleicht ein verstohlener Blick zur Dessertvariation am Nachbartisch. Denn auf Süßes, Kaffee, Alkohol – getrunken werden nur Kräutertees und Wasser – sowie tierische und Getreideprodukte wird komplett verzichtet. Sie gelten als Säurebildner. Erleichtert wird die Fastenkur durch die Kombination mit Wellnessangeboten wie Basenbädern, Detox-Massagen und Moorpackungen.

Anfangs blicken die Teilnehmerinnen, überwiegend sind es Frauen, noch neidisch zum vorbeigetragenen Schokoladensoufflé, im Abschlussgespräch sehen die meisten die Fastenerfahrung aber positiv. "Fitter und vitaler" beschreibt sich etwa die 32-jährige Claudia aus Wien. Vermisst hat sie vor allem Brot und Süßes, abends bestellte sie oft eine zweite Portion nach. Für Seniorchefin Inge Daberer kein Problem: "Im Unterschied zu anderen Fastenarten hat man beim Basenfasten keinen Hunger, man kann sich gut satt essen und auch nachbestellen. Es geht darum, sich bewusst zu ernähren und basische Lebensmittel auch danach in die tägliche Ernährung einzubauen."

Der Körper ist kein Ofenrohr, das man durchputzen kann

Viel frisches Obst und Gemüse, kein Alkohol und Kaffee, wenig Fett – auf den ersten Blick klingt der Basen-Speiseplan gesund. Ist er auch, allerdings habe er kaum eine Auswirkung auf den Säure-Basen-Haushalt im Körper, meint Univ. Prof. Harald Mangge von der MedUni Graz. Der Labormediziner und Stoffwechselexperte befürwortet zwar die gesunde Ernährung beim Basenfasten, den pH-Wert könne man so aber nicht beeinflussen. "Das körpereigene System, das den Säure-Basen-Haushalt stabil hält, ist sehr robust. Im Blut liegt der pH-Wert beispielsweise zwischen 7,35 und 7,45. Das ist sehr eng und wird bei ausgewogener Ernährung vom Körper gut gehalten", sagt Mangge.

Regelmäßige Obst- und Gemüseportionen seien völlig ausreichend für das Säure-Basen-Gleichgewicht. Von einer Darmreinigung mit Abführmitteln oder Einläufen, wie sie vor dem Basenfasten empfohlen wird, rät Mangge ab. "Der Darm arbeitet immer, er sollte nicht unbedingt leer sein. Ein Großputz für die Organe klingt zwar sehr anschaulich. Der Körper ist aber kein Ofenrohr, das man durchputzen muss, sondern ein dynamisches System, das ständig läuft", meint Mangge.

Bei ungesunder Ernährung sei nicht "Übersäuerung" das Problem. Vielmehr komme es zu ernsten Folgeerkrankungen wie Adipositas und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Eine Basenfastenkur kann aber ein Anstoß sein, sich bewusster und gesünder zu ernähren. Mangge empfiehlt saisonales und frisches Gemüse sowie eine faser- und ballaststoffreiche Ernährung. "Wichtig ist, seine Lebensweise langfristig zu ändern, nicht nur kurzfristig."

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